Otto und das Reich

Die Geburtsstunde der Deutschen

Als Otto I. in der Pfalzkapelle von Aachen zum König gekrönt wurde, ließ er sich nach altem Brauch von den deutschen Fürsten huldigen. Um solche Ehrerbietung musste er künftig allerdings ringen, denn immer wieder lehnten sich die Territorialherrscher gegen den Monarchen auf. Würde es dem späteren Kaiser gelingen, dem aus den Stämmen der Sachsen, Bayern, Schwaben und Franken erwachsenden Volk ein eigenes Selbstbewusstsein zu geben, als Deutsche?

Krönung Otto I. Quelle: ZDF
Otto I. Quelle: ZDF

Die vier Ur-Stämme auf deutschem Boden empfanden sich wohl erstmals im Jahre 955 als eine Schicksalsgemeinschaft: hervorgerufen durch einen aggressiven Feind von außen. Die Ungarn waren immer wieder zu räuberischen Streifzügen in das ostfränkische Reich Ottos I. eingedrungen. In der Schlacht auf dem Lechfeld bei Augsburg stellten sich Aufgebote der "deutschen" Stämme den Angreifern entgegen und besiegten sie. Dieses Erlebnis einte, stärkte den Monarchen, schuf so etwas wie gemeinsame Identität.

Die "tedesci" werden "Die Deutschen"

Otto I. ließ sich 962 in Rom vom Papst zum Kaiser krönen und blieb mit seinem Gefolge mehr als zehn Jahre in Italien. Dort wurden die Männer aus dem Norden, ob Franken oder Sachsen, von den Einheimischen pauschal "tedesci" - "Deutsche" - genannt - in Anlehnung an das germanische Wort "thiudisc" - "die Sprache des Volkes redend". Und erst allmählich nannten sich die Angehörigen der Stämme selbst so.Otto der Große galt nicht nur als Einiger, sondern auch als Förderer des geistigen und kulturellen Lebens. Sein Reichskirchensystem stärkte den Klerus. Die Klöster erlebten ihre erste Blüte. Als Papst Johannes XII. Otto in Rom zum Kaiser krönte, verschmolz deutsches Königtum mit der Tradition christlich-römischen Kaisertums. Dies war nicht nur eine Zier, sondern auch eine Bürde, denn damit hatte er die Pflicht, außer deutschen Landen auch Papst und Kirche mitsamt Ländereien zu beschützen.

Nachfolge Karls des Großen

Bauern Otto I. Quelle: ZDF

Zum Kaisertum gehörten Territorien, die weit über die Mitte Europas hinausreichen, von Lothringen bis Mähren, von Friesland bis zur Mitte des italienischen Stiefels. Dieser Spagat deutscher Herrscher sollte die deutsche Geschichte über Jahrhunderte prägen.Die Historiker Stefan Weinfurter und Gerd Althoff nehmen zu der Frage Stellung, wie weit deutsche Identität seinerzeit ausgeprägt war. Aufwändige szenische Darstellungen zur Lechfeld-Schlacht und zum "Reisekönigtum", die computergraphische Visualisierung des mittelalterlichen Magdeburg und anderer historischer Schauplätze vermitteln weitere Einblicke in die Zeit vor über tausend Jahren.

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