Von "thiudisc" zu "deutsch"

Auf den Spuren der deutschen Sprache

Ein Jahrtausend deutscher Geschichte ist auch ein Jahrtausend deutscher Sprache. Wo liegt der Ursprung und welche Entwicklung durchlief das Deutsche? In welche Worte kleidete Walther von der Vogelweide im Mittelalter seine Minnelieder? In welche Sprache übersetzte Martin Luther die Bibel? Die Ergebnisse jahrelanger Sprachforschung bringen jede Menge Licht ins Dunkel.

Sprache bedeutet Entwicklung und immerwährenden Wandel. Das gilt auch für die deutsche Sprache, die sich seit dem 8. Jahrhundert stetig verändert hat. Im Mittelalter war Latein die Sprache der Gelehrten in Kirche und Verwaltung - das einfache Volk sprach deutsch. Damals waren vorwiegend Geistliche des Lesens und Schreibens mächtig, selbst Könige und Kaiser waren in der Regel Analphabeten. Heutige Sprachwissenschaftler können die damalige Schriftsprache rekonstruieren - über die gesprochene Sprache der Vergangenheit können sie jedoch nur wenig sagen.

Ursprung und regionale Entwicklung

Deutsch gehört zu den germanischen Sprachen. Das Adjektiv "deutsch" leitet sich von dem germanischen Wort "thiudisc" ab, was soviel heißt wie "die Sprache des Volkes redend". Geografisch wird das Deutsche in die zwei Bereiche Hochdeutsch im Süden und Niederdeutsch im Norden eingeteilt. Diese Gliederung folgt rein geografischen Faktoren und sagt nichts über die Qualität der einen oder anderen Sprache aus. Zusätzlich wird das Hochdeutsche in die beiden Bereiche Mitteldeutsch und Oberdeutsch aufgespalten. Zeitlich lässt sich das Hochdeutsche in die folgenden Abschnitte aufteilen: Althochdeutsch (750-1050 nach Christus), Mittelhochdeutsch (1050-1350), Frühneuhochdeutsch (1350-1650) und Neuhochdeutsch (1650-heute). Als Unterscheidungsmerkmale zwischen den verschiedenen Sprachstufen dienen Veränderungen in der Grammatik und der Wortbildung oder historische Einschnitte, beispielsweise der Westfälische Frieden von 1648.

Bei den einzelnen Sprachperioden handelt es sich aber nie um überregionale Einheitssprachen. Vielmehr sind es Sammelbegriffe für unterschiedliche Schriftdialekte. Auch die Jahreszahlen dienen nur als ungefähre Werte, da sprachliche Entwicklungen nicht exakt zu datieren sind. Beim Niederdeutschen gibt es das Altniederdeutsche bzw. Altsächsische (800-1150) und das Mittelniederdeutsche (1250-1650). Ab Mitte des 17. Jahrhunderts wird das Niederdeutsche parallel zum Niedergang des Handelsbundes der Hanse in der Schriftsprache durch das Hochdeutsche verdrängt.

Die deutsche Sprache breitet sich aus

Ab Mitte des 8. Jahrhunderts fördern Geistliche in Klöstern und Bischofssitzen die Verschriftlichung des Deutschen, indem sie vor allem religiöse Texte in die deutsche Volkssprache übertragen. Ein frühes Zeugnis dafür ist der Codex Abrogans, ein lateinisch-althochdeutsches Synonymwörterbuch, das um 765 als erstes Buch in deutscher Sprache entstand. Mit dem Herrschaftsantritt Friedrich I. "Barbarossa" im Jahre 1152 beginnen zunehmend Mitglieder des Adels und des Bürgertums das kirchliche Bildungs- und Kulturmonopol zu brechen.

Während der Zeit der mittelhochdeutschen Klassik (1170-1250) entstehen durch Dichter wie Walther von der Vogelweide oder Hartmann von Aue zahlreiche Meisterwerke der deutschen Literatur. Im Jahr 1235 erließ der Staufer Friedrich II., mit dem so genannten Mainzer Landfrieden ein soziales Regelwerk, das neben einer lateinischen Fassung, als erstes Reichsgesetz auch in deutscher Sprache verbreitet wurde.

Buchdruck und die Rolle Luthers Die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Metall-Lettern durch den Mainzer Johannes Gutenberg um 1450 und die Bibelübersetzungen Martin Luthers ab 1522 verhelfen der deutschen Volkssprache endgültig zum Durchbruch. Allein Luthers Übersetzung des Neuen Testaments ins Frühneuhochdeutsche erscheint in den nächsten Jahren mit einer Gesamtauflage von etwa 100.000 Stück. Latein fungiert praktisch nur noch als Sprache der Kirche und der Wissenschaft an den Universitäten. In zahlreichen Städten bilden sich Druckerwerkstätten, die Bibelübersetzungen und andere volkssprachliche Literatur für das aufstrebende Bürgertum produzieren.

Schließlich setzt sich die neuhochdeutsche Schriftsprache im 17. und 18. Jahrhundert endgültig im deutschen Sprachraum durch. Mit einigen Variationen in der Rechtschreibung bildet sie bis heute die Grundlage für die schriftliche Kommunikation in den deutschsprachigen Gebieten. Konrad Duden legt ab 1880 allgemein verbindliche Regeln zur Aussprache und Rechtschreibung des Neuhochdeutschen fest. Damit ist der Grundstein für unsere heutige Standardsprache gelegt.

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