Aufstieg zum Kaiser

Karl der Große wird zum mächtigsten Herrscher Europas

Die militärischen Siege und sein Beistand für den Papst brachten Karl den Großen an die Spitze der europäischen Herrscher. Am Höhepunkt seiner Macht krönte ihn Leo III. in Rom zum Kaiser.

Der Aachener Dom Quelle: ZDF

Nach seinem militärischen Erfolg gegen die Langobarden reiste Karl nach Italien zum Papst. Bei seiner Rückkehr gründete er bei den Quellen der Pader, im heutigen Paderborn, eine Königspfalz: die Karlsburg. Karl der Große wollte seine Macht und seinen Glauben gegen die widerspenstigen Sachsen behaupten. 777 kam - an der Stelle des heutigen Doms - eine Kirche dazu.

Auf Augenhöhe mit Byzanz

Der Frankenkönig war viel unterwegs. Nur in den Wintermonaten blieb er an einem Ort - meistens in Aachen. Karl schätzte die warmen Quellen in der ehemaligen Römerstadt. Wenn er sich im Winterquartier aufhielt, hatte Karl der Große immer seine Familie um sich. Vor allem seine Töchter - so berichtet Karls Biograf Einhard - liebte der Frankenkönig über alles.


Die Pfalzkapelle im Aachener Dom, die Karl der Große bauen ließ, spiegelte dessen Selbstverständnis wider. Er sah sich auf Augenhöhe mit dem oströmischen Kaiser in Byzanz, der nach alter Tradition als Schutzherr der Kirche galt. Der byzantinische Herrscher schenkte Karl Steinplatten - sie stammten aus dem Tempel in Jerusalem -, und der Franke ließ daraus einen Thron bauen. Später wurden die deutschen Kaiser hier gekrönt.

Thron in Aachen Quelle: ZDF


Karl, dessen Gebeine in einem Reliquienschrein in Aachen ruhen, war selbst nicht hoch gebildet. Doch er hatte die klügsten Theologen seiner Zeit um sich versammelt. Unter denen wurde heftig gestritten, denn es gibt immer wieder Aufstände im Sachsenland. Die Meinungen gingen stark auseinander, wie damit umzugehen war. Manche wollten am schnellen und harten Kurs festhalten, andere wie der Mönch Liudger setzten auf Überzeugungsarbeit.

In den Augen der herrschenden Franken waren die aufständischen Sachsen Werkzeuge des Teufels. Und gegen den half nur das Schwert. Hatten die Sachsen wieder einmal zugeschlagen, ließ die Gegenreaktion nicht lange auf sich warten. Jahrelang regierte Karl der Große mit einem brutalen Besatzungsrecht im sächsischen Gebiet. In einem Gesetz für das eroberte sächsische Gebiet wurde in fast der Hälfte der rund 30 Kapitel die Todesstrafe als Strafmaß festgelegt. "Wenn jemand etwas in einer Kirche klaut, soll er mit Tod bestraft werden. Und vor allem, wer seine Kinder und sich selbst nicht taufen lässt, soll mit dem Tod bestraft werden", zitiert von Padberg.

Kein vorbildlicher Christ

Der Herrscher selbst lebte keineswegs ein vorbildliches christliches Leben. Das Gebot der ehelichen Treue zum Beispiel blieb Karl dem Großen fremd. Neben seinen fünf Ehefrauen hatte er mindestens genauso viele Nebenfrauen. Insgesamt wurde Karl der Große Vater von 19 Kindern. "Wir wissen, dass er gegen Ende seines Lebens auch durchaus Skrupel bekommen oder bereut hat, was er getan hat", so die Archäologin Gabriele Isenberg.

Die Christianisierung der Sachsen, aber auch Karls besondere Beziehung zum Papst führten dazu, dass der Franke den Kaiser in Byzanz endgültig als Schutzherr der römischen Kirche ablöste. Besiegelt wurde dies, als Papst Leo III. ihn im Jahr 800 in Rom zum Kaiser krönte. Trotz aller Grausamkeiten stand Karl der Große damit an der Spitze der weltlichen Herrscher Europas.

Ursprung des modernen Europa

"Karl der Große wollte ein großer Held des Glaubens sein. Und nach dem Maßstab der damaligen Gesellschaft wollte Karl vor allem auch ein guter Christ sein", erläutert der Historiker von Padberg. Unter der Herrschaft von Kaiser Karl dem Große entstanden zahlreiche Bistümer im heute norddeutschen Raum, die zu Zentren der kulturellen Entwicklung wurden. Das Frankenreich, das Karl bei seinem Tod im Jahr 814 hinterließ, bildete den Ursprung des modernen Europa.

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