Papst Gregor VII.

Einer der mächtigsten Gegenspieler Kaiser Heinrichs IV.

Am 21. April 1073 starb Papst Alexander II., und bereits am folgenden Tag wurde in tumultartiger Hektik der Kleriker Hildebrand zu seinem Nachfolger erhoben. Er nannte sich Gregor VII. und sollte zum mächtigsten Gegenspieler Heinrichs IV. werden, zu dem Mann, der "den Erdkreis zum Erzittern brachte", wie es ein Historiograf formulierte.

Papst Gregor VII

Für viele gehörte Gregor VII. zu den unbeugsamsten Reformern auf dem Stuhl Petri, er sei der Erneuerer von Moral und Macht der römischen Kurie. Für andere war gerade er es, der die anschließenden Turbulenzen zu verantworten hatte. Einer seiner Vorgänger im Amt, Papst Leo IX., soll zu ihm gesagt haben: "Wenn du jemals, was Gott verhüten möge, den päpstlichen Stuhl besteigst, wirst du die ganze Welt ins Unglück stürzen." Der Name "Höllenbrand" machte die Runde.

Ehrgeizig und kompromisslos

Der Neue auf dem Stuhl Petri war am deutschen Hof kein Unbekannter. Seit Jahren schon hatte er die kuriale Politik maßgeblich mitbestimmt und gelangte mehrfach auch an den salischen Herrscherhof. Über Herkunft und Kindheit kann in seinem Fall nur spekuliert werden. Er wurde wohl zwischen 1020 und 1030 in der Toskana geboren. Historiker nehmen an, dass er an der Laterankirche in Rom zum Kleriker ausgebildet wurde.

Unter den Reformpäpsten ab Leo IX. legte er dann eine steile kuriale Karriere hin: ein ehrgeiziger Mann, kompromisslos und durchsetzungsstark. "Virga Assur",die "Zuchtrute Gottes", nannte ihn Petrus Damiani einmal. Hildebrand selbst war sich seiner zwiespältigen Wirkung auf andere durchaus bewusst. "Es entgeht Uns nicht", schrieb er 1074 an die Markgräfin Mathilde von Tuszien, "wie unterschiedlich Meinung und Urteil der Menschen über Uns sind". Aber nur der Herr im Himmel würde über ihn richten dürfen.

Machtkampf mit dem Kaiser

Gregor VII. ließ von Beginn an keinen Zweifel daran, dass mit ihm eine neue Ära der römischen Kurie anbrechen sollte. Seine Gedanken fasste er im "Dictatus Papae" zusammen, einem auf den ersten Blick unscheinbaren Text, der am 3. oder 4. März 1075 in das päpstliche Register eingetragen wurde. Nur dem Papst sei es erlaubt, heißt es da, "dass er allein die kaiserlichen Herrschaftszeichen verwenden darf; dass alle Fürsten allein des Papstes Füße küssen; dass er von niemandem gerichtet werden darf und dass es ihm erlaubt ist, Kaiser abzusetzen".

Bann gegen den Kaiser

Canossa Kirchenruine

Unterstützung fand der Kaiser bei vielen Bischöfen: Allzu oft hatten sich die Bischöfe schon über diesen Gregor geärgert, der ihnen Befehle erteilte und ständig neue Gründe für Ermahnungen und Maßregelungen fand. In einem Protestschreiben verkündeten die Bischöfe, "dass wir den Gehorsam, den wir Dir niemals versprochen haben, auch weiterhin niemals halten werden, und weil niemand von uns, wie Du öffentlich erklärt hast, Dir bisher als Bischof galt, wirst Du auch für keinen von uns fortan als Papst gelten". Heinrich IV. ließ ein eigenes Schreiben aufsetzen, in dem er "Hildebrand" als den "schlimmsten Feind des Reiches" schmähte.Gregor VII. entschloss sich zu einem nie da gewesenen Schritt: Er setzte den König schlichtweg ab und versah ihn mit dem Kirchenbann. Diesen hob er erst nach Heinrichs Bittgang nach Canossa wieder auf. Der Machtstreit war damit jedoch nicht beigelegt: Die deutschen Kurfürsten wählten 1077 einen neuen König: Rudolf von Rheinfelden. Der Papst stellte sich nach anfänglichem Zögern auf die Seite des Gegenkönigs: Am 7. März 1080 sprach Gregor VII. erneut den Bann über Heinrich aus. Da er sich und sein Handeln in Canossa damit in gewisser Weise auch selbst in Frage stellte, rechtfertigte er sich nun mit der Argumentation,er habe Heinrich im Januar 1077 garnicht wieder in sein Königsamt eingesetzt. Nun gewähre er, "dass Rudolf das Deutsche Reich regiere und verteidige". Der Papst als Bestimmer über den deutschen Thron - diese Entwicklung war ganz im Sinne Gregors VII.

Da er sich und sein Handeln in Canossa damit in gewisser Weise auch selbst infragestellte, rechtfertigte er sich nun mit der Argumentation,er habe Heinrich im Januar 1077 garnicht wieder in sein Königsamt eingesetzt. Nun gewähre er, "dass Rudolf das Deutsche Reich regiere und verteidige". Der Papst als Bestimmer über den deutschen Thron - diese Entwicklung war ganz im Sinne Gregors VII.

Endgültige Niederlage Gregors

Kaiserkrönung Heinrich IV. Quelle: ZDF,Jan Prillwitz

Doch Gregor VII. hatte die falsche Partei ergriffen: In einer Schlacht der zwei Könige wurde Rudolf schwer verletzt und starb. Propagandistisch noch wichtiger für Heinrich: Sein Gegner war an der rechten Hand verletzt worden. Das war in der Sprache der Zeit ein Gottesurteil: Die Rechte war die Hand, mit der Rudolf seinem König Heinrich einst die Treue geschworen hatte. Nun hatte der wahre König gesiegt.

Heinrich IV. brach nach Rom auf. Papst Gregor VII. zog sich resignierend in die Engelsburg zurück. Es wurde ein Gegenpapst ernannt - Clemens III. - der Heinrich zu Ostern 1084 zum Kaiser krönte. Als letzte Verzweiflungstat rief der entmachtete Gregor VII. die Normannen zu Hilfe. Brennend und mordend zogen sie durch Rom und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Gregor blieb nichts anderes übrig, als anschließend mit den Eindringlingen zu fliehen. Am 25. Mai 1085 starb der streitbare Papst im Exil in Salerno. Als seine letzten Worte wurden zitiert: "Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und das Unrecht gehasst, deshalb sterbe ich in der Verbannung."

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet