Die Preußischen Reformen

Direkte Antwort auf die Französische Revolution

Die Preußischen Reformen waren die direkte Antwort auf die Französische Revolution und die napoleonische Herausforderung. Die Niederlagen der preußischen Streitkräfte gegen den französischen Kaiser machten die militärische und wirtschaftliche Schwäche des absolutistischen Staates überdeutlich.

Den preußischen Reformern war klar, dass es im napoleonischen Europa kein Überleben geben würde ohne grundlegende Reformen. Jedoch dachte man an eine "Revolution im guten Sinne", eine defensive Modernisierung des Staates. Für den Initiator der Preußischen Reformen, den Freiherrn vom Stein, war daher nicht die Französische Revolution Vorbild, sondern die unblutige, englische "Glorious Revolution" von 1688.

Stärkere Mitwirkung am Staat

Napoleons Einzug in Berlin Quelle: AKG

Grundlegendes Ziel der nach 1806 eingeleiteten Reformen war eine Synthese von Tradition und Fortschritt, herbeigeführt durch "organische" Reformen. Die alten Strukturen des Staates sollten aufgebrochen und die Bürger zu einer stärkeren Mitwirkung am Staat bewegt werden. Stein initiierte in seiner nur ein Jahr andauernden Amtszeit die Reform der Staatsverwaltung, setzte die Bauernbefreiung durch und führte eine neue Städteordnung ein. Ab November 1808 führte Karl August von Hardenberg die Reformen fort und ergänzte diese um eine Steuerreform und ein neues Zollgesetz.

Bei allen Reformen galt jedoch als Voraussetzung, dass der Bürger bereit und fähig sein musste, selbstverantwortlich zu handeln, was wiederum eine gewisse Bildung und Erziehung der Nation voraussetzte. Die Grundkonzeption Wilhelm von Humboldts, der die Bildungsreform umsetzte, lag auf dem neuhumanistischen Ideal der "allgemeinen" Bildung, das heißt, man ging weg von einer reinen Wissensvermittlung für das "wirkliche Leben" und richtete die Lehre nun danach aus, die Selbstentfaltung der geistigen Kräfte anzuregen. Die herkömmliche Berufsausbildung kam an zweiter Stelle. Zunächst einmal sollte dem Menschen ein gutes (humanistisches) Allgemeinwissen vermittelt werden und ihm beigebracht werden, seine individuellen Fähigkeiten zu entfalten. Es entstand die bis heute noch gültige Dreigliederung in Elementarschule, Gymnasium und Universität. Das Abitur wurde eingeführt, das die Voraussetzung zum Besuch einer Universität wurde.

Allgemeine Wehrpflicht

Ähnliche Schritte leitete man auch bei der Heeresreform ein. Als erstes gründete man eine Heeresakademie, denn es hatte sich durch die Niederlage 1806 allzu deutlich gezeigt, dass die Armee schlecht ausgebildet war. Des Weiteren verwandelten die Generäle Scharnhorst und Gneisenau, unterstützt durch Clausewitz und Boyen, das preußische Söldnerheer in ein Bürgerheer nach französischem Vorbild. Dazu wurde erstmals die allgemeine Wehrpflicht eingeführt, und der Militärdienst wurde zu einer patriotischen Pflicht des selbstverantwortlichen Bürgers. Die bislang nur durch barbarische Strafen disziplinierbaren Söldnerheere hatten damit ausgedient. Ebenso ausgedient hatte auch das Adelsmonopol für Offiziersstellen. Die Auslese der Offiziere geschah nun nach bürgerlichen Bildungs- und Leistungsprinzipien.

Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht begründete die militärische Überlegenheit des preußischen Staates bis hin zum Krieg gegen Frankreich 1870/71. Die Einbeziehung des gebildeten Bürgertums in das Heer hatte zur Folge, dass sich Bürgertum und Adel zusammenschlossen und die neue Führungsschicht innerhalb der Streitkräfte bildete. Der gesellschaftliche Militarismus wurde dadurch letztendlich das Kennzeichen der preußisch-deutschen Geschichte.

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