Napoleons Reformen im Rheinbund

Bindung der deutschen Mittelstaaten an Frankreich

Die Gründung des Rheinbundes 1806 besiegelte die Bindung der deutschen Mittelstaaten an Frankreich. Der Bund bedeutete gleichfalls das Ende des Alten Reiches.

Karte Rheinbund in Deutschland

Napoleon hatte sein Ziel erreicht, er festigte Länder wie Bayern, Württemberg und Baden, machte sie zu seinen Verbündeten. Im Jahre 1808 gehörten fast alle Staaten außer Österreich und Preußen zum Rheinbund. Es entstand sozusagen ein "Drittes Deutschland" ohne Österreich und Preußen (Triasgedanke).

Reform des Staatswesens

In den Rheinbundstaaten begann Napoleon sofort mit einer umfangreichen Reform des Staatswesens. Die Ausgangslage erschwerte den Übergang. Ehemals viele kleine Herrschaftsgebiete, oft noch ständisch organisiert, waren nun zusammengeschlossen in größeren Flächenstaaten, die einheitlich verwaltet werden mussten. Es wurde daher das französische Verwaltungssystem eingeführt, da ein zentralisierter Staat den Zugriff auf alle Ressourcen erleichterte. Die Neuorganisation der Staaten nach innen wurde rigoros durchgeführt und unterschied sich von der Art und Weise her von den Preußischen Reformen, die harmonischer verliefen und das politische System von innen heraus, also "organisch", modernisierten.

Die Reformen waren in vielen Staaten umfassend. Neben der Reform des Verwaltungswesens und der Einführung der wichtigsten Prinzipien der Französischen Revolution, wie Gleichheit, Eigentumsrechte und dergleichen (allgemeine Grundrechte), reformierte man das Agrarwesen, das Bildungswesen, Wirtschaft, Steuer und Finanzen.

"Bürokratie" als Schimpfwort

Gemälde Napoleon zu Pferd Quelle: ZDF

Napoleon schuf sich mit der Oktroyierung des französischen Systems auf die deutschen Staaten wenige Anhänger unter den Deutschen. Das Verwaltungssystem war oft zu langsam und wurde meist nur unvollständig übernommen. Es blieb ein Torso, wie das gesamte napoleonisch-rheinbündische Reformwerk. Das Volk beschimpfte die neue Organisationsstruktur, die auf die bestehenden Verhältnisse kaum Rücksicht nahm. Der Begriff "Bürokratie" wurde zum Schimpfwort.

Trotzdem hatten die vielfältigen Reformen auch positive Einflüsse auf diese Staaten. Durch die Bildungsreform wurde ein zuverlässiges Berufsbeamtentum herangebildet, Steuer- und Finanzreform bewirkten einen Aufschwung im Handel und damit ein Erstarken des Handels- und Finanzbürgertums. Die Kapitalmärkte wuchsen, ebenso wie die Masse der Anleger, denen nun auch durch das Recht auf Eigentum die notwendige Garantie zum Wirtschaften gegeben wurde. Nicht zuletzt sind die Errungenschaften der Französischen Revolution in vielen Staaten haften geblieben, und nicht ohne Grund lagen die Zentren des deutschen Frühliberalismus und Frühkonstitutionalismus nach 1814 in den Mittelstaaten und in den Ländern des rheinischen Rechts.

Forschungsthesen

In der älteren Forschung galt die Epoche der französischen Fremdherrschaft als eine schmachvolle Zeit der Ohnmacht. Erst in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts kam man zu einer Neubewertung, in dem man danach fragte, warum Napoleon die Errungenschaften der französischen Nation in den deutschen Ländern durchsetzte. Eine These besagte, dass Napoleon den Absolutismus eindämmen wollte, eine andere geht davon aus, dass der Rheinbund ein rein militärisch begründetes Projekt gewesen sei, um Pufferstaaten gegen Österreich und Preußen zu erhalten. Beide Thesen sind nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen.

Heute betrachtet man die napoleonischen Reformen in den Rheinbundstaaten eher als Mittel, um eine Stabilisierung des "Grand Empire" zu erreichen, um in ihm eine gewisse Homogenität herzustellen. Dieses Verlangen nach Homogenität entstand jedoch hauptsächlich unter dem Primat der napoleonischen Machtinteressen. Die so umfangreich durchgeführten Reformen sollten die Voraussetzungen schaffen, um die ökonomischen, finanziellen und militärischen Ressourcen der verbündeten Staaten schnell zu mobilisieren. Die Einführung der Ideen von 1789 mit ihren Freiheits- und Rechtsprinzipien waren dazu bestimmt, moralische Eroberungen zu machen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet