Mysteriöser Tod

Gerüchte um Attentat

In der Schlacht von Lützen 1632 geschieht das Unfassbare: der ruhmreiche Schwedenkönig fällt. Die Nachricht vom mysteriösen Tod Gustav Adolfs sorgt für Aufruhr in ganz Europa. In den Zeitungen überschlagen sich die Meldungen - es ist nach Magdeburg das größte Medienereignis des Dreißigjährigen Krieges.

Die protestantische Seite versucht, den König publizistisch am Leben zu erhalten. Ihre königliche Majestät sei wohlauf, heißt es in einem Bericht, und nur in den linken Arm geschossen worden. Die Propaganda läuft auf Hochtouren: Gustav Adolf werde "zu Leipzig den Überrest von Wallensteins Armee ganz umbringen". Gleichzeitig kursieren Gerüchte über ein Attentat. Wer waren die Drahtzieher?

Heilige Reliquien

Fast 400 Jahre danach sucht ein Team in Stockholm nach den Hintergründen der Tat. Die Beweisstücke für den gewaltsamen Tod des Königs werden im königlichen Schloss wie heilige Reliquien aufbewahrt. Den ledernen Harnisch überbrachte man nach der Schlacht dem Kaiser als Beute. Erst 1920 gelangte er zurück nach Schweden. Lässt sich die Tat anhand von Stichspuren und Einschusslöchern rekonstruieren? Kam der König durch das Schwert, durch eine verirrte Musketenkugel oder durch die gezielte Attacke eines Todesschützen ums Leben?

Der Schuss, der den König tötete, traf ihn laut Augenzeugenbericht von hinten. Er ging durch das Elchhautkoller und durchlöcherte das Zwerchfell in Höhe der dritten Rippe. Wie könnte sich nachweisen lassen, ob das Einschussloch von einer Musketenkugel stammte, die den König zufällig aus weiter Ferne traf? Oder von einer Reiterpistole, die aus nächster Nähe abgefeuert wurde?

Experimente mit authentischen Waffen

Bei der Bundeswehr in Meppen demonstrieren Schussexperten, wie der historische Kriminalfall gelöst werden kann. Durch Experimente mit einer authentischen Waffe aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges prüfen die Techniker, wie weit die Wolken aus Pulvergas reichten. Ein Nahschuss aus einer Pistole hätte Spuren von Schwarzpulver an der Einschuss-Stelle hinterlassen müssen. Pulverreste am Lederkoller wären also ein stichhaltiges Indiz für die Mord-Theorie. Aus einer genau festgelegten Entfernung wird der Schuss abgefeuert. Die Einschuss-Stelle soll im Labor untersucht und die chemische Zusammensetzung nachweisbarer Partikel analysiert werden.

Die Probe wird für den Schwarzpulver-Test auf einen Träger aufgebracht. Im Rasterelektronenmikroskop erzeugen die Wissenschaftler ein Bild der Probe. Gleichzeitig können die Elemente, die darin vorkommen, exakt bestimmt werden. Schwarzpulver enthält Kalium und Schwefel im Verhältnis 2:1. Die Untersuchung des echten Kollers ergibt: Kalium und Schwefel. Die Bundeswehr-Techniker machen den Befund noch brisanter: Der Todesschütze kann nicht weiter als sechs Meter entfernt gewesen sein - weiter reichten die Wolken aus Pulvergas nicht. Der Schwedenkönig ist aus nächster Nähe erschossen worden - daran besteht kein Zweifel mehr. Unter Verdacht steht ein kaiserlicher Kürassier, der mehrmals die Fahnen wechselte.

Durchhalteparolen

Für Wallenstein ist mit dem Ableben des Schwedenkönigs nichts gewonnen. Die Propaganda wirkt über seinen Tod hinaus. Mit Durchhalteparolen ruft die schwedische Seite zur Rache für ihren Helden auf. Unter neuem Kommando gehen die Kämpfe weiter. "Lauter Glück und lauter Sieg, folget ihm und seinem Krieg" - mit diesem Schlachtruf erinnert die protestantische Seite an die göttliche Mission des Königs. Hätte er nicht in den Krieg eingegriffen, wäre der Protestantismus in Deutschland vielleicht ausgelöscht worden.

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