Zeitalter der Revolution

In Europa breitet sich Hoffnung auf Völkerfrühling aus

Die Anspannung ist groß in einer hochexplosiven Zeit: In Europa geht die Revolution um. Am 24. Februar 1848 erst hat ein Volksaufstand in Paris den französischen Bürgerkönig Louis Philippe von Orléans zum Rücktritt gezwungen. Die Hoffnung der Monarchiegegner auf den lange ersehnten Völkerfrühling breitet sich im Tempo des Dampfzeitalters über den gesamten Kontinent aus.

Manifest der Kommunistischen Partei

Frühjahr 1848: Aufstand in Deutschland (Spielszene)
Frühjahr 1848: Aufstand in Deutschland (Spielszene) Quelle: ZDF

"Unsere Zeit, die Zeit der Demokratie, bricht an", hat auch Marx' engster Mitstreiter Friedrich Engels die französische Revolution in der "Deutsch-Brüsseler (Emigranten-) Zeitung" enthusiastisch begrüßt. "Die Flammen der Tuilerien und des Palais Royal sind die Morgenröte des Proletariats. Die Bourgeoisherrschaft wird jetzt überall zusammenkrachen und zusammengeworfen werden."

Zeitgleich rotiert in der Londoner Liverpool Street eine Streitschrift durch die Handpresse des dortigen Arbeiterbildungsvereins. "Mögen die herrschenden Klassen vor einer kommunistischen Revolution erzittern", verkünden die anonymen Verfasser dieses "Manifestes der Kommunistischen Partei" kühn.

Engels hält Schriftstück in der Hand. (Spielszene)
Engels: "Manifest der Kommunistischen Partei" (Spielszene) Quelle: ZDF

Den Polizeibehörden ist es durchaus kein Geheimnis, wer die wirklichen Urheber der gedruckten Kampfansage sind: Karl Marx hat die gemeinsam mit Friedrich Engels entwickelten Ideen Anfang 1848 zu Papier gebracht.

Aufstand des Proletariats

Der zeitliche Zusammenhang scheint den Verdacht nahezulegen: Ist jetzt die historische Stunde gekommen, um den manifestierten "Aufstand der proletarischen Massen" durch Propaganda und Waffenhilfe anzuzetteln? Werden die Künder eines neuen Zeitalters nun im Schulterschluss mit politisierten Arbeitern selbst auf die Barrikaden steigen, um die herrschenden Gewalten zu stürzen? Die Vernehmer der Brüsseler Stadtpolizei sind alarmiert. Ergänzung der Redaktion: Im Februar 1848 waren bei Marx 6000 Francs aus dem Erbe seines Vaters eingegangen. Die belgischen Strafverfolger, von der allgegenwärtigen preußischen Polizei auf die Fährte gesetzt, verdächtigten den deutschen Flüchtling nun, mit dem Geld Waffenkäufe für Aufständische ermöglicht zu haben.

Für Karl Marx könnte keine Vorstellung absurder sein. Der Verhörte sieht sich keinesfalls als Rädelsführer, als Vorkämpfer eines der zahlreichen aufstandsbereiten Geheimbünde. Er versteht sich im Gegenteil als konsequenter Warner vor dem Vorhaben, mit einem Häuflein bewaffneter Rebellen in eine aussichtslose Revolte zu ziehen.

"Fortschritt nicht aufzuhalten"

Marx und Engels in der Redaktion der Neuen Rheinischen Zeitung (Spielszene)
Marx und Engels in der Redaktion der Neuen Rheinischen Zeitung (Spi... Quelle: ZDF

Karl Marx ist ein Denker, ein Philosoph. Er scheut sich nicht, die Schranken gängiger Anschauungen zu durchbrechen. Mit wissenschaftlichem Anspruch und universellem Vorwissen hat er versucht, den Gang der Weltgeschichte zu ergründen. Er hat Gesetzmäßigkeiten destilliert, die nach seiner Weltsicht das Handeln und Wandeln der Menschen seit ihren Anfängen bestimmen.

Doch gerade aus dieser Erkenntnis heraus sieht er sich nicht von dem für ihn lächerlichen Ehrgeiz getrieben, die Zukunft der Menschheit nach Gutdünken, mit Gewalt zu erzwingen. Denn der Fortschritt, davon ist der Philosoph überzeugt, ist eine Kraft, die ohnehin nicht aufzuhalten ist. Wird sie doch nicht durch kühne Ideen bewegt, sondern durch höchst materielle Triebkräfte.

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