Blutige Schätze

Der Antikenhandel und der Terror

Tausende antike Stücke gehen in Deutschland Jahr für Jahr über den Ladentisch. Nur ein Bruchteil davon ist legal im Land, schätzen Experten. Und in ihren oft krisengeschüttelten Herkunftsländern wie Irak, Afghanistan, Libanon sind auch offen terroristische Organistionen in den illegalen Antikenhandel verwickelt.


Römische Büsten, ägyptische Statuen, griechische Vasen, babylonische Münzen und gotische Waffen: zehntausende Sammler in aller Welt jagen nach den Schätzen vorchristlicher Kulturen, fasziniert von der Idee, ein echtes Stück Vergangenheit ihr Eigen zu wissen. Auch als Statussymbol und Geldanlage taugen die bis zu mehrere tausend Jahre alten Kunstgegenstände.


Doch fast überall auf der Welt ist die Ausfuhr historischer Stücke verboten. Dennoch werden Jahr für Jahr Tausende neue und gänzlich unbekannte Antiken auf den Markt gespült. Nur schwer vorstellbar, dass all diese Objekte legal nach Deutschland gekommen sein sollen. Dafür müssten sie schon viele Jahrzehnte im Land sein. Doch es gilt die Unschuldsvermutung: Niemand muss die Legalität seines Eigentums beweisen.

Über ein Jahr recherchierte ein ZDF-Autorenteam bei Polizeifahndern, Kunstliebhabern, ehemaligen Schmugglern und aktiven Händlern. Das Ergebnis: Viele Branchenvertreter scheren sich nicht um die Herkunft ihrer Ware, sogar dann nicht, wenn sie aus dem Dunstkreis diktatorischer Warlords oder radikal-islamischer Rebellen stammt.


Christian Manhart, bei der UNESCO Chef der Sektion für Museen und Kulturgüter, sieht hinter den konkreten Raubgrabungen zwar "meist den armen Dorfbewohner" in Afrika, Afghanistan oder dem Irak, der versuche, der Armut zu entkommen. Doch die Auftraggeber seien immer wieder Kriegsfürsten. Bei ihnen vermische sich der Kunsthandel mit dem von Waffen oder Drogen. Es seien "die gleichen Kanäle, die diesen Handel durchführen". Nach Manharts Einschätzung gehe der Profit des Handels mit geraubter Kunst "in die Milliarden".

Drittgrößter Schwarzmarkt der Welt


Axel Poels, Leiter der belgischen Polizeiabteilung "Kunstkriminalität" spricht offen aus, was die gesamte Kunstszene weiß: "Zum Beispiel in Afghanistan führen die Taliban einen Krieg gegen den Okzident, gegen die Regierung. Und sie finanzieren diesen Krieg mit Drogenhandel und auch mit dem Handel gestohlener Kunstgegenstände."


Michel van Rijn, der einst als Kunsthändler Polizei wie Kollegen narrte, später als Informant von Interpol und Scottland Yard diente und in der Branche einen legendären Ruf besitzt, sagt: "Eine Menge des Geldes aus Antiquitäten geht zu Personen, die keine guten Absichten haben und die dem Terrorismus nahe stehen." Für den Niederländer van Rijn ist der Handel mit geraubter Antikkunst ein "schlimmes Verbrechen".

Polizeiermittler Poels ergänzt: "Wenn man weiß, dass einige der Artefakte von den Taliban verkauft werden, um ihren Krieg zu finanzieren, dann kann man natürlich auch sagen, dass ein bisschen Blut an gestohlenen Artefakten klebt."

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