"Wahre Nachfolger Christi"

Die Katharer - Ketzer mit "reinem" Glauben

Die katholische Kirche war seit 380 nach Christus Staatsreligion im Römischen Reich. Seither hatte sie es verstanden, ihre Macht und ihren Einfluss auszubauen und zu festigen. Heiden, Andersgläubige und Atheisten gab es zu jeder Zeit. Doch erst im 12. und 13. Jahrhundert schien die Ketzerei eine ernsthafte Bedrohung zu werden - mit dem Aufstieg der Katharer zur Gegenkirche.

Hildegard von Bingen und Bernhard von Clairveaux predigten gegen sie. Doch wer waren die Katharer, woher kamen und woran glaubten sie? Was machte ausgerechnet diese religiöse Bewegung so gefährlich für die katholische Kirche, dass Papst Innozenz III. einen Kreuzzug gegen sie organisierte und die Inquisition sie gnadenlos verfolgte?

Geburt einer Häresie


Der Ursprung der Katharer geht auf die Glaubensgemeinschaften der Bogomilen und Paulikianer zurück, deren Kernland sich im heutigen Bosnien befand. Die Katharer trennten sich in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts von ihnen und kamen wahrscheinlich mit den französischen Kreuzrittern aus Konstantinopel nach Frankreich. Von dort aus breiteten sie sich zwischen 1100 und 1170 in Slowenien, Bosnien, Dalmatien und dem Rheinland aus, sowie in Nord- und Südfrankreich, wo sie Albigenser genannt wurden.


In Italien fassten die Katharer um 1155 Fuß. Allerdings spalteten sie sich dort bald in den so genannten italienischen ABC-Zweig (Albanenser, Bagnolenser und Cocorezzenser) mit unterschiedlichen Konfessionen. Dort zerbrach später das konstitutionelle Gefüge der Sekte am schnellsten.

Theologie und Glaube

Die Katharer betrachteten den christlichen Glauben zunächst gemäßigt und später streng dualistisch. Sie gingen von der Annahme aus, dass die Welt und alles Leben von zwei Prinzipien, Gut und Böse, und von einem "guten" Gott und einem "bösen" Gott bestimmt sei. Der gute Gott und seine Engel seien allmächtig im Himmelreich, der böse Gott und seine Engel, allen voran Luzifer, herrsche in allen weltlichen Dingen.

Nach der gemäßigten Auffassung, der die Katharer bis ins späte 12. Jahrhundert folgten, war letztere "böse" Welt durch den Fall Luzifers entstanden. Die radikale Variante jedoch ging davon aus, dass beide Welten von Anfang an gleichberechtigt existierten. Die Hinwendung zum radikalen Dualismus im späten 12. Jahrhundert sollte sich als schicksalsträchtig und am Ende tödlich für die Katharer erweisen. Denn dieser wies - im Gegensatz zur gemäßigten Variante - keine Gemeinsamkeiten zum Christentum auf. Ein weiterer schwer wiegender Widerspruch zur christlichen Lehre war die Umdeutung des Alten und Neuen Testamentes nach der Christus seine Stellung als Erlöser einbüßte.

Religiöse Praxis


Die religiösen Grundsätze fanden ihren Niederschlag auch und besonders im Alltagsleben. Die Katharer sahen die Aufgabe des Menschen darin, durch Meidung der bösen materiellen Welt, die sich ihrer Meinung besonders im Reichtum und Luxus des katholischen Klerus zeigte, die Seele wieder in den Himmel führen zu können. Armut, Askese und häufiges Beten bestimmten ihre Existenz. Alle von der katholischen Kirche praktizierten Kultformen, wie die Sakramente, Reliquien- und Heiligenverehrung, Totenfürbitte und Kirchengesänge lehnten sie nicht nur ab, sondern betrachteten sie als Werk des Satans.


Für die Gläubigen gab es strenge Regeln, die unbedingt befolgt werden mussten, um das Seelenheil zu erlangen: Es war verboten, Menschen oder Tiere zu töten, da jeder Körper eine Seele besitzt. Sex sollte nicht praktiziert werden, da er durch das Fortführen der Schöpfung das Leiden auf der Erde verlängert. Es durften keinerlei Schwüre geleistet oder Eide abgelegt werden. Außerdem galten strenge Fastenregeln.

Das Geheimnis des Erfolges

Der große Zulauf des Katharertums in Europa und im besonderen im Gebiet des späteren Languedoc gründet sich zum einen auf die Toleranz und die spätere offene Unterstützung der lokalen Machthaber. Die im Jahr 1167 gegründeten vier katharischen Bistümer Agen, Toulouse, Carcassonne und Albi verstanden sich als Gegenkirche mit einem starken Gegengewicht zur moralischen Autorität des katholischen Klerus, dessen weltliche Macht sie zunehmend schwächte. Zum anderen predigten die Katharer - im Gegensatz zur katholischen Kirche - in den jeweiligen Landessprachen, wodurch sie große Teile der Bevölkerung erreichten.

Obwohl die katharischen Lehren wenig geeignet waren, in einer florierenden Feudalgesellschaft Fuß zu fassen, wurde die Häresie fester Bestandteil der städtischen Gesellschaft. Ihre Oberhäupter wohnten mitten unter der Stadtbevölkerung nach Geschlechtern getrennt in kleinen Gemeinschaften. Darüber hinaus zogen sie sich nicht in die Einsamkeit zurück, sondern suchten den Kontakt mit den Menschen und schufen damit die Voraussetzung für die Verbreitung ihrer Lehren. Im Gegensatz zum katholischen Klerus traten sie bescheiden auf, gingen einer Arbeit nach und erwarben sich so den Respekt der Bevölkerung.

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