Supermacht Kirche

Eine Weltorganisation beherrscht das Mittelalter

Während des gesamten Mittelalters beherrschte die Religion das Leben und Wirken der Menschen des Abendlandes. Keine andere Institution kann auf eine so machtvolle und erfolgreiche Entwicklung zurückblicken wie die katholische Kirche. So entschieden die Päpste des Mittelalters über Krieg und Frieden, Freiheit und Verfolgung.

Die Erfolgsgeschichte des Christentums begann im 4. Jahrhundert. Nach offizieller Duldung wurde der neue Glaube 380 zur Staatsreligion des Römischen Reiches. Auch nach dessen Niedergang erlebte die katholische Kirche einen Aufschwung.

Mit der Taufe des fränkischen Königs Chlodwig im Jahre 498 wurde die Voraussetzung für die Christianisierung Mitteleuropas geschaffen. Denn jetzt übernahmen seine Untertanen, wenn auch anfangs nur oberflächlich, den neuen Glauben. Und eine gezielte Missionierung Mitteleuropas durch wandernde Mönche festigte diesen und erschloss der Kirche neue Wirkungsbereiche.

Grundstein der Macht

Ein zweiter Grund für den Erfolg der Kirche und des Papsttums ist die so genannte "Pippinsche Schenkung" aus dem Jahre 754. Danach erhielt die Kirche territoriale Zugeständnisse in Italien im Austausch für ihre Unterstützung bei der Königswahl von Pippin III. Diese Ländereien bildeten die Grundlage des zukünftigen Kirchenstaates. Mit dem Sieg der römischen Kaiseridee, dem Vorrecht der Kirche zur Verleihung dieses Titels, schuf sie sich einen weiteren machtpolitischen Vorteil gegenüber den weltlichen Herrschern.
Doch wie konnte sich diese große Organisation finanzieren? Neben Stiftungen und Spenden der Menschen etablierte sich im Mittelalter die Zahlung des so genannten "Kirchenzehnt". Diese frühe Variante der Kirchensteuer, anfangs oft in Naturalien gezahlt, trug ihren Teil dazu bei, den Bestand der Kirche finanziell zu sichern. Auch die Klöster in ihrer Funktion als Wirtschaftszentren konnten teilweise große Gewinne anhäufen.

Kampf um die Macht

Im 11. und 12. Jahrhundert brach ein neuer Konflikt zwischen Kirche und weltlicher Herrschaft aus: der Investiturstreit. Hierbei ging es um das Recht zur Besetzung von hohen kirchlichen Ämtern. Beide Parteien beanspruchten dieses Privileg für sich, denn damit konnte man loyale Gefolgsmänner in wichtige Ämter schleusen.

Ende 1075 eskalierte die Auseinandersetzung zwischen Papst Gregor VII. und Heinrich IV. im Streit um die Besetzung des Mailänder Bischofssitzes. Doch die Kirche behielt die Oberhand und Heinrich, der vom Papst mit dem Kirchenbann belegt worden war, begab sich auf seinen berühmten "Gang nach Canossa". 1122 beendete das "Wormser Konkordat" den Investiturstreit. Heinrich V. und Papst Calixtus II. einigten sich darauf, dass die Kirche das Vorrecht auf die Investitur besaß, dem Kaiser aber Einflussmöglichkeiten im Streitfall gewährt werden sollten.

"Spiel" mit der Angst

Der Erfolg des Christentums liegt auch in der Fähigkeit der Kirche begründet, die Ängste und Hoffnungen, die Sorgen und Wünsche der Menschen für sich zu nutzen. Die Furcht vor Hölle und Fegefeuer war allgegenwärtig in den Köpfen der Menschen. Der Glaube an das Jüngste Gericht bestimmte ihr Denken und Handeln.

Kampf den Ketzern

Kaiser wie Heinrich IV. beugten sich der Macht der Kirche und der gefürchtete Kirchenbann drohte allen Herrschern, die den Interessen Roms zuwiderliefen. Selbst die Kreuzzüge, der Heilige Krieg des Christentums gegen die "Ungläubigen", waren ein Werk der katholischen Kirche.
Mitte des 13. Jahrhunderts gründete die Kirche die gefürchtetste Institution des Mittelalters: die Inquisition (von lat. inquirere = untersuchen). Sie hatte den Auftrag, im Namen Christi all diejenigen zu finden und zu richten, welche der Ketzerei bezichtigt wurden. Sowohl Einzelpersonen als auch ganze Glaubensgemeinschaften, wie Katharer und Waldenser, wurden im Auftrag der katholischen Kirche gerichtet.

Anfangs noch durch verhältnismäßig faire Prozesse gekennzeichnet, entwickelte sich die Inquisition - insbesondere die spanische - zu einer brutalen und gefürchteten Einrichtung. Nicht nur Andersdenkende, vermeintliche Hexen und Satansanhänger mussten sich schmerzhaften Foltermethoden und dem Tod auf dem Scheiterhaufen unterziehen. Auch politisch unbequeme Menschen, wie zum Beispiel Johanna von Orleans, waren Opfer der Inquisition, da sich ihr Einflussbereich mehr und mehr auch auf weltliche Bereiche ausdehnte.

Zahlen für die Erlösung

Während der großen Pestwellen in Europa, denen knapp ein Drittel der europäischen Bevölkerung zum Opfer fiel, klammerten sich die Menschen noch fester an ihre Religion. Im Glauben, der schwarze Tod sei die Strafe für die Sünden, suchte man verzweifelt nach Wegen, um ihm zu entkommen.

Zu jener Zeit erlangte der kirchliche Ablasshandel seinen Höhepunkt. Dieses wirtschaftlich äußerst profitable Konzept basierte darauf, dass man sich durch einen gewissen Betrag von seinen Sünden freikaufen könne. So konnte die Kirche Unmengen von Schätzen anhäufen. Doch dies wurde ihr gleichzeitig auch zum Verhängnis, denn der Ablasshandel war einer der maßgebenden Impulse für die Reformation.

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