Napoleon Bonaparte

Vom revolutionären General zum französischen Kaiser

Er war einer der größten Feldherren der Weltgeschichte. Ob sie ihn nun liebten oder hassten, an Napoleon Bonaparte (1769-1821) kam keiner seiner Zeitgenossen vorbei. Aus der Französischen Revolution hervorgegangen, krönte er sich schließlich selbst zum Kaiser. Napoleon brachte den Deutschen Bürgerrechte und Freiheit, aber erst gegen ihn entwickelten sie ein eigenes Nationalgefühl. So ist er auch aus der deutschen Geschichte nicht wegzudenken.

Gemälde Napoleon zu Pferd Quelle: ZDF

Der Sohn eines Advokaten wuchs mit sieben Geschwistern auf der Mittelmeerinsel Korsika auf. Der gerade 20jährige "Beute"-Franzose - Korsika war erst 1768 von Genua an Frankreich verkauft worden - kämpfte für republikanische Grundsätze. Als 1789 die Revolution ausbrach, war klar auf welcher Seite er stehen würde: gegen die Monarchie, gegen den König.

General der Revolutionsarmee

Ein heikler Auftrag gab Napoleons Karriere 1793 einen ungeahnten Schub. Royalisten hatten mit britischer Unterstützung Toulon besetzt, Napoleon bereitete ihnen eine empfindliche Niederlage. Seinem entschlossenen Vorgehen folgte die Ernennung zum kommandierenden General der französischen Heimatarmee (Oktober 1795), und schon ein halbes Jahr später erhielt er den Oberbefehl im Italienfeldzug; dort schlug er die mächtige österreichische Armee.

Der Verteidigungskrieg der französischen Revolutionäre wandelte sich endgültig in einen Eroberungskrieg. Napoleon gab den Takt vor, beanspruchte die endgültige Abtretung der linksrheinischen Gebiete an Frankreich. Sein Machtzuwachs in Europa ließ ihn auch in der Heimat Triumphe feiern. Als Feldherr war er zu Ruhm gekommen, als Erster Konsul mit quasi-diktatorischen Vollmachten stellte er nach dem Staatsstreich sein administratives Geschick unter Beweis.

Kaiser von Frankreich

Das Regime wandelte sich zu einer absoluten Monarchie bürgerlichen Typs. Doch Napoleon wollte mehr: eine eigene Herrscherdynastie. "Ich bin die Revolution", hatte er einst gesagt. Nun führte er der Welt vor Augen, dass sich darauf ein erbliches Kaisertum begründen ließ.

Die feierliche Zeremonie am 2. Dezember 1804 in der Kathedrale von Notre-Dame war auch im sprichwörtlichen Sinn die Krönung einer eigenwilligen Karriere. Zehntausend Gäste wurden Zeuge: Napoleon - in purpurroter Robe mit Hermelinbesatz - nahm dem Papst das Diadem mit goldenen Lorbeerblättern aus der Hand, setzte es sich selbst auf den Kopf und kürte sich damit eigenhändig zum "Kaiser der Franzosen". Der Papst durfte ihn nur salben und den religiösen Teil der Zeremonie beisteuern. Napoleon ging es nicht nur um Macht, er wollte auch Tradition und Legitimation. Er wollte das karolingische Erbe antreten, hob sich in die Ahnenreihe des legendären Frankenkaisers und schrieb an den Papst: "Ich bin jetzt Karl der Große."

Einfluss in Deutschland

Napoleons Einzug in Berlin (Gemälde) Quelle: AKG

Das römisch-deutsche Reich dagegen war am Ende. Als Napoleons Armee 1805 den Rhein überquerte, trat das Reich als militärischer Bund schon gar nicht mehr in Erscheinung. Wer wollte sich dem mächtigsten Mann in Europa ernsthaft entgegenstellen? Im Dezember desselben Jahres schlug der geniale Stratege das zahlenmäßig weit überlegene österreichisch-russische Heer in der "Dreikaiserschlacht" bei Austerlitz. Ein halbes Jahr später legte Franz II. die Kaiserkrone nieder und erklärte das Alte Reich für erloschen. Als bald darauf auch die Preußen vernichtend geschlagen wurden, hatte Napoleon seine Hegemonie auf dem Kontinent gesichert.

