Herausforderung Geschichte

Experten nehmen Stellung zu Kritik an der ZDF-Reihe "Die Deutschen"

Es ist ein ambitioniertes Unterfangen: In zehn Folgen 1000 Jahre deutsche Geschichte spannend und wissenschaftlich korrekt lebendig werden zu lassen. Mit der Dokumentar-Reihe "Die Deutschen" hat sich das ZDF dieser Herausforderung gestellt - und stieß mit einer Einschaltquote von durchschnittlich rund fünf Millionen Zuschauern auf großen Zuspruch. Besonders besticht dabei der hohe Anteil der 14 bis 49-Jährigen, der mit 11,7 Prozent für eine Geschichtssendung sehr bemerkenswert ist.

Die Deutschen - Szenenbilder und Krone Quelle: ZDF

Auch das programmbegleitende Online-Special zur deutschen Geschichte findet enorme Resonanz. Mittlerweile sind bereits über 6,5 Millionen Seitenabrufe erfolgt (2,3 Millionen im Oktober und 4,28 Millionen im November). Die Abrufvideos der bisher ausgestrahlten acht Folgen verzeichnen bereits über 1,8 Millionen Sichtungen. Das Video von Folge 1, "Otto und das Reich", ist dabei mit knapp 430.000 Abrufen das erfolgreichste des laufenden Jahres in der ZDF-Mediathek.


Geschichte ist keine allgemein gültige mathematische Formel, sondern ein lebendiges Gebiet, in dem immer wieder über Interpretationen gestritten wird. Ein großes Team von Redakteuren, Autoren und Fachberatern hat mehrere Jahre an der Reihe gearbeitet. Nicht nur Inhalt der Filme, auch Dialoge und Spielszenen wurden in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern erarbeitet und konzipiert.

Einseitiges Geschichtsbild?

Dennoch wird von einigen Feuilletons Kritik geübt. Die Reihe sei zu emotional, zu sehr auf Personen und Kriege fixiert. Sie vermittle ein einseitiges Geschichtsbild und beschreibe den Weg in das heutige Deutschland als unvermeidliche Entwicklung. Drei an der Produktion beteiligte Experten haben nun zu den Vorwürfen Stellung genommen.

Die Kritik an der Darstellung halten sie für unangebracht. So sei es gerade die Personalisierung der Filme, das Emotionale und Visuelle, was die Reihe besonders auszeichnet. "Das hat nichts mit Trivialisierung oder Vereinfachung zu tun", sagt Professor Siemann. "Personen müssen also zwangsläufig im Mittelpunkt stehen, und dies ist nur sinnvoll, wenn ihre Geschichte sich erzählen lässt und einen Handlungsstrang aufbaut. Das ist jedoch nicht etwas Erfundenes, wie oft behauptet wird, sondern das entspricht der Eigenart der Geschichte: Sie 'läuft ab'."

Der Preis der Visualisierung

Die Frage der Auswahl sprechen die Historiker in ihren Stellungnahmen ebenfalls an. Für Professor Siemann dient eine Auswahl als Leitstrahl durch die Vergangenheit: "Perspektive heißt nicht Manipulation. Die Überreste der Vergangenheit sind Chaos - Sinn erhalten sie erst durch Frage und Auswahl."

Prof. Stefan Weinfurter (Universität Heidelberg) fügt hinzu: "Geschichtsdarstellung ist niemals ein einfaches Unterfangen. Das gilt für die deutsche Geschichte in besonderer Weise [...] Allen Beteiligten war und ist bewusst, dass die dargestellten historischen Vorgänge und Prozesse viel komplexer waren, als dies im Film gezeigt werden kann. Das ist der Preis der Visualisierung, die allein es ermöglicht, ein großes Publikum zu erreichen." Der Grundforderung, die Dinge nicht falsch darzustellen, habe man durch die enge Zusammenarbeit zwischen Autoren und Wissenschaft dennoch in jedem Fall Rechnung getragen.

Großer Anklang bei Lehrern und Schülern


Das Angebot der Reihe richtet sich nicht nur an ein breites Fernsehpublikum, sondern gezielt auch an Schüler und Lehrer. Ein umfangreiches Onlinemodul mit Lehrmaterialien zum Download soll den Einsatz der Reihe in Schulen möglich machen.


Für Peter Lautzas, Vorsitzender des Verbandes der Geschichtslehrer in Deutschland (VGD), war die Kooperation mit dem ZDF wegweisend. "Woher aber manche Kritiker an der Reihe die Selbstgewissheit nehmen, über die Eignung von Filmen im Unterricht urteilen zu können, ist ein Rätsel", so Lautzas. Denn Kritiken, die die Reihe lediglich als konstruiertes Geschichtsverständnis sähen, seien naiv: "Ein Film zu historischen Sujets ist nicht mehr und nicht weniger Konstrukt wie andere Formen der Geschichtsvermittlung auch. Das trifft auf das Museum wie übrigens ebenso auf die Vermittlung durch den Lehrer zu."

In Lehrer- und Schülerkreisen sei die Reihe jedenfalls auf große Zustimmung gestoßen: "Insgesamt kann man klar sagen, dass damit ein neuer, erfolgversprechender Weg der Zusammenarbeit zwischen Schule und öffentlich-rechtlichem Fernsehen beschritten wird, der für die zeitgemäße Vermittlung von Geschichte von großem Nutzen sein kann."

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