Das Berliner Schloss

Zeugnis deutscher Geschichte

Wie an kaum einem anderen Ort verdichtet sich deutsche Geschichte so intensiv wie am Berliner Schloss. Seit 1950 ist es vom Erdboden verschwunden, aber noch immer von vielen Geheimnissen umgeben. Nun ist der heißdiskutierte Wiederaufbau geplant. Doch wie sah das Schloss tatsächlich aus? Wie weit haben sich die Erbauer an die Pläne der Architekten gehalten? Für eine Rekonstruktion erforschen die Wissenschaftler die Stadt bis in ihr Innerstes, bis tief unter den Straßen und Plätzen Berlins.

Von Kurfürsten, preußischen Königen und deutschen Kaisern seit 1443 erbaut, wuchs das Schloss zur prachtvollen Residenz und höfischen Repräsentanz deutscher Macht. Im Herzen von Berlin gelegen, nicht weit der heutigen Museumsinsel, hat das Schloss Geschichte geschrieben: mit der Kriegsproklamation Kaiser Wilhelms II. 1914 vom Balkon des Schlosses aus oder Karl Liebknechts Ausrufung der sozialistischen Republik 1918.

Zurück an historischer Stelle

Die Residenz der Preußen diente den Nazis als bevorzugte Kulisse für Aufmärsche, wurde im Zweiten Weltkrieg zerbombt und in der DDR gesprengt. Am selben Ort entstand dann der Palast der Republik, der wiederum jetzt in aufwändiger Abbrucharbeit abgerissen wird. Bald soll das Schloss an dieser historischen Stelle wieder erstehen.


Doch ehe die Bagger kommen, nutzt ein Team aus Archäologen, Bauforschern und Computerexperten die letzte Chance, um rund um den ehemaligen Schlossplatz nach verlorenen Schätzen, Überresten des Schlosses, der verschollenen Gruft der Schlossfürsten aus dem Mittelalter und geheimen Stasi-Gängen zu suchen.

Die Zeit drängt

Das ZDF hat diese Forschungen begleitet und konnte die Experten bei ihrer Arbeit unterstützen. ZDF-Filmemacher entdeckten bislang unbekannte, unveröffentlichte Filme, die bei der Rekonstruktion der Schlossfassade unschätzbare Hilfe leisten. Im Wettlauf gegen die Zeit fahnden Berliner Landesarchäologen nach den verschwundenen Gebeinen des Kurfürsten Johann Cicero (1455-1499), des Urahnen der wilhelminischen Kaiser, der Berlin und das Schloss zu seiner Residenz ausbaute.


Doch die bürokratischen Hürden scheinen oft unüberwindlich. Wochenlang muss das Team auf die Genehmigung warten, einen vermauerten Gang zu öffnen, hinter dem alte Stasi-Tunnel vermutet werden. Als dann die Genehmigung doch noch kommt, wird das Team kurz vor der Öffnung der Mauer gestoppt. Die Bauleitung des aufwändigsten Abrisses des Landes warnt noch einmal eindringlich vor den Gefahren einer Öffnung: Am Palast der Republik wurde tonnenweise Asbest verbaut, lautet ihre Erinnerung. Doch die daraufhin eingesetzten Messgeräte geben Entwarnung: alles asbestfrei!

Eine kleine Sensation

Auf Grabungen am Petri-Platz in Berlin-Mitte machen die Forscher einen erschütternden Fund. Der Boden gibt über 2500 Leichen frei, darunter zahlreiche Untertanen der Kurfürsten. Und dann an diesem Ort eine bewegende Entdeckung: Am Rande des Schlossplatzes identifizieren die Archäologen Gewölbe der alten Gruftkirche der Hohenzollern. Experten vermuten darin die fürstliche Grabkammern, die jetzt auf ihre Freilegung warten.

Der Petri-Platz war der Ortsmittelpunkt des auf der Spreeinsel gelegenen Berlin-Cöllns im Mittelalter. Später wuchsen beide Städte zu Berlin zusammen. Die Verbindung beider Städte war die Lange Brücke, die heutige Rathausbrücke.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet