Heinrich der Löwe

Herzog von Sachsen und Bayern

Selbst Kaiser Barbarossa fiel vor ihm auf die Knie: Heinrich der Löwe war der mächtigste deutsche Territorialfürst des Mittelalters und residierte in seiner Burg "Dankwerderode" wie ein König. Die Städte München, Bremen, Lübeck und Schwerin verdanken ihm ihre Gründung. Doch sein Hochmut brachte den "Löwen" zu Fall: Nachdem er dem Kaiser die Waffengefolgschaft verweigert hatte, straften die deutschen Fürsten ihn mit der Entmachtung.

Heinrich der Löwe Quelle: ZDF

Heinrich der Löwe stammte aus der mächtigen Adelsfamilie der Welfen, die mit den Staufern im Machtkampf lagen. Heinrichs Vater war vom deutsch-römischen König Konrad III. - einem Staufer - 1139 entmachtet worden: Der Welfe verlor die Herzogtümer Sachsen und Bayern. Nach dem Tod des Vaters erhielt Heinrich 1142 das Herzogtum Sachsen zurück, das ungefähr das heutige Westfalen und Sachsen-Anhalt umfasste. Als Heinrich III. begann er eine zielstrebige Machtpolitik, um Einfluss und Territorium der Welfen zu vergrößern.

Vetter von Kaiser Barbarossa

Heinrich war der Vetter des späteren Kaisers Friedrich Barbarossa. Der Welfe Heinrich und der Staufer Friedrich legten die Familienfehde bei und verbündeten sich. Nach seiner Wahl zum König bevorzugte Friedrich seinen Vetter bei der Vergabe von Ländereien oder bei der Schlichtung vieler Streitigkeiten. Stück für Stück mehrte der "Löwe" die welfische Macht. 1156 gab ihm Friedrich sogar das Herzogtum Bayern zurück, trennte zuvor aber Österreich ab, das er zu einem eigenen Herzogtum erhob. Heinrich avancierte zum mächtigsten Fürsten des Reiches.

Das Reich war dem Welfen aber nicht genug. Er dehnte sein Territorium nach Osten in slawisches Gebiet aus, jenseits der Elbe. Und er heiratete 1168 Mathilde, die Tochter des englischen Königs. Mit dieser exquisiten Verbindung betonte er seinen königsgleichen Rang und wurde einer der mächtigsten Männer Europas.

"Hochmütigster Fürst aller Zeiten"

München Skyline Quelle: dpa

Bekundungen von Chronisten zufolge war Heinrich ein durch und durch manipulativer, egoistischer, die Menschen verachtender Machtpolitiker. Giselbert von Mons nannte ihn den "hochmütigsten und erbarmungslosesten Fürsten aller Zeiten". Von seinem Selbstverständnis her war er seinem Vetter, dem Kaiser, ebenbürtig. Sein Hochmut und seine Gier sollten ihm schließlich zum Verhängnis werden.

Im Konflikt mit den norditalienischen Städten und dem Papst benötigte Kaiser Barbarossa 1176 erneut die Waffenhilfe Heinrichs. Dieser forderte als Gegenleistung das Silberbergwerk der reichen Stadt Goslar - die zentrale Einnahmequelle des Stauferkaisers. Ohne sie wäre Friedrich I. zahlungsunfähig gewesen, also lehnte er die Forderung ab. Ohne Heinrichs Truppen verlor der Kaiser den Kampf in Italien.

Teilung Sachsens und Bayerns

Löwenfigur Quelle: ZDF

Zurück in Deutschland beschloss der Kaiser, die vielen Klagen anderer Fürsten nicht länger zu ignorieren. Es wurden mehrere Prozesse angesetzt, denen der stolze "Löwe" jedoch fernblieb. Damit verstieß Heinrich gegen seine Lehnspflichten: Wegen "Nichtachtung der kaiserlichen Majestät" entzog ihm Barbarossa die Herzogtümer Sachsen und Bayern.

Um eine erneute Machtkonzentration zu verhindern, gingen Heinrichs Territorien an verschiedene Fürsten. Sachsen wurde geteilt: Westfalen ging an den Erzbischof von Köln, der Osten an das Fürstenhaus Anhalt. Von Bayern trennte Barbarossa noch das Herzogtum Steiermark ab.

Exil in England

Heinrich der Löwe musste ins Exil nach England. Nach seiner Rückkehr behielt er nur seine Erbgüter Braunschweig und Lüneburg. Mit 66 Jahren stürzte er vom Pferd, blieb in der Folge halbseitig gelähmt und starb in Braunschweig am 6. August 1195.

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