Das Blut der Welt

Zweiteilige Dokumentation über den Kampf ums Öl

Früher ging es im Kräftemessen der Staaten um Territorien und Ideologien. Heute entscheiden die Rohstoff-Ressourcen eines Landes über Macht und Ohnmacht auf dem Weltmarkt. Die Energien sind knapp und teuer, denn die Weltwirtschaft wächst.

Ölförderung im Kaspischen Meer
Ölförderung im Kaspischen Meer Quelle: ,ZDF

Nie war die Nachfrage größer als heute. Das liegt vor allem am Energiehunger der Schwellenländer China, Indien und Brasilien. Allein China ist für ein Drittel des weltweiten Wachstums des Erdölverbrauchs verantwortlich. In ihrer zweiteiligen Dokumentation berichten Stefan Aust und Claus Richter von den Brennpunkten des weltweiten Ölbusiness, angefangen von der deutschen Bohr- und Förderplattform Mittelplate im Wattenmeer bis zur boomenden Offshore-Industrie im Golf von Mexiko.

Öl- und Förderplattform Mittelplate
Öl- und Förderplattform Mittelplate Quelle: ZDF

Richter und Aust begleiten die Anstrengungen der wichtigsten deutschen und internationalen Unternehmen in den Bereichen Förderung, Erzeugung, Handel und Distribution und stellen die Frage, wie umweltverträglich und nachhaltig der Umgang mit fossilen Energieträgern heute ist - und welche realistischen Alternativen überhaupt bestehen.

Treibstoff für kommende Konflikte

Alle großen Staaten haben heute erkannt: Erdöl und Erdgas sind von existentieller strategischer Bedeutung. Sie sind der Treibstoff der kommenden Konflikte. Deshalb stecken die Mächtigen der Welt überall dort, wo überlebenswichtige Rohstoffreserven liegen, mit Waffengewalt oder aggressiver Diplomatie ihre Claims ab.

"Das Ölzeitalter geht zu Ende" - Interview mit Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Politische Faktoren beeinflussen den Markt sehr stark, wie die jüngste aktuelle Entwicklung zeigt: Durch die Umwälzungen in Nordafrika und im Arabischen Raum verschieben sich die politischen Kräfte, was Auswirkungen auf die sichere Versorgung des Westens mit Öl und Gas haben wird. Zudem kommen verstärkt neue Player mit großen nationalen Öl- und Erdgas-Industrien auf, wie Russland und Aserbaidschan, die auch für die Versorgung Deutschlands immer wichtiger werden.

"Revival" der fossilen Energieträger

In Deutschland wird die Energiewende der Politik, die beschleunigte Abkehr von der Kernenergie, zu einem "Revival" der fossilen Energieträger führen müssen, weil der Bedarf anders gar nicht zu decken ist. Das Ende eines Zeitalters der fossilen Brennstoffe, wie vielfach beschworen, ist deshalb noch lange nicht in Sicht.

Ölfeld in Baku
Ölfeld in Baku Quelle: ,ZDF

Aus den genannten Gründen werden die Anstrengungen, die fossilen Energieträger zu gewinnen, weltweit eher noch zunehmen. Man wird dabei an die geografischen und technischen Grenzen der Rohstoffgewinnung gehen. Dennoch stehen dem wachsenden Bedarf schwindende Ressourcen gegenüber. Manche Wissenschaftler sprechen davon, dass die weltweiten Ölreserven in 100 Jahren aufgebraucht sein werden, andere gehen von nur 40 Jahren aus.

Zeitalter des billigen Öls ist vorbei

Erdgasreserven sollen erheblich länger ausreichen. Die gute Nachricht: Dass das Öl, überhaupt die fossilen Rohstoffe, sozusagen über Nacht zu dem vielfach zitierten, kaum mehr erschwinglichen "schwarzen Gold" werden oder womöglich gar nicht mehr ausreichend erhältlich sind, ist trotz aller Gefahren und Engpässe unwahrscheinlich.

"Wir werden auf Öl angewiesen sein" - Interview mit Matthias Bichsel, Director Projects and Technology der Royal Dutch Shell Die schlechte Nachricht: Das Zeitalter des billigen Erdöls und Erdgases ist definitiv vorüber. Die Menschheit wird spätestens in der nächsten Generation bitter dafür bestraft werden, dass sie immer noch so tut, als könnte sie über die fossilen Rohstoffe aus dem Bauch der Erde weiter nach Belieben verfügen. Energiesparen und das Fördern regenerativer Ressourcen wie Sonne, Wind und Biomasse sind dringend erforderlich - auch wenn diese erneuerbaren Rohstoffe in einem Energiemix aus Öl, Gas, Kohle und Atomstrom selbst langfristig bestenfalls ein Viertel des Bedarfs von Industriestaaten decken dürfte.

Wachsender Hunger nach Rohstoffen

Trotz aller Euphorie über "grüne Energie" - die fossilen Rohstoffe bleiben bis auf weiteres die zuverlässigsten, am leichtesten transportierbaren und vielseitigsten Energielieferanten. Auf der Suche nach den Öl- und Gasförderstätten dieser Welt reisten die Autoren Aust und Richter von Alaska bis Feuerland, von Aserbaidschan über Qatar bis nach Sibirien und China, wo das ZDF-Team als erstes ausländisches Fernseh-Team überhaupt Zugang zum größten chinesischen Ölfeld bei Daqing bekam.Im ersten Teil der Dokumentation "Das Blut der Welt" zeigen Stefan Aust und Claus Richter die Förderung von Erdöl und Erdgas heute, den wachsenden Hunger nach diesen Rohstoffen in aller Welt und die aktuellen Verteilungskämpfe um die noch frei verfügbaren Ressourcen. Sie schildern den historischen Aufstieg des Öls zur Weltmacht, reisen in die Boomstaaten des 21. Jahrhunderts, die auch für den deutschen Markt entscheidend sind, untersuchen die Abhängigkeit der Deutschen von ausländischen Öl- und Gaslieferungen und gehen der Frage nach, ob wir uns auf eine Zukunft ohne Öl und Gas einstellen müssen.

Energieeffizienz wird immer wichtiger

Im zweiten Teil der Dokumentation untersuchen Stefan Aust und Claus Richter, wie sich die Welt auf die Energiezukunft vorbereitet, welche Rolle das Erdgas und die alternativen Energien dabei spielen, weshalb das Öl vor allem im Verkehrssektor noch auf lange Zeit unverzichtbar sein wird und wie nach einer langen Phase hemmungsloser Verschwendung deshalb Energieeffizienz immer wichtiger wird. Die Autoren schildern auch, wie gleichzeitig die Anstrengungen verstärkt werden, neue Öl- und Gasvorkommen zu finden.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet