950 Jahre Kaiserdom zu Speyer

Zum Jubiläum des größten romanischen Kirchenbaus

Der Kaiser- und Mariendom zu Speyer ist ein Bau der Superlative. Seit fast einem Jahrtausend bestimmt er das Bild der Stadt. Er gilt als ein Symbol der Einheit und spielt doch eine zentrale Rolle in einem der größten Konflikte zwischen weltlicher und kirchlicher Macht.

Luftaufnahme von Speyer mit Dom
Luftaufnahme von Speyer mit Dom Quelle: dapd

Als der Grundstein des Doms gelegt wird, ist Europa vereint unter dem Heiligen Römischen Reich. Deutsche Könige sitzen auf dem Kaiserthron. Ihre Krone empfangen sie vom Papst, Amt und Würden aber, so glauben sie, direkt von Gott. Sie verstehen sich als die Stellvertreter des himmlischen Königs auf Erden. Die Erbauer des Doms gehören zu den mächtigsten Herrschern des Abendlandes und die Kathedrale in Speyer soll ihr Denkmal und ihre Grablege sein. Im ihrem Dom verbindet sich Glaube mit Macht.

Dank an himmlische Mächte

Offiziell weiht Konrad II. den Bau der Jungfrau Maria. Ihr zu Ehren soll in Speyer ein Gotteshaus entstehen, das alle bisherigen übertrifft. Der älteste Raum, die sogenannte Krypta trägt noch ganz ihr ursprüngliches Gesicht. Schon in ihr wird der Anspruch des Erbauers deutlich, das größte aller Gotteshäuser zu bauen - nicht als architektonischer Größenwahn sondern als Ausdruck politischer Stärke. Im Investiturstreit versucht König Heinrich IV. die Macht des Papstes zu begrenzen und wird dafür von Gregor VII. mit dem Kirchenbann belegt. Erst der berühmte Gang nach Canossa erlöst ihn vom Bann und gibt ihm die Gelegenheit, an der Monumentalkirche in Speyer weiter bauen zu lassen.

Die Decke des Mittelschiffes wird abgetragen und die Wände um fünf Meter erhöht. Statt der flachen Holzdecke entsteht das größte Kreuzgratgewölbe im ganzen Reich. Mit dem Neubau stattet der König auch den himmlischen Mächten seinen Dank für ihre Unterstützung gegen seine Feinde ab. 30 Jahre hatte es gedauert bis der erste Bau vollendet war. Jetzt wird wieder eine Generation lang an ihm gebaut. Und der neue Dom lässt keinen Zweifel daran aufkommen, wer die Macht im Reich inne hat.

Boomtown Speyer

Als Heinrich 1106 stirbt, steht er erneut im kirchlichen Bann und darf daher nicht im Dom beigesetzt werden. Sein Leichnam wird in die damals noch ungeweihte Afrakapelle gebracht. Hier liegt er, bis es seinem Sohn gelingt, den Bann über seinen Vater postum zu lösen. Erst an seinem fünften Todestag, im August 1111 wird Heinrich IV. zu seinen Ahnen in die geweihte Erde der salischen Kaisergruft gebracht.

Seit seiner Gründung ist das Schicksal des Doms untrennbar mit Speyer verbunden. Der Zuzug zahlreicher Handwerker, Künstler und Händler bringt nicht nur wirtschaftlichen Aufschwung sondern führt auch zu mehrfachen Erweiterungen der Stadt. Unter den salischen Kaisern erhält Speyer eine weitgehend neue Orientierung. Es entsteht der charakteristische Grundriss mit den sich fächerartig vom Dom nach Westen ausbreitenden Straßen. Die Salier haben aus dem Dorf eine Metropole gemacht. Und auch als die Salier nach vier Generationen den Thron verlieren, bleibt Speyer mit dem Kaiserdom ein wichtiges Zentrum.

Vergessene Grabstätten

Der Dom übersteht in den Folgejahren alle möglichen Naturkatastrophen nahezu unberührt, bis französische Truppen ihn am 31. Mai 1689 in Brand stecken. Von den Bauten auf der Südseite bleibt einzig der Ölberg erhalten. Bis heute erinnert er an die letzte Nacht Christi auf Erden. In der Geschichte des Doms folgt nun die größte Veränderung im Inneren der Kirche. Anfang des 19.Jahrhunderts gelangt die Pfalz unter bayerische Herrschaft. König Ludwig von Bayern will Großes schaffen und befiehlt die Ausmalung des Doms im damals modernen, religiös-romantischen Stil der Nazarener. Mehr als sieben Jahre arbeitet der Maler Johann von Schraudolph an dem gigantischen Werk. Heute sind nur noch die Bilder im Langhaus erhalten.

Mit dem immer stärker werdenden Nationalismus wächst um 1900 auch das Interesse an den großen Herrschern der deutschen Geschichte. In Speyer wird von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften eine Kommission mit dem Auftrag eingesetzt, die Gräber der salischen Kaiser im Dom zu lokalisieren. Denn deren genaue Lage hatte man im Zuge der vielen Umbauten in den vergangenen Jahrhunderten vergessen.

Eine Stiftung für die Renovierung

Mehr als drei Meter unter dem Boden finden Arbeiter die jahrhundertelang verborgen gebliebene Gruft. Im Zentrum der Sarkophag Konrads II, dessen Deckel mit drei Eisenbändern gesichert ist. Es ist ein Jahrtausendfund. In den Särgen finden sich die Grabkrone Konrads II., eine weitere Krone, sowie der Ring von Heinrich IV. Selbst der hölzerne Reichsapfel seines Vaters hat die Jahrhunderte überdauert.


Seit 1981 zählt der Salierdom zum Weltkulturerbe. Doch die öffentlichen Fördermittel reichen für die nötigen Reparaturen bei weitem nicht aus. Zur Finanzierung der auf 26 Millionen Euro veranschlagten Renovierung wird eigens die "Stiftung Europäischer Kaiserdom zu Speyer" gegründet. Erst 2015 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

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