Aktenzeichen XY... ungelöst

Die Dokumentation

"Den Bildschirm zur Verbrechensbekämpfung einzusetzen, meine Damen und Herren, das ist der Sinn unserer neuen Sendereihe". Mit diesen Worten beginnt Eduard Zimmermann im Oktober 1967 die erste Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst". Im noch jungen ZDF ist damit ein Format geboren, das mehr als jedes andere für Aufsehen, Kritik, Konflikte und sogar für unversöhnliche Positionen in der Gesellschaft sorgt. In enger Zusammenarbeit mit den Polizeidienststellen, kritisch beäugt von der Öffentlichkeit und erfolgreich in der Verbrechensbekämpfung. Bis heute liegt die Aufklärungsquote der in "Aktenzeichen XY ungelöst" vorgestellten Fällen bei 42 Prozent.

Für die 68er-Generation galt Eduard Zimmermann, der Erfinder und Moderator der Sendung, als Vertreter des ungeliebten "Establishments". Die öffentliche Fahndung rufe zu Menschenjagd und Denunziantentum auf, hieß es. "Wenn man die ganze Fernsehgemeinde als Hilfssheriff' missbraucht, dann ist das mit der Unschuldsvermutung nicht zu vereinbaren", empört sich Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele noch heute. Bei den Terroristen der Roten Armee Fraktion fand sich Zimmermanns Name sogar auf einer Liste geplanter Anschläge. Der Moderator wehrte sich gegen die Kritik. Dass sich der ein oder andere Täter durch die Sendung in die Ecke gedrängt fühlte, kann Arno Funke, bekannt als der Kaufhauserpresser "Dagobert", allerdings bestätigen: "Wenn dein eigener Fall im Fernsehen läuft, belastet das natürlich." Mit Herzklopfen habe er nach der Sendung Nachrichten geschaut, um zu sehen, ob man ihm "auf der Spur sei".


Für Millionen von Zuschauern aber war und ist die Sendung Kult und Gruselfaktor zugleich. "Das liegt daran, dass ja alles der Realität entspricht, der Zuschauer weiß, dass der im Film gezeigte Täter, Mörder, Entführer oder Vergewaltiger immer noch auf freiem Fuß ist", sagt Rudi Cerne. Der heutige Moderator der Sendung erinnert sich an seinen Beginn bei "Aktenzeichen XY ungelöst", seine bewegendsten Fälle, und erzählt, ob er nachts noch schlafen kann. Mit ihm erinnern sich Sabine Zimmermann, Tochter von Eduard Zimmermann, und prominente Schauspieler wie Marion Kracht, Heide Keller und Volker Brandt, die ihre ersten Schauspielversuche bei Aktenzeichen wagten, an die legendäre Sendung. Der Ritterschlag für ein Format ist aber, wenn es parodiert wird. Von Loriot bis Oliver Welke - alle haben "Aktenzeichen" auf die Schippe genommen. Oliver Welke verrät im Interview, warum.


Auch wenn die Machart der Sendung aus den frühen Jahren im Rückblick manchen zum Schmunzeln bringt - der Kern war immer bitterernst. Die Sendung befasst sich ausschließlich mit Kapitalverbrechen. Um den Verbrechensopfern zu helfen, gründete Eduard Zimmermann 1976 den Verein "Weißer Ring". In der Dokumentation kommen Betroffene zu Wort, die ihm noch heute dafür dankbar sind. Denn mit Hilfe von "Aktenzeichen XY... ungelöst" konnten Fälle gelöst werden, die die Ermittler schon fast aufgegeben hatten. So zum Beispiel im Fall der getöteten Lolita Brieger aus der Eifel. Mit Hilfe von "Aktenzeichen" konnte das Verbrechen nach 29 Jahren gelöst werden. "Es ist die Ungewissheit, die einen umbringt", sagt Gisela Peter, Lolitas Schwester. "Jetzt können wir alle zur Ruhe kommen."

Film von Anne Kauth und Ricarda Schlosshan

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