Die ersten Franken

"Frank und frei" vom Niederrhein nach Bayern

Häufig können Bevölkerungsgruppen oder Bundesländer auf eine lange Tradition zurückblicken. Doch nicht immer stimmt die aktuelle Lage mit der Herkunft und Geschichte dieser Stämme überein. So ist bei den frühen Franken auch weniger die Rede von Würzburg und Nürnberg. Stattdessen zählen Köln und Xanten zu den fränkischen Städten.

"Franken" ist ein Sammelbegriff für mehrere kleinere Stämme, die sich im dritten Jahrhundert zusammenschließen. Sie wählen den Namen "Franken" für ihren Stammesverband, der zunächst "die Mutigen" und wahrscheinlich erst später "die Freien" bedeutet.

Ihr erstes Siedlungsgebiet liegt im heutigen Nordwestdeutschland zwischen Köln und Xanten am Niederrhein, den Niederlanden und Belgien -außerhalb des Imperium Romanum auf germanischem Gebiet. Durch die Nähe zu den Römern und deren Geschichtsschreibung ist ihre Existenz gut dokumentiert. Wesentlich schlechter ist die Quellenlage über andere, weiter im Nordosten gelegene Stämme, die aber trotzdem zu "den Franken" gerechnet werden können.

Sprachgrenze

Mit dem Ende der römischen Vorherrschaft, beschleunigt auch durch die Siege des merowingischen Frankenkönigs Chlodwig I., verlegt der Stamm sein Siedlungszentrum. Aus der Gegend von Köln und Aachen wandert er in Richtung Osten und anschließend nach Süden. Vermutlich wählen die Franken diese Marschrichtung nicht ganz freiwillig, ziehen doch zur gleichen Zeit die mächtigen Sachsen nach Nordwesten in Richtung britische Insel. Jedenfalls können nach dem Sieg über die (südwest-"deutschen") Allamannen Chlodwigs Nachfolger ihr Reich zu einer Großmacht ausbauen, das die Benelux-Staaten sowie große Teile des heutigen Frankreichs und Deutschlands umfasst.

Das Ende des merowingischen Königsgeschlechts in der Mitte des achten Jahrhunderts beschließt auch die Blütezeit der Franken. Unter karolingischer Herrschaft erfolgt in der Mitte des neunten Jahrhunderts die Teilung in ein "französisches" und ein "deutsches" Frankenland (Westreich und Ostreich) - eine Trennung, die sprachlich bereits vorher bestanden hat. Denn die linksrheinische Bevölkerung ist durch die Jahrhunderte lange römische Herrschaft - auch sprachlich - romanisch sozialisiert, während rechtsrheinisch germanisch-fränkisch gesprochen wird. Sprachliche Reste des Fränkischen im Westreich sind fast gänzlich verschwunden. Lediglich vereinzelt sind Verwandtschaften zwischen dem Französischen und dem Fränkischen sicht- und hörbar: Am eindrücklichsten natürlich beim Namen des Landes: France, Frankreich.

Franken in der Entscheidungsschlacht

Die Wanderungen der Franken und die Teilung des Reiches wirken sich auch in anderer Weise bis heute aus: Die rheinischen, ebenso wie die hessischen und pfälzischen Dialekte, sind fränkischen Ursprungs, obwohl kaum einer der Bewohner dieser Regionen sich als Franke bezeichnen würde - Franken nennen sich nur noch die Menschen aus dem Norden des Freistaats Bayern und dem Nordosten Baden-Württembergs.

Der Niedergang des fränkischen Ostreichs wird darüber hinaus beschleunigt durch die zunehmenden Überfälle von ungarischen Reiterhorden. Sie folgen den alten Hunnenpfaden und versetzen die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Zunächst versuchen die fränkischen Landesherren, den feindlichen Angriffen mit Befestigungsanlagen und Burgen Herr zu werden. Nachdem dies nicht hilft, beendet Otto I. mit tatkräftiger Unterstützung von zahlreichen fränkischen Kriegern die 50-jährige Ära ungarischer Überfälle: Er besiegt den Erzfeind vernichtend in der Schlacht am Lechfeld im Jahr 955.

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