Damast und Lichterglanz

Von Weihnachtsvorbereitungen im Vatikan

Im Herzen von Rom, der ewigen Stadt, liegt das Zentrum der katholischen Welt: der Vatikan, ein eigenes Universum hinter hohen Mauern. Gerüchte und Geschichten ranken sich um diesen magischen Ort, viele sind erfunden. Nur wenige Informationen dringen aus dem kleinsten Staat der Welt an die Öffentlichkeit. Bekannt sind nur die glanzvollen Zeremonien - bisher.

Tannenbaum vorm Vatikan

Wie funktioniert die faszinierende Maschinerie Vatikan? Wer sind die vielen Menschen, die hier tagtäglich ihre Arbeit verrichten? Wie sieht ihr Alltag im Vatikan aus? Wir machen uns auf eine Entdeckungsreise durch den Vatikanstaat. Wir stöbern in Werkstätten, Gewächshäusern und Nähstuben. Wir begegnen Menschen in der Sakristei des Petersdomes und der Waffenkammer.

Zwischen Mode und Kunst

Die Modedesignerin des Papstes, Schwester Agar, erklärt, welche Modelle sie für den Heiligen Vater entwirft. Dabei kommt moderne Technik zum Einsatz, denn die Messgewänder des Pontifex werden am PC entworfen. Der langjährige Päpstliche Zeremonienmeister, Erzbischof Piero Marini weiß: "Der Papst hat einen guten Geschmack, wie wir alle, die sich mit solchen Dingen beschäftigen. Aber beim Gestalten muss man sich immer in den Geschmack des einfachen Volke Gottes einfühlen. Man kann nicht zu abstrakte Sachen wie in der modernen Kunst machen."

Der Restaurator Massimo Buonamici erzählt begeistert von seiner Arbeit. Er kümmert sich um die wertvollen Möbelstücke des Papstes. "Wir sind umgeben von den wertvollsten Möbelstücken, so was findet man ganz selten draußen im italienischen Staat. Da gibt es kaum noch Möbel aus dem 17. und 18. Jahrhundert für uns Vergolder. Und hier kann ich täglich an so etwas arbeiten. Diese Möbel hier haben nicht nur einen sehr hohen künstlerischen, sondern auch einen antiquarischen Wert!" Allerdings macht ihm ein vergoldeter Engel der Päpstlichen Gendarmerie Sorgen: Die Flügel sind gebrochen und der Holzwurm steckt in den jahrhundertealten Figuren.

Damaste und Waffen mit Geschichte

Die Innenarchitekten des Vatikans sorgt er sich mehr um die Schönheit der Palastanlage. Mauro Viscontini bestimmt den "Look": Tapeten, Gardinen, Teppiche - natürlich alles zu 100 Prozent italienisch: "Hier lagern wir Damaste mit dem päpstlichen Wappen, alles aus Seide, an die 100, 120 Jahre alt", sagt er, "schauen Sie mal, wie das leuchtet, wie das glitzert." Stolz präsentiert er die Stoffe aus dem Magazin, wo sie gelagert werden: "Es fühlt sich auch ganz anders an, wie Fell, ein dünner und doch harter Stoff. Baumwolle oder Synthetik sind im Vergleich dazu einfach hässlich, oder?"


Und auch Cavagliere Damico zeigt uns seine Kostbarkeiten, die vatikanische Waffensammlung, sein ganzer Stolz. Deutsche, französische und italienische Waffen präsentiert er. Wie sie funktionieren, weiß er glücklicherweise nur theoretisch: "Hier, im Vatikan haben wir noch nie geschossen, noch nie! Zum Glück: Wir haben ja auch jemanden, der auf uns aufpasst", erzählt er mit einem Augenzwinkern und richtet die Augen zum Himmel.

Chorknaben und Bombenentschärfer

Zwischen Playstation, Tischfußball und Stimmbildung leben die Jungen des Päpstlichen Knabenchors "Cappella Sistina". Sie singen bei den Gottesdiensten mit dem Pontifex in der Petersbasilika. Doch vor dem großen Auftritt in der Christmette stehen harte Proben.


Selbst bei der Entschärfung einer Bombe in den vatikanischen Gärten dürfen wir dabei sein. Wir erleben "backstage" die festlichen Vorbereitungen zum Weihnachtsfest, begleiten die riesige Tanne auf ihrem beschwerlichen Weg zum Petersplatz, erleben, wie die vatikanischen Gärtner liebevoll Gesteck für Gesteck die Dekoration für die Feiertage vorbereiten. Wir erleben die Aufregung beim Aufbau der Krippenfiguren, weil jemand den Kopf und die Hände des Heiligen Josef vertauscht hat. Und beim glanzvollen Weihnachtsfest stehen wir mit unserer Kamera in erster Reihe.

Im Auftrag seiner Heiligkeit

Hinter die Mauern des Vatikans stehen die Menschen, die Tag für Tag im großen Räderwerk des kleinsten Staates der Welt ihren Beitrag dazu leisten, dass der Papst seinen Auftrag als Oberhaupt der katholischen Kirche mit ihrer weltweit über eine Milliarde Gläubigen erfüllen kann. Ganz gleich ob Gärtner, Leiter des Päpstlichen Knabenchores "Cappella Sistina", Restaurator oder Gendarm der vatikanischen Polizei - die Mitarbeiter sind von einem ganz besonderen Geist inspiriert, der eine Mischung ist aus Glaube, Ehrfurcht vor der jahrtausendealten Geschichte des Vatikans und dem Bewusstsein, im direkten Umfeld des Stellvertreters Christi zu arbeiten. Es ist eine faszinierende Reise zum Staunen und Schmunzeln.

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