Der Alltag des Papstes

Benedikt XVI. und seine päpstliche Familie

Der Terminkalender ist bis zum Rand gefüllt. Täglich kommen Hunderte Briefe und E-Mails. Wichtige Entscheidungen für die Zukunft der Kirche müssen getroffen werden. Papst Benedikt XVI. ist ein gefragter Mann. Ein kleiner Mitarbeiterstab in seinem engsten Umfeld sorgt dafür, dass der 80-Jährige unter der Last des Amtes nicht zusammenbricht.

Benedikt XVI. muss mit seinen Kräften haushalten. Daher hat er von Anfang an einen eigenen Stil geprägt und mehr Ruhe in den Tagesablauf gebracht. Es gibt weniger öffentliche Termine; dafür nimmt er sich mehr Zeit für Gespräche etwa mit Bischöfen und das Aktenstudium.

Die päpstliche "Familie"

Papst Benedikt XVI. und Georg Gänswein, der Privatsekretär des Papstes
Der Papst privat Quelle: ap


Unterstützt wird Benedikt XVI. von den "Mitbewohnern" der Päpstlichen Wohnung. Dazu gehören die beiden Privatsekretäre, der Deutsche Georg Gänswein, der schon in Ratzingers Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation diese Aufgabe wahrgenommen hat, und Alfred Xuereb. Der aus Malta stammende Kurienprälat ist seit Mitte September im Amt und war zuvor im Vatikanischen Staatsekretariat tätig. Den Haushalt organisieren der Kammerherr Paolo Gabriele und die vier Damen, die der geistlichen Gemeinschaft "Comunione e liberazione" angehören.

Die Privatsekretäre und die vier Damen wohnen eine Etage über der Papstwohnung. Dort, wo auch für Georg Ratzinger immer ein Zimmer bereit steht, damit er seinen Bruder Joseph im Vatikan besuchen kann. Ingrid Stampa, die früher den Haushalt Joseph Ratzingers geführt hat, gehört zwar nicht direkt zur Päpstlichen Familie, kümmert sich aber nach wir vor um wichtige Aufgaben, wie etwa die Herausgabe oder Übersetzung seiner Texte und Bücher. Auch die langjährige Sekretärin aus der Glaubenskongregation, Schönstatt-Schwester Barbara Wansing, arbeitet im Apostolischen Palast weiter für Joseph Ratzinger.

Gebete, Papierkram und Audienzen

Der Tag beginnt früh im Päpstlichen Appartement. Um sieben Uhr feiert Benedikt XVI. die Heilige Messe in der Privatkapelle. Anders als unter seinem Vorgänger sind meist keine Gäste anwesend, sondern nur die engsten Mitarbeiter: Kammerherr, die vier Frauen, die den Haushalt führen, und die beiden Privatsekretäre. Nach dem Frühstück beginnt die Arbeit. Presseschau, Korrespondenz und Personalien stehen auf der Tagesordnung. Benedikt XVI. unterzeichnet die Urkunden zur Ernennung neuer Bischöfe und bereitet sich auf die Audienzen vor, die ab 11 Uhr beginnen.

Diese finden in der "Seconda Loggia" des Apostolischen Palastes statt. Der deutsche Pontifex hat die Zahl der Audienzen stark reduziert. Bei Politikern empfängt er nur Staatspräsidenten, Regierungschefs und Leiter wichtiger internationaler Organisationen. Dafür nimmt sich Benedikt viel Zeit für Treffen mit den Bischöfen aus aller Welt. Diese müssen alle fünf Jahre zur Berichterstattung in den Vatikan kommen. Im Rahmen dieser "ad-limina" Besuche spricht der Papst mit jedem Bischof. Meist dauert eine Audienz 15 bis 20 Minuten. Geht das Gespräch länger, ist das ein Zeichen besonderer Wertschätzung oder besonderen Gesprächsbedarfs.

Frische Luft - und viele Verpflichtungen

Grünanlagen des Vatikan


Am Dienstagvormittag gibt es in der Regel keine Audienzen. Da bereitet sich der Papst auf die wöchentliche Generalaudienz vor. Diese findet am Mittwoch statt. Dann erwarten mehrere Tausend Menschen den Pontifex auf dem Petersplatz oder in der Vatikanischen Audienzhalle. Zum Mittagessen zieht sich Benedikt XVI. wieder in seine Wohnung zurück. Anders als Johannes Paul II. bevorzugt er den Austausch im kleinen Kreis. Zum Drei-Gänge-Menü trinkt der Papst nur selten einen Schluck Wein. Im Anschluss folgt die Mittagspause, meist mit einem kurzen Spaziergang. Wenn es möglich ist, geht Benedikt XVI. dafür in die Vatikanischen Gärten. Die werden dann für das Publikum und Vatikanmitarbeiter gesperrt. Bleibt wenig Zeit, geht der Papst auf dem Dachgarten des Apostolischen Palastes spazieren.

Am Nachmittag kehrt Benedikt wieder an den Schreibtisch zurück. Er bereitet Reden vor, studiert Akten und beantwortet die Post. Ab 17 Uhr kommen dann die führenden Kurienchefs zur Besprechung. Mehrmals die Woche trifft er Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone. Der zweite Mann im Staat gehört zu den engsten Vertrauten Benedikts. Beide haben schon in der Glaubenskongregation lange miteinander gearbeitet. Zusammen mit dem deutschen Pontifex bestimmt Bertone die Grundlinien der Vatikanischen Politik. Regelmäßige Termine haben außerdem der Vatikanische Innen- und der Außenminister sowie die Chefs der Glaubenskongregation, der Bischofskongregation. Mit diesem bespricht der Papst anstehende Bischofsernennungen. Die anderen führenden Kurienmitarbeiter erhalten Audienzen je nach Bedarf.

Lange Arbeitstage

Am Abend klingt der Tag meist etwas ruhiger aus. Gelegentlich schaut sich der Papst im Wohnzimmer zusammen mit seinen Sekretären die Nachrichten im Fernsehen an. Immer wieder kommen auch alte Bekannte und Freunde zum Abendessen. Meist zieht sich der Pontifex aber auch am Abend noch einmal zum Lesen und Arbeiten zurück. Dann brennt noch lange Licht im Apostolischen Palast. Erst gegen 23 Uhr geht ein langer Arbeitstag zu Ende.

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