Die Kirche schlägt zurück

Die Inquisition besiegelt den Niedergang der Katharer

Anfang des 13. Jahrhunderts waren die Kartharer vor allem im französischen Languedoc zu einer bedeutenden kirchlichen und weltlichen Macht geworden. Auch der Adel sympathisierte mit ihnen und unterstütze sie. Viele Dispute wurden zwischen Rom und den Kartharern geführt, ohne jedoch den Siegeszug der Sekte aufhalten zu können. Rom wappnete sich und schlug zurück mit einer grausamen Waffe: der Inquisition.

Die katholische Kirche hatte die Häretiker im Allgemeinen und die Katharer im Besonderen vor 1170 weitgehend gewähren lassen. Dies ist vor allem auf mangelnde Informationen und Unterschätzung zurückzuführen. Man schickte zwar Prediger ins Land, doch die Katharer ließen sich nicht bekehren. Nachdem sie sich jedoch immer offensichtlicher als Dogmenkirche etablierte, entschloss man sich, drastischere Maßnahmen anzuwenden.

Der Albigenserkreuzzug

Im Jahr 1209 rief Papst Innozenz III. zum Kreuzzug gegen die Albigenser auf, eine Bezeichnung für die Katharer, die sich von einem ihrer vier Bischofssitze, Albi, ableitet. Anlass war die Ermordung des päpstlichen Gesandten Peter von Castelnau. Ein Heer von 30.000 Kreuzrittern folgte unter der Leitung des Zisterziensers Arnaud Amaury dem Ruf.


Bereits in den ersten 40 Tagen konnten zwei Hochburgen der Katharer eingenommen werden. Besonders grausam war das Vorgehen der Kreuzritter gegen die Stadt Beziers, die sich geweigert hatte, die katharischen Bürger auszuliefern. Die Folge war ein Gemetzel, bei dem fast die gesamte Bevölkerung abgeschlachtet und die Stadt dem Erdboden gleichgemacht wurde. Fast 20.000 Menschen fanden den Tod. Hunderte von Katharern wurden auf Scheiterhaufen verbrannt. Wer überlebte, war von nun an ständig auf der Flucht.

Der Anfang vom Ende

Trotz aller Verfolgung hatte der Kreuzzug sein Ziel, die Ausrottung des südfranzösischen Katharismus, verfehlt. Die katharische Kirche organisierte sich neu und fand eine letzte Zuflucht in der als uneinnehmbar geltenden Burg Montségur. 1215 jedoch wendete sich das Blatt.

Papst Innozenz III. gewährte den bisher verketzerten Armutsbewegungen Raum in seiner Kirche und förderte die Bettelorden der Dominikaner und Franziskaner. Diese zeichneten sich durch besondere Volksnähe aus und gruben so den im Verborgenen agierenden Katharern allmählich das Wasser ab. Die Frömmigkeit der Laien, die ihnen bis dahin ihren Erfolg gesicherte hatte, ging nun zur katholischen Kirche über. Die Organisation der Katharer in Frankreich zerfiel allmählich, ihre Schlagkraft verebbte. Der Zerfall ihrer Einheit erleichterte der katholischen Kirche das Durchgreifen.

Das "Schwert" Roms: die Inquisition


Bereits unter Papst Innozenz III. war das Inquisitionsverfahren eingeführt worden, doch zunächst nicht als Instrument der Ketzerverfolgung. Sie ging zunächst vor allem gegen kirchliche Würdenträger vor und löste die bis dahin gebräuchlichen Akkusations- oder das Infamationsverfahren ab. Während der Amtszeit Innozenz III. wurde die Ketzerverfolgung systematisiert und manifestierten sich in den Bestimmungen des IV. Laterankonzils von 1215.

Allerdings brachten diese Bestimmungen nicht den gewünschten Erfolg, da sie die großen Ketzerbewegungen - insbesondere die der Katharer - nicht eindämmen und ausrotten konnten. Weitere 20 Jahre gingen ins Land, bis Papst Gregor IV. durch seine Ketzerdekrete "Excommunicamus" ("Wir exkommunizieren") die Inquisitoren der Gerichtsbarkeit des Papstes unterstellte, harte Strafen einführte und so die Inquisition zur stärksten Waffe der Kirche im Kampf gegen die Ketzer wurde.

Vollstrecker im Namen Christi

Die Inquisitoren rekrutierten sich hauptsächlich aus den Bettelorden der Dominikaner und Franziskaner. Diese Mönche verfügten über ein großes Wissen über die Kirchenlehre. Außerdem wurde so der Einfluss der Kirche gestärkt und dem Inquisitionsanspruch Kaiser Friedrichs II. entgegengewirkt. Als Inquisitor gegen die "verruchte und perverse Häresie der Katharer" hatte Papst Gregor IX. Geoffroy d`Ablis in Carcassone eingesetzt. Ihm zur Seite stand Bernhard Gui in Toulouse. Statt wie bisher Ketzer willkürlich zu verurteilen, führten sie Untersuchungsverfahren ein - nicht mehr "Gottesbeweise" entschieden über Schuld oder Unschuld, sondern ein Inquisitor ermittelte, ehe er urteilte.

Ziel war immer das "freiwillige" Geständnis der Ketzer. Anfangs verliefen die Vernehmungen der Ketzer noch verhältnismäßig fair. Ab dem Jahr 1252 legitimierte Papst Innozenz IV. allerdings offiziell den Einsatz der Folter, um Geständnisse zu erzwingen. Die härtesten Strafen waren Konfiszierung des Eigentums, Verbannung und Gefängnisstrafen. Die Inquisitoren selbst konnten keine Todesurteile verhängen, weshalb sie die Schuldigen an weltliche Behörden übergaben, die die Urteile aussprachen und auch vollstreckten.

Das Ende der Katharer

Verzweifelt kämpften die Menschen um ihr Überleben. Die Bevölkerung versuchte, sich gegen die Inquisition zu wehren, ermordete zum Beispiel bei Avignonet die Inquisitoren. Doch der Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten: 1244 fiel Montségur, die letzte Katharer-Hochburg, mehr als 200 Menschen starben auf den Scheiterhaufen.


Damit war die Bewegung am Ende. Einige Überlebende flohen nach Oberitalien, von wo aus sie 1295 einen letzten Versuch nahmen, die alte Häresie in Frankreich wiederzubeleben - ohne Erfolg. 1330 wurde in Carcassone der letzte Katharer verbrannt. Die Supermacht Kirche hatte gesiegt.

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