Freiherr vom und zum Stein

Er reformierte Preußen und träumte von Deutschland

Als Napoleon am 27. Oktober 1806 in Berlin einzog, lag der preußische Staat am Boden. Aus der besetzten Stadt floh einer, der am späteren Comeback Preußens großen Anteil haben sollte: Heinrich Friedrich Freiherr Karl vom und zum Stein. Durch seine Reformen schaffte er die Basis für den Wiederaufstieg Preußens zur Führungsmacht in Deutschland. Als erklärter Gegner Napoleons wusste er das aufkeimende Nationalgefühl der Deutschen für seinen König zu nutzen.

Ein jähzorniger Dickkopf

Geboren am 25. Oktober 1757 in Nassau an der Lahn, stammte Stein aus einer Reichsritterfamilie. Weil sein Vater in der Verwaltung des Erzbistums Mainz tätig war, sorgte sich vor allem seine gebildete Mutter um ihren Lieblingssohn. Er studierte Jura, Geschichte und Wirtschaft in Göttingen und war für viele verschiedene deutsche Herrscher in der Verwaltung tätig, bis er 1804 als Finanz- und Wirtschaftsminister am preußischen Königshof seinen Dienst antrat.Der Freiherr vom Stein war ein jähzorniger Dickkopf - ganz und gar kein umgänglicher Mann, mit scharfem Verstand und aufbrausendem Temperament. Mitunter genoß er es geradezu, das Gegenteil eines geschmeidigen Diplomaten darzustellen, dafür war er ein hervorragender Fachmann und ein erprobtes Verwaltungsgenie. Oft genug hatte er seinen König vor den Kopf gestoßen. Doch seine Loyalität gegenüber Preußen stand außer Zweifel. Trotz heftiger Gichtanfälle rettete Stein 1806 auf abenteuerlichen Wegen die Staatskasse vor den Franzosen..

Als Friedrich Wilhelm III. sich mit Napoleon arrangieren wollte und den Freiherrn als Außenminister vorgesehen hatte, lehnte dieser ab. Mit Napoleon wollte er nichts zu tun haben. Stein zog sich im März 1807 auf sein Landgut in Nassau zurück, nahm sich dort Zeit zum Nachdenken über die Zukunft Preußens und Deutschlands. Währenddessen musste der König den Frieden von Tilsit unterzeichnen, Preußen verlor fast die Hälfte seiner Fläche.

Revolution von oben

Das Land brauchte dringend Reformen, um wieder zu alter Stärke zurück zu finden. Auf Drängen der Königin holte Friedrich Wilhelm III. den Freiherrn vom Stein zurück. Der nur sechs Monate zuvor Geschasste folgte dem "Befehl" pflichtbewusst: "In diesem Augenblick allgemeinen Unglücks wäre es sehr unmoralisch, die eigene Persönlichkeit in Anrechnung zu bringen."

Vom Stein hatte die Revolution in Frankreich genau verfolgt. Was ihn daran beeindruckte, war die Bindung der Bürger an den Staat. Die Terrorjahre aber bezeichnete er schlicht als "Raserei". Für Stein kam allenfalls eine Revolution von oben in Betracht, selbstverständlich durch Männer wie ihn.

Die Stein-Hardenberg´schen Reformen

Der Freiherr gab dem fürstlichen Absolutismus und dem Feudalismus gehörige Mitschuld für die preußische, ja für die deutsche Misere. Künftig wollten er und seine Mitstreiter die Bürger am politischen Leben beteiligen, aus Untertanen Patrioten machen, die sich der Fremdherrschaft und Unterdrückung erwehren sollten.

Im Herbst 1807 begann Stein - unterstützt von Karl August von Hardenberg - sein Meisterstück: die Modernisierung Preußens. Das "Oktoberedikt" katapultierte Preußen endgültig aus dem Mittelalter heraus: Die Erbuntertänigkeit der Bauern wurde abgeschafft. Wer es sich leisten konnte, durfte Land erwerben. Die Städte durften sich selbst verwalten. In Steins Auftrag reformierte Wilhelm von Humboldt das Bildungswesen, führte das Gymnasium ein und gründete die Berliner Universität.

Widerstand gegen Frankreich

Auch die preußische Armee wurde reformiert. Die Generäle Scharnhorst und Gneisenau schafften die Prügelstrafe ab, führten die Wehrpflicht ein und sorgten dafür, dass tüchtige Soldaten auch Offizier werden konnten - nicht nur Adlige.

Vom Stein versuchte auch jenseits von Preußen den Widerstand gegen die französische Besatzung zu schüren. An den Fürsten von Wittgenstein schrieb er. "die Erbitterung nimmt in Deutschland täglich zu, und es ist ratsam , sie zu nähren". Doch der Brief geriet in die Hände der Franzosen. Napoleon hatte erwogen, Stein einen Ministerposten in den napoleonischen Staaten anzubieten - nun erklärte er Stein zum "Feind Frankreichs und des Rheinbundes".

Flucht nach Moskau

Stein floh mit Billigung des Habsburgerkaisers ins Exil nach Prag. Schon im März 1812 hatte Zar Alexander Stein gebeten, ihn im Kampf gegen Napoleon zu beraten. Stein nahm während des Russlandfeldzuges die deutschen Kontingente Napoleons ins Visier. Er verfasste Aufrufe "an die Deutschen, sich unter der Fahne des Vaterlandes und der Ehre zu sammeln". Stein beschwor den Zaren, den Krieg bis zur endgültigen Niederlage Napoleons zu führen - auch auf deutschem Boden. Alexander willigte ein und beauftragte Stein den Widerstand gegen Napoleon zu organisieren.

Stein gelang es, das preussische Hilfskorps unter Befehl von General Yorck von Wartenburg aus der besiegten Grande Armée zum Überlaufen zu bewegen. Zunächst war der preußische König über seinen General erbost. 1813 stimmte der preußische König dem Militärbündnis mit Russland zu, schließlich auch Österreich. Der Aufruf Friedrich Wilhelms III. "An mein Volk" traf auf eine zunehmende vaterländische Stimmung und anti-französische Opposition, angefeuert durch eine Flut von Hetzschriften - auch aus Steins Feder.

Enttäuscht vom Wiener Kongres

Steins Ziel war ein geeinter deutscher Ständestaat unter der Führung Habsburgs und/oder Preußens. Im Oktober 1813 wurden immer mehr rheinbündische Fürsten für Bestandsgarantien abgeworben, die Völkerschlacht bei Leipzig endete für Napoleon mit einer Niederlage und anschließendem Exil.

Stein war auf dem Wiener Kongress 1814 nur noch als Berater und Beobachter des russischen Zaren geladen. Seine Neuordnungsvorstellungen für die deutschen Staaten wurden von den Adligen Europas abgelehnt. "Alles, was ich erhofft habe, hat sich zerschlagen. Die Fürsten haben triumphiert über das Volk" schrieb er verbittert.

Forschungen zu deutscher Geschichte

Als Gutsherr im westfälischen Cappenberg widmete er sich nun Forschungen zur Geschichte - inbesondere was den Weg der Deutschen als Deutsche ausmacht. Von ihm ging die Initiative zur Gründung der Monumenta Germaniae Historica aus, einem bedeutenden Quellenwerk zur mittelalterlichen deutschen Geschichte. 29.Juni 1831 verstarb er nach langjährigem Lungenleiden und Herzerkrankungen, begraben wurde er in der Familiengruft in Frücht bei Bad Ems.

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