Müntzers Herkunft

Späterer Aufrührer verschrieb sich früh der Theologie

Thomas Müntzer war ein protestantischer Theologe und Revolutionär in der Zeit des Bauernkrieges. Über seinen Werdegang und sein Elternhaus gibt es allerdings nur wenige verlässliche Angaben.

Thomas Müntzer wurde in Stolberg geboren, einem Städtchen am südlichen Rand des Harzes. Er selbst gab seine Herkunft zumeist mit dem Zusatz "von Stolberg" an - so in einer seiner frühen Schriften, dem "Prager Manifest" von 1521: "Ich, Thomas Munczer von Stolbergk, bekenne".

"Thomas-Müntzer-Jahr"

Luftansicht der Europastadt Stolberg im Harz
Luftansicht der Europastadt Stolberg im Harz Quelle: dpa

Als sein Geburtsjahr wird (...) allgemein 1488/89 angenommen - da es dafür keinerlei Belege gibt, legte man den Beginn seines Studiums und die Datierung seiner Priesterweihe als Orientierungspunkt zugrunde und rechnete dann "zurück". Das erste einigermaßen gesicherte Datum aus Müntzers Leben stammt aus dem Jahr 1506: Da immatrikulierte sich ein "Thomas Munczer" an der Leipziger Universität.

In der Regel beendeten Schüler damals die Lateinschule im Alter von 17 Jahren und nahmen dann das Studium auf. Nimmt man den Tagesheiligen als Beleg für den Geburtstag, wäre Müntzer am 21. Dezember geboren worden. In der DDR wurde - sozusagen per Dekret - 1489 als Müntzers Geburtsjahr festgelegt, damit der Arbeiter- und-Bauern-Staat den 500. Geburtstag des "Volksreformators" Müntzer feiern konnte: Das Jahr 1989, so war es geplant, sollte als "Thomas-Müntzer-Jahr" in die Geschichte der DDR eingehen.

Eltern und Einschulung

Auch über Müntzers Familie kann man nur Mutmaßungen anstellen - fest steht nur, dass der Vater 1521 noch lebte, was einem Brief zu entnehmen ist, in dem Müntzer seinen Erbteil einfordert. Er stellte darin dezidiert fest, dass seine Mutter, die wohl 1520 gestorben war, nicht unvermögend in die Ehe gekommen war.

Mit sieben Jahren wird Müntzer auf die städtische Lateinschule in Stolberg gegangen sein, wo er Lesen und Schreiben lernte; die Unterrichtssprache war damals ausschließlich Latein. Wahrscheinlich erlebte er den Schulalltag so, wie ihn ein Kölner Chronist des 16. Jahrhunderts, Hermann von Weinsberg, in einem Satz zusammengefasst hat: "Auf dieser Schule habe ich angefangen still sitzen und schweigen zu lernen, habe auch das ABC lesen und schreiben gelernt, das Paternoster, Ave Maria, Benedicite, Gratia, den Donat, Grammaticam Alexandri, Evangelia und Sequentias und dergleichen."

Frühes Interesse an Theologie

Müntzer hat später geschrieben, dass es ihn von Anfang an dazu drängte, Theologie zu studieren - oder dass er zumindest Geistlicher werden wollte. Das Studium setzte damals an allen europäischen Universitäten mit einer Art Grundausbildung in der Artes-Fakultät (der Vorläuferin der philosophischen Fakultät) ein, wo die "sieben freien Künste", die septem artes liberales, gelehrt wurden. Das waren die drei Sprachwissenschaften Grammatik, Rhetorik und Dialektik und die vier Zahlenwissenschaften Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik - diese Fächer galten als "Werkzeug" für die Erklärung der Heiligen Schrift und der theologischen Literatur.

Im Lauf des 11. und 12. Jahrhunderts war - vor der Gründung der ersten europäischen Universitäten - nicht zuletzt durch arabische Weitervermittlung neuer Wissensstoff nach Europa gelangt, vor allem antikes Bildungsgut, darunter die Werke des Aristoteles. Erst mit der Magisterwürde der "Artistenfakultät" konnte man ein Studium in den höheren Fakultäten Theologie, Jurisprudenz und Medizin aufnehmen.

Studium und Priesterweihe

Müntzer schrieb sich im Oktober 1506 an der Leipziger Universität ein - wie lang er dort studierte und in welcher Burse (Studentenheim) er lebte, ist nicht bekannt. Wahrscheinlich verließ Müntzer Leipzig 1509/10 ohne Abschluss, danach war er als Hilfslehrer in Halle und Aschersleben tätig. 1512 taucht Müntzer dann wieder auf, in einem Inskriptionsvermerk der Matrikel der Universität Frankfurt/Oder: "Thomas Müntczer Stolbergensis".

Es wird vermutet, dass er an der brandenburgischen Universität, die in wissenschaftlicher Hinsicht als konservativ galt, sein Studium abschloss und den Grad eines magister artium erwarb. 1514 weilte er dann nachweislich in Braunschweig: In einem Dokument aus dieser Zeit wird er als Priester der Halberstädter Diözese bezeichnet - er muss also zuvor eine entsprechende Weihe empfangen haben. In Braunschweig hatte er eine nicht sonderlich hoch dotierte Pfründe (eine Art Stipendium für jüngere Kleriker) erhalten, auf die er erst 1521 verzichtete.

Ein üblicher Student

Wir wissen nicht, bei welchen akademischen Lehrern Müntzer Lektionen, Disputationen und Übungen besucht hat. So bleibt offen, welchen Einfluss das Studium in Leipzig und Frankfurt/Oder auf sein Weltverständnis und seinen theologischen Ansatz hatte. Müntzer selbst erklärte im "Prager Manifest", dass er stets den "merklichen und allerhöchsten Fleiß" aufgewendet habe, "dass ich möchte vor anderen Menschen höher erkennen".

Insofern kann man immerhin davon ausgehen, dass er sich dem üblichen studentischen Treiben jener Zeit nicht übermäßig hingegeben hat. Das höhere Studium der Theologie blieb ihm indessen versagt - vielleicht liegen die Anfänge seiner Abneigung gegen die "närrischen, hodensäckischen Doktores", die er später gewissenhaft pflegte, in diesem Sachverhalt begründet.

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