Breslau 2.0 – Boomtown mit Geschichte

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Uralt, voller Geschichte und gleichzeitig ist der Aufbruch überall spürbar: Breslau, eine Stadt, die stolz ihr deutsches Erbe trägt und gleichsam eine polnische Boomtown ist.

Beitragslänge:
13 min
Datum:
Verfügbarkeit:
Video verfügbar bis 30.12.2017, 15:56
Produktionsland und -jahr:
Polen 2015

Uralt, voller Geschichte und gleichzeitig ist der Aufbruch überall spürbar: Breslau, eine Stadt, die stolz ihr deutsches Erbe trägt und gleichsam eine polnische Boomtown ist.
1945 verloren die Deutschen Breslau an Polen. Es war der Preis für einen Krieg, den sie begonnen hatten. Die neuen Bewohner kamen aus den verlorenen Ostgebieten Polens: aus der heutigen Ukraine und aus Litauen. Bis heute trifft in Breslau Ost auf West.

Europas zahlreiche Mentalitäten versammeln sich in dieser Stadt. Jahrzehntelang wurde sie von den kommunistischen Herrschern vernachlässigt, als Folge des Misstrauens der Polen gegenüber den Deutschen und der Angst, dass sie die Schöne an der Oder eines Tages zurückverlangen könnten.

Die Stadt zeigt die Vergangenheit des modernen Europa

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Blick über die Stadt vom Einkaufszentrum Renoma Quelle: ZDF/Matthias Szczerbaniewicz

„Wenn man in diese Stadt eintaucht, dann zeigt sich wie in einem Geschichtsbuch die Vergangenheit des modernen Europa. Die Katastrophe des 20. Jahrhunderts genauso wie das Zusammenwachsen der Gesellschaften zu einer neuen, friedlichen Ordnung“ sagt Zbigniew Maczków. Der Architekt ist einer der Erfinder dieser neuen Stadt. So hat er zum Beispiel das Kaufhaus Renoma zu neuem Leben erweckt. Es war einst Europas nobelster, deutscher Einkaufstempel östlich von Berlin und ist heute Sinnbild jenes Wirtschaftswunders, mit dem Polen ganz Europa verblüfft. „In dieser Stadt wird einem klar, dass eine wechselhafte Geschichte nicht nur tragisch sein muss“, sagt Maczków: „für uns liegt darin auch der Quell unseres Optimismus.“
„Unsere Einstellung zueinander ist doch heute eine ganz andere“, sagt Wojciech Podgajny, der 1946 als Kind aus dem Osten hierherkam. „Heute sind wir doch alle in Europa, wer sollte da noch einem anderen etwas wegnehmen?“ So steht Breslau heute auch für das wachsende Vertrauen zwischen Nachbarn.
Neben der Geschichte bringen internationale Konzerne wie IBM und Google auch heute wieder neue Menschen nach Breslau. Für Marta macht gerade das das Lebensgefühl ihrer Stadt aus. Die Studentin hat eine Instagram-Gruppe gegründet: regelmäßig treffen sie sich, Breslauer und Besucher, um Fotos ihrer Stadt auf die Instagram-Plattform im Internet zu laden. Den Millenium Tower genauso wie den alten, jüdischen Friedhof. „Wir wollen zeigen, dass hier etwas passiert. Dass Neues gebaut und Altes saniert wird. Dass das Grau nach und nach verschwindet.“
„Breslau 2.0“ zeigt alte und junge Breslauer, zeigt die besondere Stimmung in einer Stadt, die ihre Bewohner sich erst zu ihrem Zuhause machen mussten. Die Europäische Kulturhauptstadt 2016 präsentiert sich heute weltoffen, und wer nachts in einer der vielen Kneipen das Sprachenwirrwarr hört, der fragt sich nicht mehr, ob diese Stadt eher deutsch oder polnisch ist. Der fühlt sich mitten in Europa.

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