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Die F(aschismus)-Skala und ihr Hintergrund

Doku | Diktator - F-Skala

Es waren die Kernfragen nach dem Ende des Dritten Reichs: Wie konnten nur so viele Menschen Hitler und seinem Nazi-Regime folgen? Warum haben sich so wenige gewehrt? Kann so etwas wieder passieren?

Videolänge:
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Es waren die Kernfragen nach dem Ende des Dritten Reichs: Wie konnten nur so viele Menschen Hitler und seinem Nazi-Regime folgen? Warum haben sich so wenige gewehrt? Kann so etwas wieder passieren?

Schon während des Zweiten Weltkriegs haben sich amerikanische und deutsche Wissenschaftler mit diesen Fragen beschäftigt. Schließlich wurden solche Studien zum Ausgangspunkt eines Forschungsvorhabens an der University of California in Berkeley über „Authoritarian Personality“, also die Theorie der Autoritären Persönlichkeit. Die emigrierten Forscher der sogenannten Frankfurter Schule um Theodor W. Adorno und Max Horkheimer veröffentlichten 1950 gemeinsam mit Else Frenkel-Brunswick, Daniel Levinson und R. Nevitt Sanford die von ihnen entwickelte F-Skala.

Wie entstehen Faschismus und Antisemitismus?

Sie basiert auf der Freud‘schen Charakterlehre, Wilhelm Reichs Auseinandersetzung mit Faschismus und Antisemitismus und Studien von Erich Fromm zu den Grundzügen des autoritären Charakters.

„F“ steht hierbei für Faschismus. Auf einer Skala von 1-6 misst die F-Skala den „autoritären Charakter“ des Befragten. Das heißt, das Ziel der F-Skala war nichts Geringeres als die Antwort auf die Fragen: Wie entstehen Faschismus und Antisemitismus? Wie empfänglich sind Menschen für antidemokratische Tendenzen?

Meilenstein der empirischen Sozialforschung

Insgesamt deckt die F-Skala neun unterschiedliche Bereiche bzw. Wesenszüge ab: 1. Konventionalismus, 2. Autoritäre Unterwürfigkeit, 3. Autoritäre Aggression, 4. Anti-Intrazeption, 5. Aberglaube und Stereotype, 6. Machtdenken und „Kraftmeierei“, 7. Destruktivität und Zynismus, 8. Projektivität, 9. Sexualität.

Der erste Fragebogen bestand aus 38 Items, also Aussagen, zu denen die Befragten ihre Zustimmung oder Ablehnung zum Ausdruck bringen konnten. Im Laufe der Jahre wurde der Fragebogen mehrfach überarbeitet. Bis heute gilt die Forschung zur Autoritären Persönlichkeit und zur F-Skala vielen als Meilenstein der empirischen Sozialforschung. Gleichzeitig hat sie von Anfang an viel Kritik hervorgerufen. Vor allem in Bezug auf eine Frage: Lässt sich anhand solcher Aussagen wirklich feststellen, ob eine Person antidemokratische Tendenzen hat?

Forschung im Wandel

Dazu kommt, dass sich viele an dem „F“ für Faschismus störten und stören. Was umfasst das alles? Und was wissen wir über andere Formen extremistischer Haltungen? Die Kritik ist geblieben, aber die F-Skala als grundsätzliches Instrument auch.

Heute wird in der Ideologie-Forschung allerdings eher von Autoritarismus gesprochen. Dabei handelt es sich um ein Konzept, das sich aus den drei Teilbereichen Konventionalismus, autoritäre Unterwürfigkeit und autoritäre Aggression zusammensetzt, die bereits in der F-Skala vorkamen.

Von Varinka Link

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