Der gescheiterte Rebell

Franz von Assisi - ein Heiliger wider Willen

Zwei Jahre nach seinem Tod (1228) wird Franz von Assisi heilig gesprochen. Der radikale Kritiker der Kirche wird zum Garanten ihres Überlebens. Andererseits werden vier Ordensmänner, die nach der Regel des Heiligen Franziskus leben wollen, im Jahr 1318 als Ketzer verbrannt. Dieses Inquisitionsurteil von Marseille setzt den Schlusspunkt unter eine Kampagne, mit der die Römische Kirche das wahre Franziskanertum auslöschen wollte.

Franziskus vor der Stigmatisierung durch den Seraphen Quelle: ZDF/Giuseppe Bianco

Hundert Jahre nach dem Tod Franz von Assisis gilt es als ein Verbrechen, nach den Regeln des Franziskus zu leben. Der Tod von vier Ordensmännern, die am 7. Mai 1318 in Marseille als Ketzer verbrannt wurden, gibt Zeugnis darüber. Zuvor waren bereits alle Lebensbeschreibungen, die nicht dem kirchenkonformen Bild des Heiligen von Assisi entsprachen, vernichtet worden. Die radikalen Ideen des Erneuerers Franz von Assisi, die die gesamte Kirche in Frage stellen, sind wie ausgelöscht.

Vom Wohlstand zur Armut

Aus einem radikalen Wanderprediger, der die Kirche zu Frieden und Besitzlosigkeit verpflichten wollte, hatte man einen sanftmütigen Tierfreund und den Erfinder der Weihnachtskrippe gemacht. Aus dem bescheidenen Grab, das Franziskus wollte, wurde nach seinem Tod eine monumentale Pilgerstätte.


Franziskus von Assisi, geboren 1181 oder 1182 in Assisi, wurde als Sohn des wohlhabenden Tuchhändler Pietro Bernardone und seine Frau Pica geboren. Getauft auf den Namen Giovanni (deutsch: Johannes), nannte ihn sein Vater jedoch Francesco (Franzose). Er hatte sich während der Geburt in Frankreich auf Handelsreise befunden. Im Alter von 25 Jahren lassen Kriegs- und Krankheitserfahrungen den reichen Bürgersohn an seiner Bestimmung zweifeln. Er will weder Ritter werden noch Kaufmann, wie sein Vater. Was aber dann?

Franziskus erblickt verfallene Kirche

An den Hängen vor Assisi trifft Franziskus auf die verfallene Kapelle von San Damiano. Ein Sinnbild für die Kirche seiner Zeit. Und die Aufbauarbeit, die er allein begann, mündete in der mächtigsten Kirchenbewegung seiner Zeit. Zwei Jahre nach seinem Tod im Jahre 1226 wird Franz von Assisi heilig gesprochen. Die Überlieferung stilisiert ihn zu einem zweiten Christus. Doch wer war er wirklich?

Menschennahe Kirche


Ist die Heiligsprechung des Franz von Assisi ein Versuch, die Konturen des unbequemen Kirchenerneuerers unkenntlich zu machen? "Wenn Franziskus sich durchgesetzt hätte, wäre eine ganz andere christliche Gesellschaft entstanden," meint der anerkannte Franziskus-Experte Professor Helmut Feld aus Tübingen: "Es wäre eine neue Religion entstanden, so, wie das Christentum aus dem Judentum, so wäre aus dem mittelalterlichen Christentum eine neue Religion entstanden."

Doch wie hätte das Christentum des Franz von Assisi ausgesehen? Franziskus hat freiwillig ein Leben in Armut gewählt. In seinem letzten Willen beschreibt Franziskus die Begegnung mit den Ausgestoßenen der Gesellschaft als Wendepunkt in seinem Leben: Zu seiner Zeit ist der Umgang mit Aussätzigen tabu. Der Mann aus Assisi setzt sich über das Verbot hinweg.

Aussätziger vor den Toren Assisis

In den Anlaufstellen für Bedürftige und Ausgestoßene sind die Konturen einer Kirche des Franziskus noch heute sichtbar. Dort wird die Nähe zu den Menschen gesucht und der Schutz der Schöpfung als wichtige Aufgabe begriffen. Ordensleute und Laien tragen dazu bei, dass die Botschaft des Franziskus bis heute überlebt hat.

Existentielle Bedrohung?

Warum verstanden die Päpste die Botschaft des Franziskus schließlich als existentielle Bedrohung für die Kirche? Was haben die berühmte Predigt an die Vögel und das "Sonnenlied" des Franziskus eigentlich zu bedeuten? Und was hat es mit den Wundmalen Christi auf sich, die Franziskus zwei Jahre vor seinem Tod auf dem Berg La Verna empfing?

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