Mit Kreuz und Schwert

Kampf den letzten Heiden Europas

Seit 1305 zogen Jahr für Jahr Fürsten und Ritter mit ihrem Gefolge gen Osten, ins Ordensland, wo heute Polen an Russland und Litauen grenzt. Ihr Ziel: die letzten Heiden Europas zu bekehren und das Land zu beherrschen.

Nachdem alle Bastionen der Kreuzfahrer im Heiligen Land von muslimischen Truppen zurückerobert worden und Jerusalem 1244 endgültig gefallen war, mussten sich die Kreuzritter eine neue Herausforderung suchen. Sie fanden sie im Osten Europas, wo bis auf die Litauer alle heidnischen Gegner der Christen im Ostseeraum "bekehrt" worden waren. Der Deutsche Orden sollte hier eine maßgebliche Rolle spielen und die Teilnahme am "Litauer-Kreuzzug" wurde zu einer der klassischen Bewährungsproben des spätmittelalterlichen Rittertums, die den Beteiligten zudem die Vergebung ihrer Sünden und Reichtum versprach.

Expansionsmacht auf dem Vormarsch

Der Deutsche Orden hatte sich im Laufe des 13. Jahrhunderts - vor allem durch die Unterstützung europäischer Monarchen und der Kirche - neben der Hanse zum stärksten und größten Machtfaktor im Nordosten Europas entwickelt. Der ursprüngliche Ordensgedanke, kranke Kreuzritter zu pflegen, spielte schon lange keine Rolle mehr.

Für seine Politik hatte der Deutsche Orden nicht nur den Segen des Papstes. Kaiser Friedrich II. zum Beispiel hatte den Orden bereits 1226 in der Goldbulle von Rimini ermächtigt, das heidnische Gebiet im Norden zu erobern, die Bewohner zu bekehren und selbst die Herrschaft in dem eroberten Gebiet auszuüben. "Heidenland" galt Papst wie Kaiser schlicht als herrenloses Land. Damit war die Grundlage für den Deutschordensstaat geschaffen, der in seiner größten Ausdehnung Preußen, Livland, Kurland, Estland und die Insel Gotland umfasste.

"Reise" nach Preußen

Entlang der baltischen Küste bis nach Königsberg hatte der Deutsche Orden Stützpunkte. Ehe die "Reise"- wie der Kriegszug gegen die Litauer genannt wurde - beginnen konnte, mussten aber Flüsse und Sümpfe zugefroren sein. Bis zum Beginn der Treibjagd auf die Heiden vergnügte man sich daher in Königsberg. Die "Königsberger Saison" war ein fester Termin im Veranstaltungskalender der europäischen Ritterschaft. Manche Ritter kamen nur einmal nach Preußen, manche öfter, viele sogar Jahr für Jahr. Prominente Namen darunter: der Herzog von Brabant, der Herzog von Bourbon, der König von Ungarn, der Markgraf von Namur und der Herzog von Österreich. Sie alle hinterließen als Andenken gemalte Wappen.

Verbrannte Erde

Über 300 Kreuzzüge führte der Deutsche Orden zwischen 1305 und 1409 gegen die Litauer. Bis zu viermal pro Jahr zog man brandschatzend, plündernd und mordend gegen die Heiden. Bei der Bekehrung der "letzten Heiden in Europa" mit Feuer und Schwert hinterließen die Kreuzritter nichts als verbrannte Erde. Wer nicht fliehen konnte, wurde gefangen genommen und zwangschristianisiert. Adlige wurden in der Marienburg festgesetzt.


Allerdings konnte der Deutsche Orden nur bis 1410 seine Stellung im Osten behaupten. Litauen verbündete sich mit Polen und bereitete dem Orden in diesem Jahr in der Schlacht bei Tannenberg eine Niederlage. Der Niedergang des Deutschen Ordens war eingeläutet.

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