Abenteuerliche Odyssee

Schwierige Verhandlungen um ein altes Manuskript

Die Verkaufsgeschäfte, die zwischen Kairo, der Schweiz und den USA hin und her gehen, scheinen dem Szenario eines Krimis entnommen zu sein: Es kommt zu Betrug, Zahlungen von Schmiergeldern und Raub. Am Ende erwirbt eine wohlhabende Stiftung das mittlerweile in Tausende von Fragmenten zerfallene Manuskript.

Der ägyptischer Schmuckhändler Hannah, der auch auf den Handel mit Manuskripten spezialisiert ist, legt ein Verzeichnis der Schriften an. Wegen unechter Antiquitäten hatte Hannah schon Ärger. Jetzt glaubt er fest daran, den Coup seines Lebens zu landen. Die Antiquitätenhändlerin Frieda Nussberger zahlt nicht die drei Millionen Dollar, die Hannah wollte. Deshalb setzt er jetzt auf Zeit: Monate vergehen, ohne dass etwas passiert.

Eines Tages trifft sich Hannah mit der Vertreterin eines Athener Kunst- und Antiquitätenhändlers. Mit diesem lebt er in Streit wegen des Verkaufs einer unechten Statue. Die griechische Frau ist an den koptischen Schriften interessiert und verspricht, wiederzukommen. In Hannahs Antiquitätenladen in Kairo will sie die Manuskripte sehen. Hannah misstraut der Frau, lässt sich aber auf die Verhandlung ein. Als sie das Geschäft platzen lässt, fühlt sich Hannah betrogen und ausspioniert.

Verhandlungen um das Manuskript (spielszene) Quelle: ZDF

Raub einer Schriftensammlung

Der ägyptische Händler bangt um seinen Schatz. Er nimmt die Manuskripte mit in seine Wohnung, wo er sie in einer Schublade verwahrt. Die Geschichte entwickelt sich zu einem Krimi. Die Griechin heuert im Namen ihres Chefs einen Mann an, dem gibt sie einen sehr speziellen Auftrag. Als Hannah wenige Tage später nach Hause kommt, findet er seine Wohnungstür aufgebrochen. Es herrscht Chaos. Die Räume sind verwüstet, neben anderen Wertgegenständen sind sämtliche Papyri gestohlen.

Hannah hat einen Verdacht, telefoniert herum, fragt Leute aus. Als ihm keiner helfen kann, besucht er einen befreundeten Händler. Bei dem geht viel Geld über den Ladentisch. Hannah lässt die Schmach nicht auf sich sitzen und droht denen, die er verdächtigt, Gewalt an. "Hannah war völlig außer sich. Er drehte durch", erinnert sich die Kunsthändlerin Nussbaum, "er fragte Zauberer und koptische Priester, wer ihn bestohlen hat. Europäer konnte er sich nicht vorstellen, er dachte an Leute aus der Umgebung. Aber nach Monaten und Jahren tauchten Teile des Diebesgut auf Europas Kunstmarkt auf." Hannahs Drohungen haben Erfolg, er erhält die Schriftstücke zurück.

Experten erkennen Wert

Hannah fliegt nach Europa, da Ägypten ihm nicht der richtige Ort zum Verkauf zu sein scheint. In einem Hotel in Genf kommt es 1982 zur ersten Begegnung mit Experten, die sofort den Wert des Manuskriptes erkennen: Es sind Papyri aus dem Umkreis der sogenannten Gnostiker, einer bestimmten, heute würde man sagen esoterischen Richtung des frühen Christentums. Der sensationelle Titel: das Evangelium des Judas. Doch Hannah ist skeptisch, verbietet Fotografien und dass sich die Experten Notizen machen.

Hannah versucht sein Glück in Amerika. Er fährt zu einem Treffen mit zahlungskräftigen Leuten, die in einem Hotel auf ihn warten. Während des Treffens mit den fremden Leuten wird er aber wieder unsicher. Will man ihn betrügen oder nochmals reinlegen? Im Vorfeld hieß es: Ware soll gegen Geld getauscht werden. 300.000 Dollar, ein Zehntel dessen, was Hannah ursprünglich erwartete, wird ihm angeboten. Er lässt den Deal platzen.

Eine fatale Entscheidung

Was in Hannah vorgeht, versteht keiner so recht. Er entscheidet sich, die Schriften in einem amerikanischen Banksafe zu deponieren und reist ab, nicht ahnend, dass diese Texte bei unsachgemäßer Lagerung Schaden nehmen können. Sechzehn Jahre vergehen. Das Judas Evangelium im New Yorker Banksafe scheint in Vergessenheit geraten zu sein. Hannah hat sich nicht mehr um den Verkauf bemüht.

Dann, im Jahr 2002, fragt Frieda Nussberger bei Hannah an, ob er das Manuskript noch besitze. Erneut beginnen Verhandlungen, man verabredet ein Treffen und macht einen Termin aus. Noch einmal bricht Hannah nach Amerika auf. Es scheint die letzte Chance zu sein, den Fund noch zu Geld machen zu können.

Bröselige Überreste des Evangelium des Judas Quelle: ZDF

"Ein Haufen Staub"

In Amerika angekommen, fährt Hannah direkt vom Flughafen in den New Yorker Vorort Hicksville. Hier steht die Bank, in der er das Judas Evangelium vor langer Zeit in einem Safe deponiert hat. In der Bank hat er sich mit der ebenfalls angereisten Antiquitätenhändlerin Frieda Nussberger verabredet.

"Als ich das Manuskript in New York sah, in welchem Zustand es sich befand - es war ein Haufen Staub - da war ich entsetzt", erinnert sich Frieda Nussberger, "und ich sah, wie entsetzt Hannah war, als er bemerkte, wie sehr es zerfallen war, seit er es in dem Safe deponiert hatte." 1800 Jahre hatte das Manuskript in Ägypten gelegen ohne Schaden zu nehmen, jetzt war es ein Haufen bröseliger Fragmente. In diesem Zustand erwarb Frieda Nussberger das, was noch von den Papyri übrig war, für einen sechsstelligen Dollar-Betrag. Nach der langen Odyssee schenkte sie die Sammlung einer Stiftung in der Schweiz.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet