Gewissenhafter Regent

Ludwig II. war politisch aktiver als bisher angenommen

Für sein Volk wurde der König zusehends zu einem Phantomwesen. Kaum jemand außerhalb des engsten Zirkels konnte von sich behaupten, den König leibhaftig gesehen zu haben. Ein Umstand, der auch dazu führte, dass man bis heute Ludwig II. ein generelles Desinteresse und sogar eine Abneigung gegenüber seinen politischen Pflichten nachsagt. Wie sollte ein abwesender König auch regieren?

Jüngste Recherchen haben nun belegt, dass es sich dabei um eine Fehldeutung handelt. Ludwig II. hat seine Amtsgeschäfte fast bis zum Schluss vergleichsweise gewissenhaft ausgeübt.

Täglicher Kontakt zur Regierung

Ludwig II. (Spielszene)
Ludwig II. (Spielszene) Quelle: ZDF

Vor allem in den frühen Jahren legte der König Wert darauf, täglich mit seiner Regierung in München in Kontakt zu stehen. Verantwortlich für die schnelle Kommunikation zwischen Ministern und dem Monarchen war der Kabinettssekretär, der die Vorlagen zum Aufenthaltsort des Königs brachte.

Nach Starnberg gab es eine Bahnverbindung, und selbst in seinem Sommerrefugium, dem Königshaus auf der Schachen-Alpe bei Garmisch-Partenkirchen, wickelte Ludwig die meisten Amtsgeschäfte innerhalb kürzester Zeit ab. Alle wichtigen Anfragen und Dokumente versah er mit eigenhändig verfassten Signaten, die Anmerkungen oder Empfehlungen für die Minister enthielten.

Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein

Der Wittelsbacher ging neben den Regierungsgeschäften auch seinen anderen herrscherlichen Pflichten nach. Ludwig II. schaltete sich bei der Ernennung katholischer Bischöfe ein und scheute dabei auch nicht die Auseinandersetzung mit dem Papst. Er bearbeitete die Gnadengesuche von zum Tode Verurteilten mit großer Sorgfalt und Verantwortungsbewusstsein.

Gegen den Widerstand der alteingesessenen Zünfte unterstützte der König seine Minister bei der Durchsetzung einer Gewerbeordnung nach preußischem Vorbild, die für die meisten Berufe ein freies Niederlassungsrecht brachte. Mit der neuen Gewerbeordnung gelang auch in Bayern ein wirtschaftlicher Aufbruch, der als "Gründerzeit" zu einer eigenen Epoche werden sollte.

Technische Neugierde

Neuschwanstein
Neuschwanstein Quelle: ZDF

Ludwigs ewiger Kampf gegen die demokratischen Ansätze seiner Zeit - Konstitution und Parlamentarismus - bleibt anachronistisch und rückwärtsgewandt. In anderer Hinsicht kann man in ihm aber durchaus einen modernen Herrscher erkennen. 1868 gründete der Wittelsbacher mit der Polytechnischen Schule die erste Technische Universität Bayerns und bestimmte München als deren Standort.

Schon im Jahr zuvor hatte der König zur Befriedigung seiner technischen Neugier - und in Begleitung seines Großvaters Ludwig I. - die Weltausstellung in Paris besucht. Ludwig war bereits zu diesem Zeitpunkt auf der Suche nach Inspirationen für seine zukünftigen Bauvorhaben. Konkrete Pläne gab es seit 1867 für einen großflächigen Ausbau des Wintergartens auf dem Dach der Residenz in München.

Meisterhafte Bauwerke

Aber die Weltausstellung hatte noch mehr zu bieten als neue Werkstoffe und Technologien. Ausgerechnet der preußische Pavillon, ein im maurischen Stil bunt verglaster Kiosk mit einer Zentralkuppel, tat es dem bayerischen Monarchen an. Über Umwege gelang es dem bayerischen König, das filigrane Gebäude schließlich zu kaufen. Noch heute ist es in den Parkanlagen von Schloss Linderhof zu besichtigen.

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