Nun baute er seinen Einfluss in Deutschland weiter aus. Links vom Rhein kam seinen "Beute"-Untertanen der "Code Civil", das erste bürgerliche Gesetzbuch, zu Gute. Er initiierte politische und ökonomische Reformen, denn schließlich brachten nur effektiv arbeitende Provinzen genug Geld und Truppen für seine kostspieligen Kriege ein.

"Medienstar" seiner Zeit

Auch in Fragen der Selbstdarstellung überließ Napoleon nichts dem Zufall. Der Diktator suchte sein öffentliches Bild zu diktieren, bemühte dafür Schreiber, Maler, Architekten, Bildhauer, aber auch Spitzel und Pressezensoren. Die Begeisterung für Bonaparte erfasste ganz Europa.

Um seinen dynastischen Anspruch darzustellen, umgab er sich mit den Insignien monarchischer Pracht: Symbole, Zeremonien, Triumphzüge. Auch eine neue Ikone schuf er: das unverkennbare "N". Gemälde, Skulpturen, Münzen, Drucke, Literatur und Historiografie stilisierten ihn zum berufenen Herrscher eines neuen Europa, Feiertage und Gebete wurden ihm gewidmet. Nach heutigem Verständnis war er der "Medienstar" seiner Zeit.

Angriff auf Russland

Als sein Stern zu sinken begann, wurde er aber auch die erste historische Figur, die in fast ganz Europa sarkastisch und spöttisch karikiert wurde, ob als "Sohn des Satans" oder als skrupelloser "Menschenschlächter". Im besetzten Spanien machte ein Guerrillakrieg der französischen Armee zu schaffen. Doch auch England wollte sich dem Kaiser nicht unterwerfen. Um es wirtschaftlich zu isolieren, verhängte Napoleon eine "Kontinentalsperre", die den Warenverkehr mit der Seemacht ganz unterbinden sollte. Selbst der russische Zar musste sich der Blockade zunächst anschließen.

Als dieser 1811 ausscherte, reagierte Napoleon auf seine Weise: 600.000 Soldaten überquerten am 24. Juni 1812 die Memel und formierten sich zum Angriff auf das Riesenreich im Osten. Doch die Russen ließen die Grande Armée kommen, zogen sich immer weiter nach Osten zurück, bis Napoleons Truppen ohne Nahrung und Unterkunft auf verlorenem Posten standen. Napoleon kehrte um, doch der Rückmarsch wurde zur Katastrophe, nur jeder zwanzigste Soldat kehrte heim.

Leipzig und Waterloo

Rückzug der Großen Armee 1812 (Gemälde)

Nun sahen die Feinde Bonapartes ihre Chance gekommen, ein Bündnis aus Russen, Preußen und Österreichern stellte sich dem Franzosenkaiser entgegen. Vom 16. bis zum 19. Oktober 1813 kam es zur entscheidenden Schlacht, der "Völkerschlacht" bei Leipzig. Napoleon, bis dahin im Feld unbesiegt, musste seine erste verheerende Niederlage hinnehmen.

Ein letztes Mal kam er 1815 aus seinem Exil, der Mittelmeerinsel Elba, zurück, doch diesmal sollte seine Herrschaft nur einhundert Tage dauern. Die Schlacht von Waterloo besiegelte endgültig sein Schicksal. Zu Metternich hatte Napoleon einmal gesagt, seine Herrschaft überdaure den Tag nicht, an dem er aufgehört habe, stark und gefürchtet zu sein. "Eure Herrscher können sich zwanzig Mal schlagen lassen und immer wieder in ihre Residenzen zurückkehren".

Tod auf St. Helena

Genauso kam es dann auch. Den Rest seines Lebens verbrachte Napoleon im zweiten Exil auf der Atlantikinsel St. Helena. Doch bis heute bleibt er der bekannteste Franzose der Weltgeschichte und einer ihrer größten Feldherren. Die Gesetze und Staatsgebilde, die er in Deutschland hinterließ, blieben erhalten - und sorgten für tiefgrefende Veränderungen. So erscheint uns Napoleon als Schlüsselfigur der deutschen Geschichte.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet