Der Eroberer und der Papst

Karl der Große sah sich als Beschützer der Kirche

Militärische Macht, politisches Kalkül und fester Glaube ließen Karl den Großen zum obersten weltlichen Schutzherren der Kirche aufsteigen. Zwei Päpste machte er sich zu Verbündeten - und schließlich krönte ihn Papst Leo III. zum Kaiser.

Nach dem erfolgreichen ersten Feldzug gegen die Sachsen lenkte eine neue Herausforderung die Aufmerksamkeit von Karl dem Großen nach Süden. Dort lag das Reich der Langobarden. Ihr König bedrohte den Papst in der unabhängigen Stadt Rom, und Papst Hadrian rief Karl den Großen zu Hilfe.

Bündnis zwischen König und Papst

Nach langer Belagerung ihrer Hauptstadt Pavia mussten sich die Langobarden dem fränkischen Eroberer beugen. Karl der Große genoss seine Macht. Er nannte sich von da an König der Franken und Langobarden und zog mit seiner Gefolgschaft nach Rom.


Zwischen Papst Hadrian und dem mächtigsten Herrscher in Europa entstand ein festes Bündnis. Karl der Große fühlte sich daraufhin noch stärker und zugleich verantwortlich für den Schutz des Papstes und der Kirche.

Auf seiner Rückreise nach Norden - so erzählt eine Legende - geriet Karl der Große bei der Überquerung der Alpen in ein winterliches Unwetter. Er hatte Angst um sein Leben und gelobte, in der ersten bewohnbaren Gegend, in die er kommen würde, ein Kloster zu gründen. Nach dem Unwetter soll Karl dann in das heutige Münstertal in der Schweiz gekommen sein und dort tatsächlich ein Kloster gegründet haben.

Grabplatte für den Petersdom

Im Jahr 795 starb Papst Hadrian. Karl der Große trauerte um das Kirchenoberhaupt, dem er sich sehr verbunden gefühlt hatte. Zum Gedenken an ihn schickte er eine Grabplatte nach Rom, die noch heute hoch oben in der Eingangshalle des Petersdoms zu sehen ist.

Ein Gedicht, von Alkuin im Namen Karls des Großen verfasst, bestätigt die enge Verbundenheit zwischen dem Frankenreich und der Kirche: "Hadrian und Karl. Die Namen vereine ich glänzend mit Titeln: König ich, Vater du."

Attentat auf den Papst

Nachfolger von Hadrian wurde Leo III. Er hatte Feinde in Rom, im Jahr 799 verübten sie sogar ein Attentat auf ihn. Die Angreifer versuchten ihm die Zunge abzuscheiden und die Augen auszustechen. Der Papst floh zu Karl ins Frankenreich. Nur dort wähnte er sich noch seines Lebens sicher.


Den schwer verletzten Papst ließ Karl der Große ausgerechnet in das provinzielle Paderborn kommen. Er holte ihn nicht nach Mainz, Köln oder in eine andere große Stadt des Frankenreichs. Denkbar ist, dass Karl der Große damit eine politische Absicht verfolgte.

Leo III. flieht zu Karl

"Es spricht viel dafür, dass Karl der Große sich 799, also mehr als 20 Jahre nach Beginn der Unterwerfung des Sachsenlandes, in Paderborn als der Bezwinger des Heidentums präsentieren wollte", deutet der Historiker Rudolf Schieffer. Karl der Große sei laut Schieffer dem Papst als jemand entgegen getreten, der die Christenheit soeben um das große Land der Sachsen bereichert hatte.

Krönung zum Kaiser

Zum ersten Mal in der Geschichte des Christentums hielt sich damals ein Papst in dem Land auf, das später Deutschland wurde. Nachdem Papst Leo III. von Paderborn nach Rom zurückgekehrt war, wollte er Karl dem Großen dafür danken, dass dieser ihn gegen seine Feinde beschützt hatte. Im Jahr 800 ließ er ein Mosaik anfertigen.


Eine Nachbildung aus dem 18. Jahrhundert ist heute noch an der Piazza San Giovanni in Rom zu sehen. Eine der Szenen zeigt Petrus, zu dessen Füßen Papst Leo und König Karl sitzen: geistliches Oberhaupt und weltlicher Beschützer der Kirche. Im gleichen Jahr 800 krönte Papst Leo III. Karl den Großen im Rom zum Kaiser.

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