Kaiser Karl V.

Der Gegner Luthers gibt am Ende auf

Er war der mächtigste Herrscher seiner Zeit, doch den einflussreichsten Gelehrten vermochte er nicht in die Schranken zu weisen: Bis zuletzt versuchte Kaiser Karl V. (1519-1556) gegen Martin Luther die Einheit des Glaubens zu bewahren. Ehrgeizige Reichsfürsten und äußere Konflikte vereitelten die Pläne des Kaisers. Am Ende zog er sich resigniert zurück, enttäuscht und erschöpft übergab er die Verantwortung an seinen kompromissbereiten Bruder. Nur durch seinen Rückzug konnte Karl V. die Vormachtstellung der Habsburger im Reich für Jahrhunderte sichern.

Kaiser Karl V.

Am 24. Februar 1500 wurde Karl in Gent und in eine der mächtigsten Dynastien der frühen Neuzeit hineingeboren: die Habsburger. Bereits im Alter von sechs Jahren erbte Karl die Herrschaft über den nördlichen Teil von Burgund. Zehn Jahre später erbte er den Thron von Aragonien, außerdem herrschte er über die Königreiche Navarra, Granada, Neapel, Sizilien, Sardinien und Spaniens Kolonien in der neuen Welt. Als Erster vereinte er die Herrschaft über Aragonien und Kastilien, damit gilt er als der erste spanische König. 1519 wurde er zusätzlich zum deutschen König gewählt. "In meinem Reich geht die Sonne niemals unter", soll er einmal gesagt haben.

Gegner der Reformation

Doch seine Herrscherwürde war erkauft mit Geld und politischen Zugeständnissen an die Kurfürsten. Als ein kleiner Mönch es mit der katholischen Kirche aufnahm, musste Karl ihn zunächst gewähren lassen. Denn Martin Luther hatte einen mächtigen Beschützer: Friedrich den Weisen, Kurfürst von Sachsen. So musste Karl V. zulassen, dass der Reformator nicht sofort unter die Reichsacht gestellt werden konnte. Auf dem Reichstag zu Worms 1521 sollte über sein Schicksal entschieden werden. Wäre es nach Karl gegangen, hätte die Reformation in Deutschland niemals Fuß gefasst. "Der soll mich nicht zum Ketzer machen", soll er nach Luthers Auftritt in Worms gesagt haben.

Kaiser Karl trat der Reformation entschlossen entgegen. Die Einigkeit des Reiches stand auf dem Spiel, nur der gemeinsame Glaube hielt die Besitzungen der Habsburger in Spanien, Österreich und Burgund zusammen. So wurde Luther geächtet, doch mit Unterstützung der Kurfürsten konnte er sich der Gewalt des Kaisers entziehen. Schon auf dem Reichstag 1521 zeichnete sich eine andere Gefahr für Karls Anspruch ab: die Rivalität mit Franz I., dem König von Frankreich. Bis 1526 führte Karl erfolgreich Krieg gegen ihn um die Vorherrschaft in Norditalien. Der Bauernkrieg und der Kampf gegen die Türken taten ein Übriges, dass Karls Kräfte gebunden waren. Er überließ das Regierungsgeschäft in Deutschland weitgehend seinem Bruder Ferdinand, der bereit war, Kompromisse mit den reformierten Fürsten einzugehen.

Fürsten wechseln die Seite

Gemälde Luther beim Reichstag zu Worms Quelle: ZDF

So konnte sich die neue Konfession ungehindert ausbreiten, schließlich waren die katholischen Mächte unter Zugzwang. Auf dem "geharnischten Reichstag" zu Augsburg (1547/1548) dekretierte Kaiser Karl V. das "Interim", eine katholisch geprägte Ordnung, die den Protestanten nur die Priesterehe und den Laienkelch zugestand. An der alleinigen Autorität der römischen Kirche ließ er keinen Zweifel.

Doch abermals machten fürstliche Machtspiele den kaiserlichen Vorsätzen ein Ende. Was Karl V. nicht ahnte: Herzog Moritz von Sachsen hatte die Seiten gewechselt - und zudem den französischen König Heinrich I. als Verbündeten gewonnen. Der rückte nun Richtung Westgrenze des Reiches und gegen dessen Bistümer Metz, Toul und Verdun vor. Diese Offensive wurde von einem "Fürstenaufstand" gegen Karl V. begleitet, an dem sich auch katholische Herrscher beteiligten. Allen war offenbar daran gelegen, die mächtigste Dynastie der Welt, die Habsburger, in die Schranken zu weisen. Gegen den Willen Karls V. suchte sein Bruder Ferdinand einen Friedensschluss mit den Protestanten.

Der Kaiser dankt ab

Karl V. (s/w) Quelle: ,akg

Darüber wurde 1555 erneut in Augsburg verhandelt, wo der Kaiser schließlich Ferdinand die Verhandlungen führen ließ. Es wurde Friede geschlossen mit protestantischen Ständen, nun waren sie nicht mehr reichsrechtlich zu verfolgende Ketzer. Der konfessionelle Streit sollte ein Ende finden, neben der katholischen wurde nun auch die lutheranische Religion anerkannt. "Cuius regio, eius religio", lautete die später dafür gefundene Formel: Der Landesherr durfte entscheiden, welche Religion künftig auf seinem Territorium gelten sollte. In der Folge wurde aus dem Augsburger Religionsfrieden eine Art "Grundgesetz" für eine konfessionelle Koexistenz - auf Basis von über 100 Paragrafen. Das Reich, die "löbliche deutsche Nation", sollte vor dem Untergang gerettet, der Weg zu einer Überwindung der Spaltung offen gehalten werden.

Im Sinne des Kaisers war diese Regelung nicht. Bis zuletzt hatte Karl V. die Einheit des Reiches bewahren wollen. Schon ein Jahr nach der Einigung von Augsburg trat der Herrscher zutiefst resigniert zurück und zog sich in eine Villa nahe dem Kloster San Yuste in Spanien zurück. Es war das erste und einzige Mal, dass ein römisch-deutscher Kaiser freiwillig abtrat und selbst bei seiner Nachfolge hatte er noch den Kompromiss mit den protestantischen Wahlfürsten suchen müssen. In seinen letzten Lebensjahren widmete sich Karl der Astronomie und Naturphilosophie. Er ließ sich von Alonso de Santa Cruz, einem gelehrten Kosmografen, in die Wissenschaften einführen, starb aber bereits zwei Jahre später.

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