Links und rechts des Rheins

Die Franzosenzeit im Linksrheinischen und das Ende des Heiligen Römischen Reiches

Die linksrheinischen Staaten standen über 20 Jahre unter französischem Einfluss. Der erste Vorstoß der Franzosen begann hier bereits 1792 mit dem Beginn des ersten Koalitionskrieges, in dem es um die Rheingrenze ging.

Mit den Friedensverträgen von Campoformio 1797 und dem Frieden von Lunéville 1801, der den Frieden von Campoformio bestätigte, waren entscheidende Gebietsabtretungen an Frankreich vereinbart worden, die für die dort lebende Bevölkerung einen sozialen und wirtschaftlichen Umbruch einleiteten.

Orientierung am französischen System

Die Situation in dem Gebiet vor der französischen Herrschaft war typisch für die zersplitterte Kleinstaatenwelt, die fast überall in Deutschland vorherrschte: Es existierten viele Reichsritterschaften, geistliche Staaten und Reichsstädte wie Worms und Speyer. Ab 1798/99 kam es zu radikalen Reformen in den besetzten Gebieten und die Revolutionsgesetze erhielten allgemein Gültigkeit. Die Einteilung des Territoriums orientierte sich am französischen System der Départements, ebenso wurde das Präfektursystem Frankreichs eingeführt und das napoleonische Rechtswesen, inklusive der individuellen Freiheit, allgemeinen Gleichheit und dem Schutz des Eigentums.

Die Einführung dieser Grundsätze schaffte überall in diesen Gebieten die Grundlage für den Aufstieg der bürgerlichen Gesellschaft und deren wirtschaftliche Entfaltung. Die Kleinfürsten und Führungsschichten waren entweder geflüchtet - oder sie mussten sich wie alle übrigen anpassen. Die Bauern wurden befreit. Sie mussten nun nicht mehr ihren Zehnten abgeben oder sonstige Frondienste leisten. 16 Prozent des landwirtschaftlich nutzbaren Gebietes wurde versteigert, was Spekulanten, Kaufleute und Teile des Bürgertums aufs Land zog.

Säkularisierung und Reichsauflösung

Die eigentliche Revolution Napoleons auf deutschem Boden war jedoch die Säkularisierung (Einziehung des kirchlichen Eigentums durch den Staat) der geistlichen Fürstentümer, die Mediatisierung (Beseitigung der Reichsunmittelbarkeit) und die Reichsauflösung.

Karte Deutschland als "Flickenteppich" Quelle: ZDF

Fast alle geistlichen Territorien wurden verstaatlicht. Damit verlor die Reichskirche ihre jahrhundertealte Stellung als weltliche Macht und der Kaiser eine Stütze seiner Zentralgewalt. Ab 1803 wurden zahlreiche Reichsstädte und Reichsritterschaften, insgesamt über 41 Städte und über 430 Familien, mediatisiert, die damit dem Kaiser nicht mehr unterstanden. Die Gebiete wurden im Reichsdeputationshauptschluss zu Regensburg im Jahre 1805/1806 den größeren Staaten zugeteilt. Damit schmolz die Zahl der ehemals ungefähr 250 souveränen Herrschaften des Reiches auf 39 zusammen. Die Mittelstaaten wie Bayern, Baden und Württemberg gewannen viele Gebiete hinzu. Preußen trat durch seine Gebietserweiterungen in eine engere Bindung zu Frankreich und diente diesem als Gegengewicht zu Österreich.

Grundlage für einen modernen Staat

Die neuen Mittelstaaten erreichten ihre volle Souveränität und wurden zu Verbündeten Frankreichs. Zusammen waren sie zu schwach, um Frankreich zu bedrohen, als militärische Unterstützung im Kampf gegen Österreich konnten sie Frankreich jedoch gute Dienste leisten. Die territoriale Revolution in den besetzten Gebieten hatte schließlich die Gründung des Rheinbundes und im Endeffekt die Reichsauflösung zur Folge. In den besetzten Gebieten war damit jedoch eine Grundlage geschaffen worden, um eine moderne Staatlichkeit entwickeln zu können.

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