Friedrich Wilhelm IV.

Romantischer König lehnt die Krone der Demokraten ab

Ein Feingeist und Roman-Autor war er, weit entfernt vom Klischee des kalten Machtpolitikers. Doch bei der Revolution 1848/49 bewies er unnachgiebige Härte. König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen lehnte die Kaiserkrone aus der Hand gewählter Volksvertreter ab. Friedrich "der Redselige" pochte weltfremd, aber unbeirrbar auf sein Gottesgnadentum und sicherte damit die Macht der Hohenzollern-Dynastie.

"Friedrich der Redselige"

Am 15. Oktober 1795 kam Friedrich Wilhelm zur Welt. Er war der Lieblingssohn seiner Mutter Luise, empfahl sich zunächst aber nicht als Thronfolger. Zu undiszipliniert, zu verschwärmt, zu impulsiv - der junge Friedrich Wilhelm erwies sich als künstlerisch sehr begabt. Er verfasste sogar ein Romanfragment: "Die Geschichte von Prinz Feridoun mit der Königin von Borneo". Für das harte Regierungsgeschäft schien er kaum geeignet.

Mit gerademal elf Jahren erlebte der Thronfolger die Flucht seines Herrscherhauses vor Napoleon nach Tilsit und Memel. Der Zusammenbruch des preußischen Machtzentrums war ein traumatisches Erlebnis und hat den jungen Friedrich Wilhelm tief geprägt. Wichtig für seine Entwicklung war auch der Lehrer Ancillon, ein Theologe und Historiker aus einer Hugenottenfamilie. Er impfte dem jungen Monarchen eine tiefe Religiösität ein, jedoch auch die Notwendigkeit, zwischen altem Glauben und liberalem Zeitgeist zu vermitteln. Dieses Spannungsverhältnis sollte auch seine spätere Regierungszeit prägen.

So fasste Friedrich Wilhelm IV. in der Anfangszeit seiner Regierung widersprüchliche Beschlüsse. Einerseits rehabilitierte Friedrich liberale Universitätsprofessoren wie Ernst Moritz Arndt oder die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm, die sein Vater Friedrich Wilhelm III. wegen ihrer Sympathien für die Revolution des Dienstes enthoben hatte. Seine Regierungsmannschaft war aber denkbar konservativ. Der Sohn wollte zwischen den Gegensätzen vermitteln. Im Gegensatz zu seinem Vater sprach er persönlich zu seinem Volk, beschwörte die Einheit zwischen König und Untertanen. Im Volksmund wurde er bald nur noch der "Redselige" genannt - im Unterschied zu seinem Vater, dem "Hochseligen".

Romantische Weltsicht

Seine Frau Elisabeth stammte aus der bayerischen Königsfamilie. Ihre Weigerung, zum Protestantismus überzutreten, sorgte vor der Hochzeit für diplomatische Verwicklungen, doch dem Hohenzollernprinzen gefiel die Geradlinigkeit seiner Braut. Auch Elisabeth war geprägt von der Romantik, sie teilte Friedrichs Interessen für Kunst und Kultur. Eine Liebesheirat, doch die Ehe blieb kinderlos.

Als romantisch könnte man auch das Politikverständnis des späteren Königs bezeichnen. Dass er den Königstitel von Gottes Gnaden erhielt, nahm der pietistische Feingeist wörtlich. "Es gibt Dinge, die man nur als König weiß, die ich selbst als Kronprinz nicht gewußt und erst als König erfahren habe", erklärte er seinem Freund Karl Josias von Bunsen. Es erscheint also ganz natürlich, dass Friedrich Wilhelm IV. 1849 die Kaiserkrone aus den Händen des Volkes ablehnte. Überhaupt interpretierte er die Revolution als persönliche Strafe Gottes. Weltfremd hatte der König schon mit Aufrufen "An meine lieben Berliner" auf die Barrikadenkämpfe in der Märzrevolution reagiert.

Preußens Macht vergrößert

Gehalten hat sich seine Herrschaft dennoch. Zähneknirschend akzeptierte er 1850 eine Schmalspurverfassung; ohne Zugeständnisse an die Liberalen war eben kein Staat mehr zu machen. Seinen Grundsätzen ist er aber immer treu geblieben. Gegen viele Widerstände wahrte er die Neutralität Preußens im Krimkrieg, was langfristig Preußen einen Vorsprung gegen Österreich verschaffte, das sich in der Konfrontation mit Russland deutlich verhoben hatte. In mancher Hinsicht ebnete er also doch den Weg für die Einigung Deutschlands unter preußischer Führung.

Im Juli 1857 erlitt Friedrich Wilhelm IV. einen Schlaganfall, es sollte nicht der letzte bleiben. Die Folge waren zunächst Sprachstörungen, mit der Zeit kamen weitere Funktionsstörungen im Gehirn dazu. Der König wurde regierungsunfähig, so dass sein Bruder Wilhelm übernehmen musste - der spätere Kaiser Wilhelm I. Zweieinhalb Jahre später, am 2. Januar 1861 starb Friedrich Wilhelm an einem weiteren Schlaganfall.

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