Nichts für Langschläfer

Leben im mittelalterlichen Kloster nach den Regeln Benedikts

Bete und arbeite - die klösterlichen Lebensregeln des Benedikt von Nursia bestimmten seit dem 6. Jahrhundert Tagesablauf und Organisationsformen der mittelalterlichen Klöster. Abgeschirmt von der Außenwelt sollten die Mönche ihr tägliches Leben nach den liturgischen Abläufen richten, die Arbeit rückte dabei immer mehr in den Hintergrund.

Bis ins 11. Jahrhundert richteten sich die meisten Klöster nach den Regeln, die der "Vater das abendländischen Mönchstums" Anfang des sechsten Jahrhunderts in 73 Kapiteln beschrieben hatte.

Ein Leben fürs Gebet

Abgeschirmt von der Welt, sollten die Klöster das Gottesreich auf Erden entstehen lassen. Das Leben hier sollte ganz dem Schöpfer gewidmet sein, dessen Lobpreisung den Tagesablauf bestimmt. Drei bis vier Stunden Gebet ("opus dei"), etwa vier Stunden Studium und Lesen geistlicher Texte ("lectio divina") sowie sechs bis acht Stunden Arbeit - das waren die zentralen Elemente des klösterlichen Lebens. Gebets- und Arbeitszeiten variierten mit den Jahreszeiten, richten sich im Prinzip aber nach einem festen Schema. Nach etwa vierstündigem Schlaf wurde gegen ein Uhr ein ungefähr eineinhalbstündiger Nachtgottesdienst - die Vigilien - abgehalten. Es schlossen sich Schriftlesung und geistliche Übungen an, gefolgt von den Lobgesängen, den Laudes. Der helle Tag blieb Arbeit und Lesungen vorbehalten, die von den Stundengebeten, den Horen, unterbrochen wurden.

Meist waren es die nachgeborenen Kinder von Adligen, die ins Kloster gingen, bzw. geschickt wurden. Sie hatten kein eigenes Erbe zu erwarten und waren auf diese Weise versorgt, Voraussetzung für die Aufnahme war allerdings eine Schenkung der Familie an das Kloster. Bis zum Alter von 15 wurden die "Oblati", wie sie genannt wurden, in strenger Zucht erzogen. Sie lernten Latein, die Sprache der Gebildeten, übten sich in Lesen, Schreiben und Rechnen. Vor allem aber befassten sie sich mit religiösen Schriften und lernten Gebete sowie Kirchenlieder auswendig. Im Alter von 15 Jahren begann die Novizenzeit, nach circa einem Jahr legten sie das Profess, das Ordensgelübde, ab. Ein unumkehrlicher Schritt in ein neues Leben, der durch die Annahme eines neuen Namens dokumentiert wurde.

Eine Welt für sich

Ein wichtiger Aspekt des klösterlichen Lebens war seine Abgeschiedenheit, Kontakte zur Außenwelt sollten so gering wie möglich gehalten werden. So gehörten zu einer Klosteranlage auch Gärten, Stallungen, Werkstätten und andere Wirtschaftsgebäude, die eine weitgehende Selbstversorgung ermöglichten. Darüber hinaus gab es Krankenräume und Gästehäuser für reisende Pilger. Eine gute Vorstellung einer mittelalterlichen Klosteranlage gibt der St. Gallener Klosterplan aus dem 9. Jahrhundert. Auf diesem einzigartigen Dokument ist die Grundrisszeichnung eines Klosters mit allen Nebengebäuden zu sehen.

Bewirtschaftet wurden die Werkstätten und landwirtschaftlichen Betriebe meist von Leibeigenen oder Laienbrüdern, den Konversen. Die Laien wurden zwar der klösterliche "Familie" zugerechnet, hatten aber nicht die umfangreichen kirchlichen Weihen und blieben daher Mönche zweiter Klasse. Leitende Funktionen blieben den Vollmönchen überlassen.

Von Abt bis Zellerar - Wer machte was?

Die klösterliche Gemeinschaft trug viele Züge einer Familie, so bezeichneten sich die Mönche untereinander als Frater, Bruder. Väterliches Oberhaupt - Befehlshaber, Richter und Vorbild - war der Abt, er erfüllte auch die Repräsentationspflichten des Klosters. Die rechtliche Vertretung nach außen allerdings wurde einem Laien übertragen, dem Vogt, meist ein Adliger der Umgebung. Stellvertreter des Abtes waren Prior und Dekan. Vorräte, Geräte und Kleider wurden vom Zellerar verwaltet, ein Hospitarius kümmerte sich um Krankenpflege und Armenfürsorge, der Novizenmeister betreute die Mönchsanwärter, die Novizen.

Zentraler Bereich des klösterlichen Lebens waren Bibliothek und Schreibstuben, die Skriptorien. Bis zur Erfindung des Buchdrucks im 15 Jahrhundert waren die Klöster die wichtigsten Hüter und Hersteller von Schriften aller Art. Pro Tag schaffte ein Skriptor oder Kopist vier bis sechs Seiten, für eine Bibel war ungefähr ein Jahr Schreibarbeit nötig. Dazu kam noch die Arbeit der Illuminatoren, die mit ihren Bildern und Ornamenten aus Büchern und Dokumente wahre Kunstwerke schufen. Kein Wunder, dass Bücher in der damaligen Zeit als echte Luxusgüter angesehen wurden.

Die klösterlichen Reformbewegungen vom 10. Jahundert an ließen immer wieder neue Orden entstehen und mit ihnen auch neue Ansätze, das klösterliche Leben zu gestalten. Die größten Veränderungen gingen mit der Entwicklung der Bettelorden einher, wie die der Dominikaner und Franziskaner im 13. Jahrhundert.

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