Die Ur-Baiern

Aus Böhmen an die Donau

Das erste bairische Herzogtum erlebt eine abwechslungsreiche Geschichte. Nach anfänglichen Erfolgen verschwindet es fast in der Bedeutungslosigkeit, um später als süd-"deutsche" Macht wieder aufzuerstehen. Konflikte im zehnten Jahrhundert mit den deutschen Königen verringern seine Fläche allerdings wieder um fast die Hälfte.

Die Schlacht auf dem Lechfeld 955 Quelle: ZDF

Mit hoher Wahrscheinlichkeit stammen die Ur-Baiern von Germanen aus Böhmen ab. Diese lassen sich im vierten und fünften Jahrhundert zunächst an der Donau nieder, wo sie auf die verbliebene Bevölkerung aus römischen Zeiten stoßen. In den späteren Jahren ziehen sie in Richtung der Voralpen. Den Beleg für diese Thesen liefern Sprachwissenschaftler, die den Begriff "Bajuwaren" als Zusammensetzung interpretieren: "Baio" stamme ab von dem keltischen Stamm der Boier (Böhmen), während der zweite Teil verwandt sei mit dem lateinischen "vir" für "Mann". Zusammengefügt sind die Bajuwaren also "Männer aus Böhmen".

Fränkische Vormacht

Dieses erste bairische Stammesherzogtum wird Mitte des sechsten Jahrhunderts erstmals schriftlich erwähnt. Von Anfang an regiert das Geschlecht der Agilolfinger das Herzogtum - ein Privileg, das sich die Familie sogar schriftlich bestätigen lässt. Die Agilolfinger erweitern bis zum Ende des achten Jahrhunderts den Siedlungsbereich der Baiern bis ins heutige Oberösterreich und den Böhmerwald im Osten, Kärnten und Südtirol im Süden und den Lech im Westen.

Die Nordgrenze des Herzogtums befindet sich in der Oberpfalz, der Regierungssitz der Agilolfinger in Regensburg. Können die bairischen Herzöge lange Zeit relativ unabhängig herrschen, werden sie im achten Jahrhundert, wie andere Herzogtümer auch, Opfer der Machtzunahme der Franken unter den Karolingern und verlieren ihre Eigenständigkeit.

Wie gewonnen so zerronnen

Mit dem Ende der Karolinger Zeit, besonders aber unter dem Eindruck zunehmender Bedrohungen von außen, erhalten die Baiern in der Mitte des neunten Jahrhunderts zumindest partiell ihre Selbständigkeit zurück. Sie stellen auch ein wesentliches Kontingent der Truppen Ottos I., der 955 auf dem Lechfeld vernichtend die räuberischen Ungarn schlägt.

Dieser gewonnenen Schlacht folgen weitere Gebietszuwächse des Herzogtums: Sie können ihren Herrschaftsbereich bis nach Niederösterreich ausdehnen, erobern große Teile der Halbinsel Istrien und der Krain im heutigen Kroatien und Slowenien. Doch das Verhältnis der Herzöge zu den sächsisch-deutschen Königen, immerhin auch entfernte Verwandte, verschlechtert sich im Laufe des zehnten Jahrhunderts: Baiern verliert Kärnten und einen Großteil der neu eroberten Gebiete - und damit fast die Hälfte seines Machtbereichs.

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