Von Klerikern, Kriegern und Knechten

Gesellschaft im Mittelalter

Beten, kämpfen, arbeiten - diese drei Prinzipien sind charakteristisch für die Sozialstruktur des Mittelalters. Ein Netz persönlicher Abhängigkeiten verband die Menschen dieser Epoche, maßgeblich geprägt durch die Entwicklung des Lehenswesens und das Prinzip der Grundherrschaft.

Erst mit Aufkommen der Städte und Ausbildung der verschiedenen Handwerke im Hochmittelalter begann sich die Dreiklassengesellschaft, bestehend aus Klerus, Adel und Bauernstand, langsam zu verändern.

Fränkische Wurzeln

Seinen Anfang nahm die Geschichte der mittelalterlichen Herrschaftsordnung im Reich der Franken. Die erfolgreiche Entwicklung jenes Königreiches ist zu großen Teilen auf die Macht seines Heeres zurückzuführen. Denn die Karolinger verfügten über eine schlagkräftige und vorzüglich ausgestattete Reiterei. Doch die enormen Kosten für Pferde, Ausrüstung und Verpflegung überstiegen die finanziellen Mittel des Königshauses bei weitem. Daher verliehen die Herrscher so genannte "Lehen" (germanisch, = Geliehenes) in Form von Land oder gar ganzen Dörfern oder Klöstern an ihnen treu ergebene Vasallen.

Im Gegenzug dafür musste der Adel die Finanzierung des Militärs und die Bereitstellung von Truppen garantieren. Oftmals vergaben diese Vasallen wiederum Teile ihrer Besitzungen an Untervasallen; das Lehenssystem war geboren. Da die Lehen schon früh erblich wurden, konnten mächtige Vasallen oft großen Einfluss auf die Politik der Könige ausüben. Im deutschen Reich führte dies zum Beispiel zu einer Schwächung der zentralen Staatsgewalt.

Hüter der Kultur

Der Klerus vereinte zwei kulturell bedeutsame Schwerpunkte in seinem Aufgabengebiet, die Religion und die Bildung. In einer Zeit, in der die wenigsten Menschen das Lesen und Schreiben beherrschten, waren Klöster als Hüter des Wissens wahre Machtzentren. Und aufgrund ihrer Fähigkeiten wurden Geistliche auch bevorzugt in Verwaltungspositionen der weltlichen Herrscher eingesetzt. Diese Eigenschaften und der Einfluss, den der Glauben und die christliche Religion im Mittelalter ausübte, stellten den Klerus an die Spitze der Ständepyramide.

Schild und Schwert

Ideologisch an zweiter Stelle der Klassengesellschaft stand der Adel, wobei er machtpolitisch sicherlich mit dem Klerus gleichzusetzen ist. Dies verdeutlichen die zahlreichen Konflikte zwischen weltlichen und geistlichen Kräften über das gesamte Mittelalter hinweg. Die Hauptaufgabe des Adels sollte der Schutz der beiden anderen Stände gegenüber jeglichen Gefahren sein. Als Grundherren waren die Adeligen für die Verwaltung des Landes und die Sicherung des Friedens zuständig.

Täglich Brot

Das Leben im Mittelalter war stark durch seine Abhängigkeit von der Natur geprägt. In dieser Agrargesellschaft machten Bauern und Arbeiter drei Viertel der Bevölkerung und die unterste Stufe der Ständepyramide aus. Nichtsdestotrotz waren sie durch ihre Armut von der herrschenden Klasse abhängig. Ihre Arbeit verrichteten sie oftmals auf Land, welches ihnen ihr Grundherr zugewiesen hatte.

Im Gegenzug dafür verbrachte ein unfreier Bauer zirka drei von sieben Tagen mit Arbeiten für seinen Lehnsherren und musste auch dann noch darüber hinaus Abgaben, wie zum Beispiel die Kopfsteuer leisten. Das Leben des Großteils der Bevölkerung war hart. Hohe Kindersterblichkeit, eine geringe Lebenserwartung von durchschnittlich dreißig Jahren und die schlechte medizinische Versorgung forderten ihre Opfer.

Randgruppen und Außenseiter

Neben diesen drei stark idealisierten Ständen gab es auch eine Vielzahl von Menschen, die in keine dieser Sparten passten. Bettler, Spielleute, Zigeuner, Prostituierte, Aussätzige und Angehörige anderer Religionen, wie zum Beispiel Juden gehörten zu dieser Gruppe. Aber es gab auch Berufe, die als unehrlich galten und von großen Teilen der Bevölkerung gemieden wurden. So mussten unter anderem Abdecker, Totengräber und Henker, aber auch Juden in gesonderten Bereichen, meist an oder vor der Stadtmauer, manchmal sogar in abgegrenzten Vierteln wohnen. Außerdem galten in vielen Städten Kleiderordnungen für diese Randgruppen, die sich durch spezielle Merkmale wie farbige Kleidungsbestandteile oder Glöckchen bemerkbar machen mussten.

Erst mit Aufblühen der Städte, der Entwicklung spezieller Handwerkszweige und den gesellschaftlich-politischen Umwälzungen zum Ende des Mittelalters begannen die Grundsätze der Klassengesellschaft langsam aufzubrechen. Doch das Prinzip der Grundherrschaft bestand in Deutschland noch bis in das 19. Jahrhundert hinein.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet