Alte Fesseln von sich werfen

Runter vom Schuldenberg und rein ins Leben

Rainer F. und Marita D. saßen beide in der Schuldenfalle. Bei Rainer F. war es das falsche Konsumverhalten. Marita D. blieb nach einer gescheiterten Beziehung auf den Schulden sitzen. Gemeinsam ist den beiden der Wille, sich aus dieser zunächst aussichtslosen Situation zu befreien. Heute sind beide fast schuldenfrei.

"Wir leben in einer wunderbar bunten Konsumgesellschaft, in der sich Menschen so viele schöne Dinge kaufen können. Vielen Leuten fällt es unendlich schwer, darauf zu verzichten", weiß Pfarrerin Sylvia Wiederspahn, die sich um Menschen mit Schulden kümmert. "Viele Leute definieren sich auch über das Einkaufen. Ich bin, weil ich kaufen kann - und vergessen darüber ihren Kontostand."

Über die Verhältnisse gelebt

Rainer F. und Marita D. kennen diese Situation gut. Einmal in der Schuldenfalle gelandet, leiden beide insbesondere darunter, dass sie völlig isoliert von ihrer Umwelt waren und nicht über die Schulden sprechen konnten, aus Scham darüber. Doch sie haben Großartiges geleistet: Sie sind nicht an den Schulden zerbrochen, sondern haben dem Schuldnerdasein ins Auge geblickt. Sie haben ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand genommen, mutig nach vorne geschaut und sich neu orientiert.


"Ich habe mit meiner ersten Frau über die Verhältnisse gelebt", weiß Rainer F. heute. Die Rechnungen, zumeist aus Versandhäusern, häuften sich. "Ich habe die Rechnungen unterschrieben. Ich dachte, wir hätten die finanzielle Sache im Griff". Das stellte sich als Trugschluss heraus. Die zahlreichen Ratenkäufe brachen Rainer F. das Genick. Es folgten zahllose Mahnungen und Vollstreckungsbescheide. Rainer F. hatte keine Vertrauensperson mehr, nachdem er sich von seiner Frau getrennt hatte und mit einem riesigen Schuldenberg zurück blieb.

Erst als er sich wieder nach draußen wagte und seine heutige Frau Cornelia kennen lernte, kam die Wende in seinem Leben. Plötzlich fand bei Rainer F. ein Bewusstseinswandel - ein Wertewandel - statt. Es war nicht mehr wichtig, das neueste Fernsehgerät zu besitzen, sondern harmonische Stunden mit seiner Frau zu verbringen. Doch die Altlasten aus seinem früheren Leben blieben. Seine neue Frau stellte ihm ein Ultimatum: "Ich habe den Tritt in den Hintern gebraucht", sagt Rainer F., dem langsam klar wurde, dass er es nicht alleine schaffen würde. Mit Hilfe seiner neuen Frau gelang es ihm dann auch, den steinigen, aber einzigen Weg aus der Schuldenfalle zu betreten: Er ging zur Schuldnerberatung und fand Unterstützung.

Durch Bürgschaft in der Verantwortung

Marita D. hatte sich ebenfalls im Schuldennetz verstrickt - aus Liebe zu ihrem damaligen Mann. Kaufsüchtig war er, und sie übernahm eine Bürgschaft für ihn. Seine Bedürfnisse nach Designerklamotten, edlen Restaurants, Luxusreisen stiegen ins Unermessliche. "Er hat den Kick gebraucht", erzählt Marita D., die immer wieder gehofft hat, "er würde wieder auf den Boden kommen, wieder normal werden". Doch Hoffen und Harren hält manchen zum Narren.

Ein Neuanfang

Die gelernte Floristin, die sich ehrenamtlich im Tierschutz engagiert, half ihrem Mann immer wieder, der ihr Vertrauen mit Füssen trat. Schließlich blieb ihr nur, den Absprung zu schaffen und sich schweren Herzens zu trennen. Nun war der Mann zwar weg, doch die Schulden blieben. Mit eiserner Disziplin und viel Mut, und mit Hilfe einer Schuldnerberatung ist sie heute fast schuldenfrei.


"Wenn man den starken Willen hat, kommt man da wieder heraus!", meint Marita D., die heute glücklich lebt - fernab der Konsumwelt. Marita D. setzt sich für die Schwachen ein, besonders die Tauben liegen ihr am Herzen. Mit persönlichem Engagement hat sie erreicht, dass es in Wuppertal nun ein Taubenhaus gibt, das dem Tierheim von den Stadtwerken zu Verfügung gestellt wurde. Ehrenamtlich arbeitet sie dort. "Ich habe überhaupt keine materiellen Wünsche", sagt sie: "anderen eine Freude machen, das bedeutet für mich Glück!"

Auch Rainer F. hat ein neues Leben angefangen: "Das ist wie eine Wiedergeburt", sagt er. Er hat für sich den Wert der Familie entdeckt und genießt die Zeit, die sie zusammen verbringen können. "Ohne die Schuldnerberatung hätte ich das nicht geschafft", sagt er. "Heute fühle ich mich frei!"






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