Bekenntnis zur Armut

Franziskus letzter Schritt 'aus der Welt heraus'

Noch während Franziskus und seine ersten Gefährten die Kapelle von San Damiano wieder aufbauen, spielt sich Dramatisches ab. Franziskus, der aus Geldmangel seinen Vater bestohlen hatte, sagt sich los, von seinem Vater, seinem Erbe, seiner Herkunft. Mit diesem radikalen Bekenntnis zur Armut und Franziskus Begegnungen mit den Ausgestoßenen beginnt entgültig eine Bewegung - beflügelt von franziskanischem Geist.

Dank erster Gefährten geht der Wiederaufbau der Kapelle von San Damiano gut voran, bis ein neues Problem auftaucht. Franziskus hatte das Baumaterial bislang aus eigener Tasche bezahlt. Jetzt sind die letzten Reserven aufgefressen, das ganze Projekt steht auf dem Spiel. Franziskus entschliesst sich zu einer Tat, die über seinen weiteren Lebensweg entscheiden sollte.

Aus dem Geschäft seines Vaters hat Franziskus Ware gestohlen und verkauft. In aller Öffentlichkeit will Pietro di Bernadone nun seinem ältesten Sohn den Prozess machen. Franziskus kommt dem Richterspruch zuvor. Die Bürger der Stadt sind Zeugen der Lossagung des Franziskus - von seiner bürgerlichen Herkunft, von seinem Vater, und von seinem Erbe. Die dramatische Szene auf dem Domplatz von Assisi wird Franziskus später als letzten Schritt 'aus der Welt heraus' bezeichnen.

Zu den Ursprüngen des Christentums

In einem Akt der Selbstentblößung streift Franziskus sein bisheriges Leben ab. Bischof Guido nimmt den Angeklagten schließlich in Schutz. Die dramatische Zeichenhandlung aus dem Jahr 1207 gilt als Schlüsselszene im Leben des Mannes, dessen radikales Bekenntnis zur Armut und zur Nachfolge Christi die Welt verändern sollte.

Bischof nimmt Franziskus in Schutz

"Franziskus liebte nicht sehr das Wort, nicht sehr die Predigt des Wortes, sondern die Zeichenhandlung, eben die Performance", erklärt der Tübinger Theologe Professor Helmut Feld: "Die spektakulärste Zeichenhandlung ist wohl die Entkleidungsszene vor dem Bischof von Assisi." Assisi wird zum Ausgangsort einer Bewegung, die sich auf die Ursprünge des Christentums beruft. Ihre Anhänger wollen die erstarrten Traditionen der Papstkirche aufbrechen, und fordern von ihr eine Hinwendung zur Welt und zu den Menschen.

Franziskanischer Geist damals und heute

Als Wendepunkt in seinem Leben beschreibt Franziskus in seinem letzten Willen die Begegnung mit den Ausgestoßenen der Gesellschaft. Zu seiner Zeit ist der Umgang mit Aussätzigen tabu. Der Mann aus Assisi setzt sich über das Verbot hinweg. Eine Kirche, die für die Menschen und ihre Nöte da ist - das ist eine Haltung, die bis heute nichts von ihrer Aktualität eingebüßt hat. Bruder Wendelin etwa öffnet morgens um halb sechs die Türen der Liebfrauengemeinde in Frankfurt am Main. Inmitten der Fußgängerzone gelegen, ist die Kirche nicht nur ein Ort der Besinnung. Unweit des Bankenviertels der Stadt befindet sich hier auch eine Anlaufstelle für Menschen in Not.

Ausschließlich von Spenden finanziert, wird Obdachlosen und Bedürftigen in gepflegter Umgebung eine Mahlzeit geboten, und auch Ansprache und Unterstützung. "Wenn ich an Franziskus denke - er ist ein Vorbild, das man nie erreichen wird", sagt Bruder Wendelin: "Ich liebe sehr seine Spiritualität, aber ganz so radikal wie er gelebt hat - das würde ich sicher nicht hinkriegen". Doch in der Gemeinde Liebfrauen wird franziskanischer Geist lebendig. Die Geschlechtertürme des Mittelalters sind den Bankgebäuden der Gegenwart gewichen. Die Arbeit, zu der Franziskus seine Anhänger auffordert, ist die Gleiche geblieben.

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