Auf dem Dach Europas

Von Liftgrößen und Partyzauber

Auftakt des zweiten Teils der Alpendokumentation ist das legendäre „Ski-Opening“ Ende November in Ischgl. Ballermann in den Bergen, der Alkohol fließt in Strömen und wer mit Party nichts am Skihelm hat, ist hier fehl am Platz. Denn Schneesicherheit allein reicht nicht mehr, um sich in der Konkurrenz der Skigebiete behaupten zu können. Die Riesenparty von November bis Ostern – das ist der Marketing-Clou nicht nur von Ischgl.

Umso ruhiger geht es in den Tälern des südwestlichen Piemont zu. Sie gehören zu den einsamsten der Alpen. Manche Täler verloren neun Zehntel ihrer Bewohner, in den Dörfern zerfallen die Häuser, die Natur erobert die Almen zurück. In dem winzigen Dorf Rimella treffen wir Renata Rinoldi. Die rüstige Italienerin trotzt mit ihrem winzigen Hotel dieser Entwicklung und hält die Stellung.

Wolfurt in Vorarlberg wird den wenigsten Menschen ein Begriff sein und ist doch Sitz eines wahren „Global Players“. Die Firma Doppelmayr baut Seilbahnen und Skilifte. Der Weltmarktführer ist in 87 Ländern präsent, auch in Russland. Wenn dort 2014 das olympische Feuer entzündet wird, dann werden die Wintersportler von Sesselbahnen und Schleppliften aus Vorarlberg auf die Wettkampfpisten gebracht. „Das sind unsere Wachstumsmärkte“, sagt Michael Doppelmayr, der das Familienunternehmen in vierter Generation führt. Dabei ginge es ihm nicht nur um Profit, so betont er, er will auch Nachhaltigkeit.

ZDF-Reporterin Barbara Lueg hat unterdessen die Schweiz erreicht. In Linthal im Kanton Glarus erlebt sie eine fremde Welt, die nicht hierher zu gehören scheint. Hier haben Hunderte von Exiltibetern eine neue Heimat gefunden. Weil sie aus ihrer Heimat fliehen mussten, ermöglichte ihnen der Schweizer Alpenclub die Ansiedlung in der heimischen Bergwelt.

Sankt Moritz - fernab jeder Demut

Fernab jeder Demut, dafür großspurig und glamourös: so präsentiert sich Sankt Moritz. Kein Geschmeide zu protzig, keine Limousine zu großkalibrig, wer hier reich ist, zeigt es auch. 300 Sonnentage im Jahr verwöhnen die ohnehin schon verwöhnte Klientel, Skifahren wird hier in der Wiege des Skisports beinahe zur Nebensache. Ganz anders sehen das die „Freeheelers“ in Meiringen im Berner Oberland. Sie haben ihre Leidenschaft für eine alte Technik des Skifahrens entdeckt: den Telemark-Schwung. Mit der Ära des Retro-Schick ist auch Telemarken wieder „angesagt“.

Die Reise durch die 6.000 Kilometer lange Route endet am Jungfraujoch - 3.454 Meter über dem Meer. Europas höchster Bahnhof und einmal mehr Beweis dafür, dass die Alpen der Abenteuerspielplatz Europas schlechthin sind. Der Bau der Zahnradbahn war für die Schweiz ein Prestigeprojekt, so ähnlich wie für Frankreich der Eiffelturm. Wer heute mit der Bahn „TheTop of Europe“, so der Werbeslogan, erklimmt, landet in einem Alpendisneyland mit Rolltreppen, Erlebnisstollen, indischem Restaurant, 360 Grad Kino und Eispalast mit Märchenfiguren. Kitsch pur, die Alpen als Geldmaschine. Der Gang auf die Terrasse allerdings macht demütig: Ein faszinierendes Panorama auf das Dach Europas erinnert den Zuschauer daran, wie klein er eigentlich ist, im Angesicht dieser großartigen Naturschöpfung, die selbst menschlicher Größenwahn nicht zu zerstören vermag.

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