Martin Luther

Der Mönch wollte die Kirche reformieren

Martin Luther (1483-1546) lebte in einer Epoche des Umbruchs: Mächtige Territorialstaaten gewannen an Einfluss, die "Humanisten" stellten das kirchliche Bildungsmonopol in Frage, und per Buchdruck verbreiteten sich ihre Ideen so schnell wie nie zuvor. Ob gewollt oder nicht, letztendlich legte Luther die Axt an die Wurzel kirchlicher und weltlicher Macht. Mit dem Kampf gegen Papst und Kaiser spaltete er die Deutschen religiös für Jahrhunderte, schuf aber mit seiner Bibelübersetzung kulturell einen gemeinsamen Sprachschatz.

Martin Luther, geboren am 10. November 1483 in Eisleben, stammte aus einer Aufsteigerfamilie. Sein Vater Hans Luder hatte sich zum Pächter und Hüttenmeister in der Boomzeit der Kupferproduktion hochgearbeitet. Musste der Vater noch auf jede Schulbildung verzichten, so sollte sein Sohn Jura studieren und Karriere machen. Doch es kam ganz anders. Ein religiöses Erweckungserlebnis veränderte den jungen Luther.

Jurastudent wird Mönch

Bei Erfurt geriet der Student in ein Gewitter, fast hätte ihn ein Blitz getroffen. Ganz Kind seiner Zeit, betete er zur Mutter Marias: "Hilf du, heilige Anna, ich will Mönch werden!" Gesagt, getan: Luther verschenkte seinen Besitz und ging ins Kloster. In Wittenberg studierte er Theologie, 1512 beendete er sein Studium mit Doktortitel. Doch den jungen Theologen quälten Selbstzweifel und die Suche nach Antworten: Wie vor Gott bestehen? Wie Gnade finden? Muss sie verdient werden, ist sie ein Geschenk? Alle Angebote der Kirche mit der Schuld umzugehen, gaben ihm keine Antwort.

Im Gegenteil: Der ausufernde Handel mit "Ablassbriefen" widersprach Luthers Heilsvorstellung. Für die Kirchenoberen war es zum probaten Mittel geworden, Seelenheil für bare Münze zu verkaufen. Fahrende Prediger zogen dem gutgläubigen Volk das Geld aus der Tasche und versprachen dafür das Seelenheil. So einfach konnte und wollte es sich der fromme Luther nicht machen. Nach jahrelanger intensiver Bibellektüre kam er zu dem Schluss, dass Gott kein irdischer Richter sei, seine Gnade ein Geschenk und nicht mit weltlichen Taten zu erkaufen. Der aufmüpfige Gelehrte lockte viele Studenten an die Universität von Wittenberg, was dem Theologen den Zuspruch seines Landesvaters, des sächsischen Kurfürsten Friedrich sicherte. Seine Kritik bündelte Luther in 95 Thesen - ein Affront gegen den Papst.

Vorwurf der Ketzerei

Am 7. August 1518 erhielt Luther eine Vorladung nach Rom, wo er sich wegen Ketzerei verantworten sollte. Doch sein Schutzherr stellte sich vor Luther. Da der alte Kaiser Maximilian im Januar 1519 stirbt und seine Nachfolge heiß umkämpft war, mussten Thronanwärter und Papst den mächtigen Kurfürsten Friedrich auf ihre Seite bringen. Davon profitierte Luther, seine Vorladung wurde nach Augsburg verlegt. Der Vertreter des Papstes versuchte den Reformator zum Widerruf seiner Thesen zu bewegen, doch Luther schaffte es, eine Grundsatzdiskussion zu entfachen. Der Disput setzte sich über Jahre fort, schließlich kam es zum Bruch zwischen Luther und der Kirche.

Wartburg Quelle: dpa

Es kam zur Polarisierung zwischen Anhängern Luthers und papsttreuen Christen. Luther selbst wandte sich an den "christlichen Adel deutscher Nation", um die Macht des Pontifex zu brechen. Auch Frankreich und England hatten sich Roms Einfluss erfolgreich entzogen. Mit der Zeit wurde die Reformation zur Bewegung der einfachen Leute - und wurde in den Augen der Massen verbunden mit der deutschen Reichsidee. In Worms kam es zum entscheidenden Disput zwischen Luther und einem päpstlichen Legaten. Im Ergebnis verhängte der junge erwählte Kaiser Karl V. die Reichsacht über Luther, nur freies Geleit für die Heimreise konnte Kurfürst Friedrich für Luther für seinen Landsmann durchsetzen. Martin Luther war praktisch vogelfrei. Wieder half Friedrich der Weise und bot Unterschlupf in der Wartburg. Dort arbeitete Luther an einem der wichtigsten Dokumente in der Geschichte der Deutschen: der Lutherbibel. Sie war der erste Schritt hin zu einer gesamtdeutschen Hochsprache, auch fürs gemeine Volk verständlich.

Reformation verbreitet sich

Derweil verbreitete sich die Reformation wie ein Lauffeuer: Mönche und Nonnen verließen die Klöster, Priester heirateten ihre Mätressen, in Wittenberg wurden die Abendmahlsworte ab sofort laut auf Deutsch gesungen. Mancherorts eskalierte die Situation und kam es zu barbarischen Bilderstürmen. Luther verließ sein Versteck im März 1522, um sich für eine Mäßigung der Bewegung einzusetzen. Doch einmal entfesselt, war der Aufruhr schwer einzudämmen: Nacheinander lehnten sich Ritter und Bauern gegen Kirche und althergebrachte Ordnung auf. Der Theologe Thomas Müntzer forderte gar die Gleichheit aller Menschen und schwang sich zum Führer der aufständischen Bauern auf. So konsequent verfolgte Martin Luther die Erneuerung dann doch nicht - und stellte sich auf die Seite der Fürsten. Der Sieg der militärisch weit überlegenen Obrigkeit schaltete die Bauernschaft als politische Kraft in Deutschland für Jahrzehnte aus.

Luther selbst heiratete 1525 die ehemalige Nonne Katharina von Bora. Das Paar hatte sechs Kinder. Luther starb am 18. Februar 1546 in seiner Geburtsstadt Eisleben. Den folgenden Glaubenskrieg musste der Mann, der die Lawine ins Rollen gebracht hatte, nicht mehr miterleben. Der Streit um die richtige Religion prägte Deutschland für die folgenden Jahrhunderte. Zwar hatte Luther der deutschen Sprache neues Leben eingehaucht und damit den Ursprung der künftigen Kulturnation gelegt, jedoch wurde der Versuch, die Reformation 100 Jahre später rückgängig zu machen, zum Desaster und mündete im bis dahin verheerendsten Krieg auf deutschem Boden: dem 30jährigen Krieg.

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