Maria Theresia

Die Habsburgerin musste um ihre Macht kämpfen

Oft unterschätzt, musste sie sich als Frau in einer Herrendomäne erst noch behaupten: Maria Theresia, die Königin von Ungarn und Böhmen sowie ungekrönte deutsch-römische Kaiserin. Ihr Vater hatte eigens ein Gesetz erlassen, um seiner ältesten Tochter die Thronfolge zu ermöglichen. Doch die anderen europäischen Mächte erkannten das nicht an und begannen, das Habsburgerreich unter sich aufzuteilen. Maria Theresia wehrte sich - mit Erfolg.

Als Maria Theresia am 13. Mai 1717 geboren wurde, waren die Habsburger unangefochten die mächtigste Dynastie im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation. Seit 300 Jahren stellten die Habsburger auch den Kaiser. Ihr Gebiet reichte von den Niederlanden bis Ungarn und Siebenbürgen - ein Vielvölkerstaat, der mehrheitlich nicht zum deutsch-römischen Reich gehörte.

Ohne männlichen Thronerben drohte der Zerfall dieser Machtbastion. Durch die "Pragmatische Sanktion" erklärte Kaiser Karl VI. zwar frühzeitig auch eine weibliche Thronfolge für legitim. Als er im Oktober 1740 überraschend an einer Pilzvergiftung starb, folgte ihm Maria Theresia offiziell als Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn. Doch die 23-jährige junge Mutter, die gerade erneut schwanger war, musste sich ihre Anerkennung bei den europäischen Nachbarn erst erkämpfen - und zwar militärisch: im Österreichischen Erbfolgekrieg, der acht Jahre dauerte.

Malen, Singen, Tanzen

Vorbereitet war die junge Frau dafür nicht. Als Prinzessin war sie von Jesuiten unterrichtet worden. Statt Politik, Rechts- und Militärwesen lernte sie Französisch, Spanisch, Italienisch und Latein, ebenso Malen, Singen und Tanzen. Am Wiener Kaiserhof herrschte eine familiäre Atmosphäre. Maria Theresia wuchs mit Herzenswärme auf. Ganz im Gegensatz zu dem fast gleichaltrigen preußischen Kronprinzen Friedrich, der ihr größter Widersacher werden sollte.

1736 heiratete Maria Theresia den Sohn des lothringischen Herzogs, Franz Stephan. Eine vor allem politische Hochzeit, arrangiert vom Vater Karl VI., doch auch Maria Theresia fand Gefallen an ihrem Gatten. Das Paar hatte zusammen 16 Kinder. Politisch stützten Franz und Maria Theresia sich auf die Habsburger-Macht, so dass Maria Theresia später nicht nur Kaiser-Gattin war, wie ihre Vorgängerinnen, sondern wirklich regierende Kaiserin.

Der Kampf um die Macht

1740 begann Maria Theresias langer Kampf um die Macht. Nach dem Tod ihres Vaters reklamierten die Kurfürsten von Bayern und Sachsen Teile des Habsburger-Reiches für sich. Der junge Preußenkönig Friedrich II. besetzte im Dezember 1740 das österreichische Schlesien. Doch Maria Theresia nahm den Kampf auf, erst recht, nachdem sie am 13. März 1741 einen Jungen zur Welt gebracht hatte: Nun kämpfte die Mutter für das Erbe ihres Sohnes. Mit dem Thronfolger auf dem Arm ließ sie sich am 25. Juni 1741 zum "König von Ungarn" krönen und gewann die militärische Unterstützung der Ungarn.

Rückgewinnung der Kaiserkrone

Schönbrunn Quelle: mev

Fast alle europäischen Mächte verbündeten sich, um das Habsburgerreich zu schwächen. Die Habsburger verloren die römisch-deutsche Kaiserkrone: 1742 wurde der Wittelsbacher Karl Albrecht, Kurfürst von Bayern, als Karl VII. zum Kaiser gekrönt. Und es war ein schwacher Trost für Maria Theresia, dass ihre österreich-ungarischen Truppen am selben Tag dessen Residenzstadt München besetzten.Doch das Blatt wendete sich. 1745 starb Karl Albrecht, und Maria Theresia gelang es durch ein Tauschgeschäft, die Krone für Habsburg zurückzugewinnen: Sie verzichtete auf "ihr" Schlesien zugunsten von Preußen, im Gegenzug unterstützte der mächtige Friedrich II. die Wahl von Maria Theresias Mann zum rechtmäßigen deutschen Kaiser Franz I.. Damit war Maria Theresia Kaiserin, auch wenn sie eine eigene Krönung ablehnte. Die Zügel hatte ohnehin sie als Habsburgerin in der Hand.

In Wien leitete die Kaiserin Reformen am Staatsapparat ein. Dazu nahm sie sich zunächst ein Beispiel an ihrem größten Widersacher, veränderte ihr Verwaltungssystem nach preußischem Vorbild, um effizienter zu werden und mehr Geld für das stehende Heer zur Verfügung zu haben. Ihr Ziel war, das verlorene Schlesien zurückzugewinnen.

Ein mittelmäßiger Frieden

Maria Theresia schloss Bündnisse mit Frankreich und Russland. Preußen verbündete sich mit England, das in Nordamerika mit Frankreich um die Vorherrschaft rang. 1756 begann ein Stellvertreterkrieg auf deutschem Boden als Teil "eines schon weltkriegsartigen Großkonflikts" (Historiker Wolfgang Neugebauer): der Siebenjährige Krieg. 1762 war Preußen so gut wie vernichtet, als die russische Zarin Elisabeth starb. Ihr Sohn und Thronfolger stand jedoch auf Preußens Seite. Maria Theresia musste den Kampf gegen Preußen aufgeben: "Lieber ein mittelmäßiger Frieden als ein glorreicher Krieg," soll sie beim Unterzeichnen des Friedensvertrages gesagt haben.

Nach dem Tod ihres Mannes Franz I. 1765 regierte Maria Theresia noch viele Jahre gemeinsam mit ihrem Sohn Joseph II., der seinem Vater im selben Jahr als Kaiser nachfolgte. Während sie mäßigend wirkte, drängte ihr Sohn auf Landgewinn. Gegen ihren Rat beteiligte sich Österreich 1772 an der Teilung Polens. Sie starb im November 1780 in Wien. Ihr größter Feind, der Preußenkönig Friedrich, machte ihr am Ende das größte Kompliment: "Sie hat ihrem Thron und ihrem Geschlecht Ehre gemacht", sagte er anerkennend. "Ich habe mit ihr Kriege geführt, doch ich war nie ihr Feind."

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