Wertvolle Reiterkämpfer

Die Entwicklung des Ritterstandes

Jeder glaubt ihn zu kennen, den Mann in der Rüstung - doch eine klare Definition, was genau einen Ritter ausmacht, fällt den Wissenschaftlern schwer. Lebenswirklichkeit und die Anforderungen, die man an die Panzerreiter stellte, waren über die Jahrhunderte des Mittelalters einem großen Wandel unterworfen. Aus einer Kriegerkaste wurde eine idealisierte Lebensform.

Als Blütezeit des klassischen Rittertums kann die Zeit zwischen 1100 und 1250 angesehen werden, sein Ursprung liegt allerdings in der Zeit der Karolinger um 800.

Professioneller Kriegerstand

Die machtbewussten Herrscher benötigten für ihre vielen weitläufigen Kriegszüge schlagkräftige Reiterheere. Doch die Ausstattung eines stark gerüsteten und gut ausgebildeten Panzerreiters war teuer und so waren die einfachen Bauern ohne größeren Landbesitz von dieser Art Waffendienst befreit. Nur wer über eine Mindestgröße an Grund und Boden verfügte, musste dem König als Reitersoldat zur Verfügung stehen oder aber ihm einen solchen stellen.

In der Folgezeit entwickelte sich so ein eigener Stand von professionellen und gut ausgerüsteten Reiterkriegern, die als Gegenleistung für ihren Kriegsdienst vom König mit Grundbesitz - dem Lehen - ausgestattet wurden.

Teure Ausstattung

Im Zuge der fortschreitenden technischen Entwicklungen wurde das "System Ritter" immer komplexer. Helm, Kettenhemd beziehungsweise Plattenharnisch, Schwert und Lanze waren aufwändig in der Produktion und nach damaligen Maßstäben ein Vermögen wert. Auch Pferde galten als Luxus - mindestens drei von ihnen waren im Einsatz, wenn ein Ritter unterwegs war. Um das besonders wertvolle und für den Kampf trainierte Streitross zu schonen, wurde während der Reise auf dem Marschpferd geritten und das Lastpferd mit der schweren Rüstung beladen. Begleitet wurde ein Ritter von mindestens einem Knappen oder Knecht, ebenfalls zu Pferde, der für die Verpflegung der Pferde sowie für den Transport, die Pflege und das Anlegen der Rüstung zuständig war. Kein Wunder also, dass Pferd und Rüstung zu begehrten Kriegstrophäen wurden, um deretwillen so mancher Gegner getötet wurde. Wenn es sich nicht um den Spross einer vermögenden Familie handelte, von der man ein hohes Lösegeld erpressen konnte. Auf solche zusätzlichen Geldquellen waren gerade die einfachen Ritter zunehmend angewiesen.

Niedergang des Panzerreiters

Während die Einnahmen aus der Landwirtschaft stagnierten, wuchsen die Ausgaben für Rüstung und Pferde, aber auch für Repräsentation, Kleider und Lebenshaltung. Schließlich konnten verlorene Turniere oder die Teilnahme an Kreuzzügen runiöse Folgen haben. So kam es, dass im 13. Jahrhundert der Ritterstand zunehmend verarmte, auch seine Rolle als Kriegerstand verlor an Bedeutung.

Lange Zeit waren die geschlossenen Formationen der Reiter im Harnisch das Herzstück jedes Heeres gewesen. Vor den verheerenden Wirkungen neuer Waffentypen wie Langbogen, Armbrust und später auch den Feuerwaffen, konnten jedoch auch die schweren Rüstungen nicht schützen. Die Unbeweglichkeit in den immer schwerer werdenden Rüstungen wurde dem Ritter schließlich zum Verhängnis. Einmal vom Pferd geholt, war der Mann im Harnisch beinah wehrlos. Vom 15. Jahrhundert an beherrschten Söldnerheere aus Fußsoldaten die Schlachtfelder Europas, mit ihren langen Stangenwaffen hielten sie die Ritter in Schach.

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