Armes Kind - fürstlicher Prinz?

Jesus zwischen Wahrheit und Mythos

Jesus ist zu einem abendländischen Mythos geworden, der in der Kunst und Literatur über die Jahrhunderte zu ganz eigenen, teilweise kuriosen Darstellungen gefunden hat. Obwohl Jesus als armer Junge aufgewachsen ist, wird er in vielen Gemälden wie ein kleiner fürstlicher Prinz dargestellt. Doch was steht in der Bibel? Und was waren Jesus erste Stationen, was ist Mythos, was biblische Wahrheit?

Heilige drei Könige bringen dem fürstlichen Prinzen Gaben dar. Quelle: ZDF

Im Inneren des Kölner Doms befindet sich der aus Gold gefertigte Dreikönigsschrein, der ganz unmittelbar zur Geburtsgeschichte Jesu und zu den Ereignissen in Bethlehem gehört. Darin werden, der Überlieferung nach, die Gebeine der Heiligen Drei Könige aufbewahrt - seit dem Mittelalter von der Christenheit verehrt.

Die Könige und das Kind

Die Weisen aus dem Morgenland, die laut Matthäus-Evangelium dem Stern nach Bethlehem gefolgt sind, um dem neugeborenen König der Juden zu huldigen, brachten Gold, Weihrauch und Myrrhe mit. Aufgrund des hohen Wertes wurden diese als königliche Gaben interpretiert. So wurden die Weisen im Volksglauben zu den drei Königen. Über die Anzahl der Könige oder den Zeitpunkt des Besuches ist wenig bekannt: "Die Anzahl wird nicht genannt. Die Kirchentradition hat drei Könige aus ihnen gemacht, denn Jesus erhält drei Geschenke", erklärt Neutestamentlerin Claire Pfann.


Die Chronologie der Ereignisse war für die Verfasser der Evangelien nebensächlich. "Der Besuch dieser Weisen hat irgendwann in den ersten zwei Lebensjahren von Jesus stattgefunden", so Pfann. Es wurden lediglich die wesentlichen Stationen festgehalten. Erst im Laufe der Zeit schufen die Menschen daraus neue Geschichten.

Waisen huldigen dem Kind Quelle: ZDF

Beschneidung im Tempel von Jerusalem


Zu den ersten Stationen, die in den Evangelien beschrieben sind, gehören die Besuche des Jesuskind der Stadt Jerusalem. Im Tempel, so verlangt das jüdische Gesetz, wird der erstgeborene Sohn gezeigt: "Als dann acht Tage vergangen waren, so dass man das Kind beschneiden musste, gab man ihm den Namen Jesus." Dann "brachten sie das Kind, um es Gott zu weihen." So heißt es im Evangelium des Lukas.

Jesus wurde nach jüdischer Tradition beschnitten, so wie noch heute jeder jüdische Junge am achten Tag. Die Beschneidung symbolisiert den Bund, den der Mensch mit Gott geschlossen hat. Es ist der Tag, an dem das Kind seinen Namen erhält. Jesus Beschneidung fand in der Tempelanlage von Jerusalem statt, die erst wenige Jahre vor Jesu Geburt fertig gestellt wurde, eines der mächtigsten Bauwerke der Antike unter Herodes dem Großen erbaut.

Arm und "ungewöhnlich"

Die Bibel berichtet in Zeitsprüngen von Jesus Kindheit: Als Jesus zwölf Jahre alt ist, begegnet er in der Stadt den Pharisäern, den Schriftgelehrten. Sie sind die Fachleute in Fragen der Religion, Vertreter eines konservativen Judentums. Der junge Jesus widerspricht ihnen. Seine kluge Rede ruft in seinem ersten öffentlichen Auftritt nicht nur Missbilligung, sondern auch die Achtung der Pharisäer hervor, so berichten die Evangelien.

Jesus spricht mit den Pharisäern Quelle: ZDF


Überliefert ist, dass Jesus auch als kleiner Junge mit seiner Familie in der Tempelanlage war. Archäologe James Tabor erzählt, wie es zu Zeiten Jesu am Tempelberg ausgesehen haben könnte: "Die Leute aus dieser reichen Wohngegend hatten damals den Blick direkt auf den Tempel", denn die Mauer, die heute da steht, stammt aus dem 15. Jahrhundert. "Jedes Jahr ging Jesus mit seiner Familie durch dieses reiche Viertel, aber er gehörte nicht dazu, denn er war arm", erklärt James Tabor.

Jesusbild im Wandel der Zeit

Jesus - ein außergewöhnlicher Junge aus armen Verhältnissen, der wenig mit dem gemeinsam hat, was die Legenden im Laufe der Zeit aus ihm machen. Im Museum vom Heiligen Kind in Gardone Riviera in Italien befindet sich eine Sammlung von Darstellungen des Jesuskindes aus mehreren Jahrhunderten. Kostbare Originale aus Klöstern und Kirchen, Zeugnisse der Sehnsucht, die sich ein Bild von Jesus als Kind zu machen. Von der Frühzeit des Christentums bis heute - jede Epoche hat ihre Vorstellung, wie Jesus ausgesehen hat.

Jesuskind mit Dornenkrone Quelle: ZDF

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