Das Phänomen Lourdes

Einer der größten Wallfahrtsorte der Welt

Der Wallfahrtsort in den südfranzösischen Pyrenäen gehört mit den sechs Millionen Menschen, die jährlich nach Lourdes kommen, zu den größten Pilgerstätten der Welt. Ein großer Teil der Pilger sind alte, kranke und behinderte Menschen. Viele hoffen auf eine Heilung.

Zahlreiche Pilger in Lourdes Quelle: ZDF,Jürgen Erbacher

Auch wenn bisher in der 150-jährigen Geschichte erst 67 Heilungen offiziell als Wunder anerkannt wurden, steht Lourdes wie kein anderer Wallfahrtsort der katholischen Kirche für dieses Phänomen. Oft werden die Menschen, die in den kleinen Pyrenäenort pilgern, deswegen belächelt und als abergläubisch angesehen.

Ein Ort des Miteinanders

Von kirchlicher Seite wird die Wundergläubigkeit nicht unterstützt. Die Botschaft von Lourdes sei vielmehr ein Ruf zur Umkehr und zur Vertiefung des Glaubens, so der Pilgerseelsorger Oblatenpater Uwe Barzen: "Es geht um die innere Heilung, die Heilung des Herzens." Dazu trage die besondere Atmosphäre bei, die in Lourdes herrsche.


In der Tat ist es faszinierend zu beobachten, wie die Menschen miteinander umgehen: Jugendliche schieben begeistert Rollstühle mit alten und behinderten Pilgern durch die engen Straßen des Wallfahrtsortes, tragen sie in die Grotte, den Ort der Marienerscheinungen vor 150 Jahren, versorgen sie in den Hospizen während ihres Aufenthaltes. Kranke und Behinderte haben Vorfahrt, überall in Lourdes und alle beachten das. Am Abend ziehen Tausende mit Kerzen über den Wallfahrstbezirk und singen im Lichtermeer das berühmte "Ave Maria" von Lourdes.

Lichterprozession Quelle: ZDF

Nur Kitsch und Konsum?

Spätestens an dieser Stelle spürt auch der distanzierte Beobachter, dass Lourdes etwas Besonderes ist. Doch was ist es? Kurze Zeit später taucht die Menge wieder ein in die Straßen voller Andenkenläden: Rosenkränze, Marienstatuen, Heiligenbilder - für den einen Kitsch, für den anderen eine bleibende Erinnerung an eine bewegende Pilgerfahrt

Und überall werden Behältnisse für das Wunderwasser von Lourdes an den Mann gebracht: von kleine Marienstatuen aus Plastik zum Befüllen bis hin zu 5-Liter-Kanistern, die allerdings seit den neuen Handgepäckvorschriften für Flugreisende auch bei den Pilgern nicht mehr so reißenden Absatz finden wie einst.

Lourdes muss man erleben

Der Außenstehende bleibt etwas ratlos und mit zwiespältigen Gefühlen zurück. Für die meisten Pilger hingegen ist Lourdes ein unvergessliches Erlebnis; viele kommen daher auch regelmäßig. Sie erfahren eine Stärkung im Glauben.

Sie erleben eine große Gemeinschaft, in der alle gleich zählen ob jung oder alt, krank oder gesund, behindert oder nicht behindert. Mit dem Schicksal vieler anderer konfrontiert relativieren sich oft die eigenen Sorgen und Nöte. Diese Erfahrung macht Maresa von Türkheim-Böhl, die seit 48 Jahren regelmäßig nach Lourdes kommt und als ehrenamtliche Helferin tätig ist: "Das eigene Päckchen, das jeder mit sich herumträgt, wird ganz klein angesichts der Not, die einem hier bei den anderen begegnet."

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