Friedrich I., Barbarossa

König und Kaiser des Heiligen Römischen Reichs

Er ist ein deutscher Mythos, der Inbegriff des mittelalterlichen Herrschers, ein edler Ritter, der auf einem heiligen Kreuzzug ums Leben kommt: Kaiser Friedrich I., wegen seines rotblonden Bartes "Barbarossa" genannt, ist wohl der populärste deutsch-römische Kaiser. Gräueltaten während seiner Heerzüge begründeten in Europa aber auch das Bild der zügellosen, anmaßenden Deutschen. Zu Barbarossas Zeit bekam der Begriff "deutsch" einen negativen Beigeschmack.

Sehr zwiespältig ist somit das Bild, das die Historiker vom Stauferkaiser Friedrich I. zeichnen. Tatsächlich prägen blutige Kriege, ständige Machtkämpfe und bittere Niederlagen seine Herrschaft bis zu seinem tragischen Tod am 10. Juni 1190. Ein entbehrungsreiches Leben, das aber die mittelalterliche Kaiserherrlichkeit auch zu ihrer unübertroffenen Blüte führte: Nie wurden so viele Städte gegründet, Straßen und Burgen gebaut wie zu Friedrichs Zeit.

Niederlagen in Italien

Für das heutige Deutschland prägend wirkten sich die Niederlagen Barbarossas aus: Er verlor den Einfluss über die damals zum Reich zählenden norditalienischen Städte und konnte gegen die regionalen deutschen Fürsten keine dominierende Zentralgewalt etablieren, was bis in die heutige föderalistische Struktur Deutschlands Bestand hat.

Über Friedrichs Kindheit ist wenig bekannt. Geboren wurde er vermutlich zwischen 1122 und 1124. Aufgezogen wurde er nicht als Thronfolger. Körperliche Ertüchtigung und Ausbildung an Waffen standen im Mittelpunkt. Spätestens ab 1143 nahm der junge Ritter an Feldzügen teil, 1146 an einem Kreuzzug. Aus Urkunden geht hervor, dass er früh seinen herzoglichen Vater bei politischen Angelegenheiten begleitete.

Kaiserwürde als Gottesgnade

Ohne die Kaiserkrönung erreicht zu haben, verstarb Konrad III. Anfang 1152. Sein Neffe Friedrich wurde zu seinem Nachfolger gewählt. Umgehend handelte er mit dem Papst einen Vertrag aus: Er versprach, ihm im Kampf gegen die Normannen zu helfen, als Gegenleistung sollte er die Kaiserwürde erlangen. 1154 brach Friedrich erstmals nach Italien auf. Zunächst wollte er in Norditalien seine Herrscher-Autorität durchsetzen.

Welten prallten aufeinander: Die reichen Handelsstädte wie Mailand, in denen sich ein selbstbewusstes Bürgertum entwickelte, und der deutsch-römische König mit seinem imperialen Herrschaftsverständnis. Friedrich musste einsehen, dass er mit seinem kleinen Heer zunächst keine Chance hatte. Er zog weiter nach Rom, wo er 1155 zum Kaiser gekrönt wurde. Den versprochenen Kampf gegen die Normannen nahm er jedoch nie auf: Die Kaiserkrone betrachtete er als Gottesgnade, nicht als Gabe des Papstes. Ab 1157 untermauert er seinen Anspruch, indem er sein Reich "heilig" nannte: "Sacrum imperium".

"Furor teutonicus"

Friedrich Barbarossa Quelle: dpa

Drei Jahre später startete Friedrich seinen zweiten Feldzug nach "Reichsitalien", diesmal mit einem stattlichen Heer. Die Mailänder kapitulierten kampflos und sicherten jährliche Zahlungen von 30.000 Pfund Silber zu. Als sie dennoch weiter rebellierten, ging der Kaiser mit größter Grausamkeit vor: Die Stadt Crema wurde dem Erdboden gleichgemacht, selbst vor Kindern als lebende Schutzschilder machten die kaiserlichen Truppen nicht Halt. Das reiche Mailand wurde verwüstet. Von dort nahmen die Deutschen die Gebeine der Heiligen Drei Könige mit - sie befinden sich seit 1164 im Kölner Dom. Der "Furor teutonicus" wurde in Italien sprichwörtlich.

Einen weiteren Feldzug gegen Mailand und dessen "Lega Lombarda" unternahm Friedrich 1176. Doch ohne die Schützenhilfe seines früheren Bundesgenossen Heinrich des Löwen erlitt Friedrich eine Niederlage. Er musste den italienischen Städten ihre Selbständigkeit zugestehen. Seine Idee eines mächtigen Kaisertums von der Ostsee bis zum Mittelmeer war gescheitert.

Demut vor dem Papst

Kyffhäuser Denkmal Quelle: dpa

Gleichzeitig musste Friedrich in seinem großen Konflikt mit dem Papst zurückstecken. Den 1159 gewählten, machtbewussten Papst Alexander III. hatte Friedrich nicht anerkannt, sogar einen Gegenpapst aufstellen lassen, den er aber in Europa nicht durchsetzen konnte. 1177 warf Friedrich sich Alexander auf dem Markusplatz in Venedig spektakulär zu Füßen: inhaltlich und symbolisch vergleichbar dem Gang nach Canossa von Kaiser Heinrich IV. hundert Jahre zuvor.

Als Friedrich aus Italien zurückkehrte, flogen ihm trotz der Niederlagen die Herzen der Menschen zu. Auch den Konflikt mit Heinrich dem Löwen entschied er für sich und erreichte den Gipfel seines Ansehens. Sein Selbstverständnis als weltlicher Beschützer der Christenheit verpflichtete ihn 1188, einen neuen Kreuzzug anzuführen, um das von Moslems eroberte Jerusalem zu befreien. Er ertrank am 11. Juni 1190 beim Baden im Fluss Saleph in der heutigen Türkei.

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