Christentum in China

Adam Schall und seine Mission im Reich der Mitte

Im Jahr 1622 macht sich der junge Jesuit Johann Adam Schall von Bell auf den Weg ins Reich der Mitte. Er versucht als Astronom und Ingenieur das Vertrauen des Herrschers auf dem Drachenthron zu gewinnen. Doch der Weg dort hin ist lang und hart.

Astronomische Geräte der Jesuiten auf dem Alten Observatorium Peking. Quelle: ZDF

Die christliche China-Mission im 17. Jahrhundert ist eng verknüpft mit dem Namen Johann Adam Schall von Bell. Zwar arbeiteten die Jesuiten fast 100 Jahre vor Schalls Eintreffen strategisch darauf hin, zum chinesischen Kaiser vorzudringen - doch der Zugang zur "Verbotenen Stadt" blieb ihnen verwehrt.

Bei seinem abenteuerlichen Weg in die "Verbotene Stadt" muss Adam Schell eine sechsmonatige Schiffspassage, die illegale Einreise auf das chinesische Festland und am Ende seines Lebens eine Anklage als Landesverräter überstehen. Doch zuvor wird Adam Schall als Astronom und Ingenieur zum engsten Berater der Herrscher auf dem Drachenthron. Das "Unternehmen Christentum" scheint im Reich der Mitte vor einem Durchbruch zu stehen.

Mehr als der Astronom des Kaisers

Adam Schell von Bell reformiert den chinesischen Kalender, baut Befestigungsanlagen und gießt sogar Kanonen für den Kaiser. Und: Er errichtet eine Kirche in Peking. Seine erfolgreiche Arbeit als Berater des Kaisers macht die Verbreitung des Christentums in fast allen Provinzen des Reiches möglich. Seine Mission wird sich trotz des Sturzes der Ming-Dynastie durch die Mandschuren behaupten. "Adam Schall von Bell war der einzige Ausländer, der bei den Kaisern und dem Hof mehrere Jahre geblieben ist", bestätigt der Sinologe Professor Xiping Zhang. Niemand, alle Vizekönige und Fürsten eingeschlossen, hat größeren Einfluss auf den chinesischen Kaiser als Adam Schall.

"Er ist mit Abstand der berühmteste Europäer in China" - so heißt es am chinesischen Hof. Seine einzigartige Stellung trägt dem Deutschen nicht nur Bewunderung ein. Kritik, Missgunst und offene Feindschaft gefährden den Erfolg der jesuitischen Annäherungsstrategie.

Umstrittene Missionsstrategie


Die größte Bedrohung für die europäischen Missionare kommt aber nicht von Gegenspielern aus der "Verbotenen Stadt", sondern aus Rom. "Gebt ihnen, was ihnen fehlt. Und respektiert, was sie haben!" Die Maxime der "Akkomodation", die der Astronom des Kaisers und seine Mitstreiter praktizieren, verlangt die Anpassung der Mission an die vorgefundenen Verhältnisse. Aber das tolerante und pluralistische Konzept der Jesuiten hat mächtige Gegner innerhalb der Römischen Kurie. Der Ausgang des Streits entscheidet nicht nur über das Schicksal Schalls, sondern auch über den Fortbestand des Christentums in China.

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