Die Gräfin Cosel

Intrigantin oder Emanze? - Bis heute scheiden sich an ihr die Geister

Am Abend des 7. Dezember 1704 wütete in der Dresdner Kreuzgasse ein verheerender Brand. Auch August, erst wenige Tage zuvor aus Polen zurückgekehrt, eilte durch die große Feuerglocke der Stadt alarmiert an den Tatort. Dort fesselte eine schöne Frau in eleganten Kleidern seine Aufmerksamkeit, die den Dienern mit fester Stimme Befehle zur Bekämpfung des Brandes und zur Rettung wertvoller Gegenstände erteilte.

August der Starke und die Gräfin Cosel (Spielszene).
August der Starke und die Gräfin Cosel (Spielszene). Quelle: ZDF

Es war Anna Constantia Freifrau von Hoym, die junge Frau seines Finanzexperten Adolph Magnus Freiherr von Hoym. Die Tochter eines holsteinischen Landjunkers hatte als Gesellschaftsdame am Hof der Herzöge von Schleswig-Holstein und Braunschweig-Wolfenbüttel gelebt, ehe man sie wegen einer unerwünschten Schwangerschaft wieder zu ihren Eltern abgeschoben hatte. Dies galt damals nicht nur in Adelskreisen als Schande, und so war die Ehe mit Hoym für die außergewöhnlich gebildete und belesene junge Frau die Chance, den Makel ihrer unehrenhaften Entlassung wieder zu tilgen.

Bankrott durch Scheidung

Als sie 1703 in Dresden eintraf, kam es freilich rasch zu anhaltenden Streitigkeiten zwischen den Eheleuten. Hoym lehnte es ab, seine in seinem Hause lebende langjährige Geliebte zugunsten seiner Ehefrau aufzugeben. Die energische Constantia wiederum verweigerte ihm daraufhin die eheliche "Beywohnung" und betrieb die Scheidung - was nichts weniger als ihren endgültigen gesellschaftlichen Bankrott bedeuten musste.

Königliche Kutsche hält vor brennendem Haus (Spielszene).
Brand im Haus der Cosel Quelle: ZDF

Der Abend des Brandes veränderte jedoch alles. Der König verliebte sich auf der Stelle und machte ihr in den folgenden Wochen den Hof. Die Eroberung der Schönen gestaltete sich freilich schwierig. Zum einen war die lutherische Geistlichkeit nicht bereit, Constantias Ehe mit Hoym einfach so zu scheiden - und die Scheidung seinem Oberkonsistorium zu befehlen hütete sich der wegen seines Konfessionswechsels weiter in der Kritik stehende König. Zum anderen zierte sich Constantia nach Kräften, die Mätresse Augusts zu werden - das gehörte freilich zum Ritual der höfischen Liebeswerbung.

Unverschämte Forderungen

Schloss der Gräfin Cosel an der Pillnitz.
Schloss der Cosel in Pillnitz Quelle: ZDF

Neu war jedoch, dass sie geradezu unverschämte Forderungen stellte: Trennung des Königs von der Fürstin Teschen, ein Jahressalär von 100 000 Talern sowie ein schriftliches Eheversprechen. Der König, den die offensichtliche Widerspenstigkeit eher reizte als abstieß, erklärte, "es dependire Leib und Leben von dieser Creatur Besitz" - und versprach ihr alles.

Im Mittelpunkt des Hofes

Noch bevor sie rechtskräftig von ihrem Mann geschieden wurde, nahm sie den Platz der maîtresse en titre an der Seite Augusts ein. Sie bekam ihre Apanage und neben zahllosen wertvollen Geschenken ein Stadtpalais in Dresden mit Doppelwache vor dem Tor und ein Schlösschen samt Rittergut in Pillnitz. Der Kaiser verlieh ihr auf Augusts Bitten zudem den Reichsgrafentitel - als Gräfin Cosel sollte sie fortan in die Geschichte eingehen. Kurz vor Weihnachten 1705 hielt sie auch den geheimen Ehevertrag in Händen, in dem ihr August weitreichende Zugeständnisse machte.


Während der Kurfürst seine Gemahlin längst in die sächsische Provinz abgeschoben hatte, stand die attraktive Gräfin fortan im Mittelpunkt des höfischen Lebens. Sie richtete prächtige Bälle aus und gab glänzende Empfänge, begleitete den König häufig auf Reisen und war in Dresden fast täglich mit ihm zusammen. Bis zum Jahr 1712 gebar sie ihm drei Kinder, zwei Töchter und einen Sohn. August schätzte ihre Gesellschaft - so sehr, dass Diplomaten hinter vorgehaltener Hand bald von der Amazone sprachen, "die ihm den Pantoffel gegeben habe".

Bis heute scheiden sich an ihr die Geister - sehen die einen in der Cosel eine vom Ehrgeiz getriebene Intrigantin, ist sie für andere eine frühe Vorkämpferin der weiblichen Emanzipation. Denn sie gab sich nicht damit zufrieden, dem König nur sorglose Stunden mit harmlosem Liebesgeplauder zu bereiten - sie mischte sich in politische Entscheidungen ein. Die Zahl ihrer Widersacher und Neider war deshalb stets mindestens ebenso groß wie die ihrer Bewunderer und Speichellecker.

Augusts weitere Frauen

August der Starke und die Gräfin Cosel (Montage).
Montage: August der Starke und die Gräfin Cosel Quelle: ZDF

Die ehrliche Zuneigung Augusts zu seiner Mätresse hielt den König freilich nicht davon ab, weiterhin mit anderen Frauen intime Beziehungen einzugehen. So schenkten dem König in den Jahren, in denen die Gräfin Cosel die Position der maîtresse en titre innehatte, noch zwei andere Frauen Kinder: 1706 gebar ihm seine türkischstämmige Geliebte Fatime eine Tochter und ein Jahr darauf die aus einer französischen Familie stammende Warschauer Weinhändlertochter Henriette Renard eine weitere.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet