Die deutsche Mystik

Unmittelbare Gotteserfahrung als Mittelpunkt des Glaubens

Als deutsche Mystik (vom griechischen Wort mystikós - geheimnisvoll - abgeleitet) wird eine neue - auch philosophisch wichtige - Bewegung bezeichnet, die eine auf Erfahrung gegründete, unmittelbare Gotteserkenntnis in den Mittelpunkt des Glaubens stellte.

Die Mystik ging im 14. Jahrhundert von den Dominikanern aus, als Begründer gilt Meister Eckhart (etwa 1260-1327), der zuletzt am Kölner Dominikanerkloster wirkte. Die dominikanische Mystik war auch Antwort auf die Braut- und Passionsmystik, der sich seit dem 13. Jahrhundert zahlreiche Nonnen und Beginen hingegeben hatten - in Visionen und Erscheinungen, Meditationen und Gebeten suchten diese Frauen die Vereinigung mit Christus, dem "Seelenbräutigam".

Gelassenheit und Abgeschiedenheit


Auf diese bisweilen ekstatische Frauenmystik wirkte Eckhart mäßigend ein, indem er den Weg zur Christusvereinigung nicht in der Liebe und im Leiden wies, sondern als existenziellen Akt der Erkenntnis definierte. Für Eckhart bildeten "Gelassenheit" und "Abgeschiedenheit " Voraussetzungen für die "Gotteinung", die Union der Seele mit Gott wird bei ihm durch eine "Gottesgeburt in der Seele" vollzogen, jenseits von Liebe und Gnade - was viele seiner vor allem weiblichen Hörer nicht verstehen wollten.

Der Dominikaner Johann Tauler von Straßburg (1300-1361) mahnte in seinen volkstümlichen Reden und Schriften zur praktischen Nachahmung Christi, zu Demut und Selbsterkenntnis, in deren Folge der Mensch von Gott "überformt" werde. Zur "Einheitserfahrung" mit Gott konnten auch Frömmigkeitsübungen, Gebet und Eucharistie führen. Von Tauler übernahm Müntzer vor allem den Begriff der unmittelbaren Gotteserfahrung - der Mensch müsse bereit sein, das "Werk Gottes", den "Geist Gottes" unmittelbar in seinem Inneren zu erfahren, zu erleiden.

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