Karls Herrschergeschlecht

Von Merowingern, Karolingern und Langobarden

Karl der Große gehörte zu dem Stamm der Franken. Ihr Name bedeutet übersetzt in etwa "die Mutigen, Freien". Sie dominierten Mitteleuropa bereits seit den Tagen der Völkerwanderung. Ihr erstes Herrschergeschlecht waren die Merowinger gewesen, die seit dem 5. Jahrhundert unter König Childerich das fränkische Gebiet regierten.

Karte Frankenreich um 772
Karte Frankenreich um 772

Diese waren es auch, die das römische Christentum in Mitteleuropa einführten. Den Anfang machte König Chlodwig I., der sich um das Jahr 500 taufen ließ. Dabei entdeckten die Franken, dass ein gemeinsamer Glaube die Menschen politisch aneinanderbindet. Die Religion wurde zum politischen Werkzeug. Um 590 christianisierten die Franken Gebiete rechts des Rheins und banden sie damit in ihr Reich ein. Nur in den weiter entfernt gelegenen Provinzen wie Thüringen, Sachsen oder Friesland blieben ihre Missionen ohne Erfolg.

Die Macht der "Hausmeier"

Doch die Macht der Merowinger war bald im Niedergang begriffen. Bruderkriege zwischen den beiden Teilreichen Neustrien und Austrien zerrissen das Reich. In dieser Lage erlangten einige Adlige eine Vorrangstellung: die so genannten "Hausmeier". Diese Kriegsherren, deren Titel aus dem lateinischen Begriff "maior domus" hervorging, waren die höchsten Amtsträger am merowingischen Königshof. Sie beaufsichtigten das Gesinde des Hofes, die Justiz sowie das Heer, was ihnen erhebliches politisches Gewicht verschaffte. Im gleichen Maße, wie die Wirren der merowingischen Kriege den König schwächten, wuchsen Macht und Einfluss ihres Amtes. Bald waren die Merowinger nur noch der Form nach Könige.

Karl Martell
Karl Martell

Die Hausmeier übernahmen die Herrschaftsgewalt über das fränkische Reich. Einer dieser Kriegsherren, Pippin II., überwand im 7. Jahrhundert seine Konkurrenten und riss das gesamte Reich an sich. Er begründete ein neues Herrschergeschlecht - das der sogenannten "Pippiniden" oder "Karolinger", wie man sie später nach Karl dem Großen benannte. Sein Sohn Karl Martell erbte 715 das Frankenreich. Er ist für seinen Sieg bei Tours und Poitiers über die aus Spanien vordringenden Mauren berühmt geworden. Auf ihn folgte sein 714 geborener Sohn Pippin III. - genannt "der Kurze" -, der Vater Karls des Großen. Unter Pippin dem Kurzen emanzipierten sich die Karolinger vollends aus ihrer nachgeordneten Stellung. 751 setzte Pippin den letzten Merowingerherrscher Childerich III. ab und machte sich selbst zum König.

Die "Langbärte" kommen

Karte Langobardenreich
Karte Langobardenreich

Ein neuer Spieler betrat dort das Feld im Wettbewerb um die Herrschaft über Mitteleuropa: das Volk der Langobarden. Diese waren ein germanischer Stamm, der seit 568 in Norditalien residierte. Die "Langbärte", wie man sie nannte, hatten ein mächtiges Reich mit der Hauptstadt Pavia gegründet. Sie waren Christen, allerdings arianische Christen, die nicht der römischen Kirche unterstanden.

Sie eroberten 751 das byzantinische Ravenna und bedrohten Papst Stephan II. in Rom. Dieser entsann sich des mächtigen Frankenreichs im Norden und bat Pippin um Hilfe. Als Gegenleistung bot er die päpstliche Königssalbung an, was Pippins ursurpierte Herrschaft endgültig in ein von Gott gewolltes Königtum verwandelte. Auch ernannte er die Franken zu den Schutzherren der Kirche. Dieses Bündnis begründete die enge Freundschaft zwischen dem Papst in Rom und den fränkischen Karolingern. Pippin besiegte im Gegenzug die Langobarden in zwei Kriegen und vermachte deren Gebiete an den Papst.

Aufstieg der römischen Kirche

In der sogenannten "Pippinischen Schenkung" - die allerdings nur in späteren Abschriften überliefert ist - überantwortete der fränkische König im Jahr 754 der Kirche weite Teile Mittelitaliens. Diese Gebiete, die Pippin den Langobarden abgenommen hatte, vergrößerten den Besitzanspruch des Papstes erheblich und erlaubten einen wachsenden politischen Einfluss der Kirche. Darunter fielen weite Teile Mittelitaliens, darunter die Pentapolis (Rimini, Ancona, Senegallia, Pesaro, Fano), Tuszien (heutige Toskana mit dem nördlichen Teil des Latium), Venetien, Istrien sowie Spoleto und Benevent. Pippins Geschenk schuf das Fundament für den Aufstieg der römischen Kirche zur Universalmacht des Mittelalters.

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